Das Duell: Nestlé und Reimann ringen um den Kaffee-Markt

Das Duell um den Kaffee-Markt: Familie Reimann und Nestlé gehen auf Shoppingtour (Foto: Bborriss.67 / Shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen habe ich Ihnen hier im Schlussgong beschrieben, wie Sie am besten in Gold investieren können. Heute geht es um einen anderen Rohstoff, der speziell nach dem Aufstehen für einige Menschen noch wichtiger ist als Gold.

Fast jeder von uns kennt und schätzt es, sich seinen Kaffee auf dem Arbeitsweg oder beim Stadtbummel zu kaufen. Das ist keine komplett neue Entwicklung. Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten, als dieses Geschäft noch fest in den Händen der Tchibo und Eduscho-Filialen war. Mittlerweile sind ganz andere Player in den Vordergrund gerückt. So ist die amerikanische Kaffee-Kette Starbucks zu einem Synonym für die ganze Branche geworden.

Nestlé vertreibt Starbucks-Produkte

Und so gemütlich und alltäglich dieser Kaffee to Go auf jeden Einzelnen von uns wirken mag, im Hintergrund sehen wir einen knallharten Kampf um Marktanteile. So ging der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé in den vergangenen Wochen auf Einkaufstour und erwarb weltweit die Rechte für die Vermarktung der Konsum- und Gastronomieprodukte von Starbucks in Supermärkten.

Die rund 28.000 Starbucks-Filialen sind nicht davon betroffen. Nestle zahlt den Amerikanern dafür 7,15 Milliarden Dollar in bar. Ein stolzer Preis: Starbucks erzielt mit dem Geschäft einen Jahresumsatz von zwei Milliarden Dollar.

Druck durch ein neues Kaffee-Imperium

Dass sich Nestlé mit dem Zukauf noch stärker im Kaffeebereich engagiert, ist eine direkte Antwort auf die Wachstumspläne eines großen Kaffee-Konkurrenten. So ist die Kaffee-Marke Nescafé seit Jahren ein Flagschiff der Schweizer. Dennoch kommt das USA-Geschäft unter Druck, denn die deutsche Milliardärsfamilie Reiman hat über ihre Holding JAB in den vergangenen Jahren ein wahres Kaffee-Imperium zusammengekauft.

So wurde Jacobs Douwe Egberts mit seinen bekannten Marken Jakobs, Tassimo und Senseo erworben. Den direkten amerikanischen Nespresso-Konkurrenten Keurig ereilte das gleiche Schicksal. Ketten wie Baresso, Balzac, Espresso House, Peet’s Coffee, Intelligentsia, Stumptown, Panera Bread, Krispy Kreme Doughnuts und Einstein Bros Bagels, Caribou Coffee und Au Bon Pain wurden ebenso geschluckt.

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Von Calgonit zum Kaffee

Die Milliardärsfamilie Reimann hat ihr Vermögen mit der Chemiefabrik Benckiser im Jahre 1851 begründet. Namhafte Erfindungen in den 1950er Jahren verhalfen dem Unternehmen zum Aufstieg, u. a. erfand Albert Reimann den Wasserenthärter Calgon, in den 1960er Jahren das Maschinen-Spülmittel Calgonit, und das Zahnersatz-Pflegemittel Kukident. Alle drei Marken sind heute noch in faktisch jedem Supermarkt zu finden.

Mitte 1999 fusionierte die börsennotierte Benckiser N.V. mit dem britischen Konzern Reckitt & Colman und wurde zu Reckitt Benckiser. Die Gesellschaft erwirtschaftet im Jahre 2000 schon rund 4,2 Milliarden Euro. Die Johann A. Benckiser GmbH mit ihren Beteiligungen an Coty und Reckitt Benckiser ist heute die Finanzholding JAB s.à.r.l. mit Sitz in Luxemburg.

Seit 2012 engagiert sich JAB  im Kaffeegeschäft und nimmt hier mittlerweile durch die bereits geschilderten Akquisitionen die Rolle eines „Big Players“ ein, dessen aggressive Expansion durch Zukäufe Konkurrenten wie Nestlé auf den Plan ruft.

Nestlé musste kontern

Die Schweizer kamen in Zugzwang und mussten nun ebenfalls expandieren. Hier geht es um Marktanteile vor allem in den USA. Schließlich wurden die Schweizer durch die JAB-Holding auf diesem entscheidenden Spielfeld in den vergangenen Jahren abgehängt.

Im zweiten Teil des Kaffee-Duells beschäftige ich mich damit, wie sinnvoll der Kauf für Nestlé zu sehen ist und ob dieser Schritt wirklich zielführend oder schlichtweg eine zu teure Akquisition war.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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