Das E-Auto kommt – ob Sie wollen oder nicht!

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Die europäische Autoindustrie hatte seit 2015 so ihre Probleme. Die nächsten 10 Jahre wer-den indes nicht viel einfacher. (Foto: guteksk7 / shutterstock.com)

Glauben Sie an den Klimawandel? Oder glauben Sie nicht daran?

Ich möchte hier weder Partei für noch gegen dieses Thema ergreifen. Falls Sie es noch nicht getan haben, dann möchte ich Sie dazu ermuntern, sich selbst einmal – möglichst unvoreingenommen – über die Argumente pro und kontra Klimawandel zu informieren und sich so ihr eigenes Urteil zu bilden.

Ich verspreche Ihnen: Sie werden viel Erstaunliches zu lesen, zu hören und zu sehen bekommen.

Mir ist es auf jeden Fall so ergangen: Ohne die intensivierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik wären mir wohl einige interessante Entwicklungen verborgen geblieben.

So wie die aus dem Auto-Sektor, über die ich Ihnen heute berichte. Vielleicht ist das ja für Sie ebenso informativ und den Blick schärfend, wie es für mich war. Und natürlich schauen wir auch noch gemeinsam auf die Charttechnik der Autobranche.

Was die Autoindustrie bewegt und bewegen wird

Schon seit dem Jahr 2009 gibt es eine EU-Verordnung zur Begrenzung der CO2-Emissionen von PKW. Der Grenzwert für 2012 bis 2015 wurde seinerzeit für die über die PKW-Flotte eines Herstellers auf durchschnittlich 130 g/km für 2025 festgelegt. (Quelle: „ADAC Position zur Festlegung neuer Pkw CO2-Grenzwerte post 2020“ vom 20.06.2018)

Um es deutlich zu machen: Es wird für alle Neuwagen-Modelle eines Autoherstellers ein gemittelter Emissionswert errechnet. Und der darf eben die genannten Werte für 95% der PKW-Flotte nicht überschreiten.

2014 wurde der Flotten-Grenzwert für 2020/21 auf 95 g/km festgelegt. Um Ihnen einmal zu verdeutlichen, was das für die Autohersteller heißt: Sie müssen ab dem kommenden Jahr Neuwagen zur Verfügung stellen, deren durchschnittlicher Verbrauch bei 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin pro 100 km liegt.

Das Verfahren, wie diese zulässigen Grenzwerte zu ermitteln sind, wird übrigens von der EU ebenfalls vorgeschrieben: Basis ist ein sogenannter Nutzwert, der durch das Fahrzeug-Leergewicht definiert wird.

Das kommt auf die Autohersteller bis 2030 zu

Brüssel hat inzwischen auch schon seine Vorgaben bis zum Jahr 2030 verlautbart: Bis 2025 soll die mittlere CO2-Emission um weitere -15% und bis 2030 um -37,5% reduziert werden.

Dabei können sich die Autohersteller Boni anrechnen lassen, sogenannte „Supercredits“:

So schlagen PKW, die 2020 weniger als 50 g/km emittieren, mit dem Faktor 2,0 zu Buche. Der Bonus sinkt über das 1,67-fache in 2021 auf das 1,33-fache in 2022. Maximal dürfen in diesem Zeitraum jedoch nur 7,5 g/km angerechnet werden.

Können die Flotten-Grenzwerte nicht eingehalten werden, müssen die Autohersteller Strafen zahlen. Schon seit Anfang dieses Jahres liegt diese Geldbuße bei 95 Euro bereits ab dem ersten Gramm CO2 zu viel.

Das Elektroauto wird kommen

Nun dürfte Ihnen klar werden, warum das Elektro-Auto in den kommenden Jahren unser Straßenbild grundlegend verändern wird. Denn: Die Flottengrenzwerte nur über Verbrennungsmotoren zu erreichen, dürfte auf Basis rein technischer Verbesserungen nicht umzusetzen sein.

Warum erzähle ich Ihnen das? Nun, weil dies ein Schlaglicht darauf wirft, vor welch große Herausforderungen die europäischen Autohersteller in der vor uns liegenden Dekade gestellt werden. Diese Informationen sollten Sie bei eventuell erwägten Investments in Autoaktien berücksichtigen.

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Auf die daraus resultierenden Diskussionen, beispielsweise über die erforderliche Stromversorgung der wachsenden Zahl an E-Autos (auch im Hinblick auf die Energiewende), die von kritischen Stimmen angesprochene Umwelt belastende Herstellung der Batterien sowie den Abbau der dazu notwendigen Rohstoffe wie Lithium und Kobalt sei hier nur der guten Ordnung halber verwiesen.

Auto-Index: Erfreuliche Ansätze?

Wie schaut nun die aktuelle Charttechnik der Autobranche aus? Schauen wir dazu auf den DAXsector Automobile:

Autobranche: Erfreuliche Ansätze

Dieser Chart sieht zunächst recht positiv aus: Der Abwärtstrend seit Anfang 2018 scheint überwunden. Der Branchenindex hat in den letzten Monaten einen Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Abwärtstrendlinie vollzogen.

Auch das On-Balance-Volumen entwickelt sich inzwischen besser, wenn auch eher zögerlich besser: Nach Verlassen des Abwärtstrends schloss sich eine Seitwärts-Bewegung an, die mit dem Ausbruch des Index ebenfalls nach oben verlassen wurde.

Der folgende Chart sieht (noch) nicht ganz so erfreulich aus.

Autobranche: Die Abwärtstrends seit 2015 sind noch intakt

Hier finden Sie wieder einmal bestätigt, was ich immer wieder empfehle: Schauen Sie vor einem Investment auf die Historie eines Kursverlaufes – je länger desto sinnvoller.

Es ist gut zu erkennen, dass der übergeordnete Abwärtstrend, der im März 2015 seinen Anfang nahm, noch nicht nach oben durchbrochen wurde. Gleiches gilt auch für den 14-Monats-Relative-Stärke-Index.

Fazit

Die Autobranche hat sich durch den Abgas-Skandal in den vergangenen Jahren kräftig selbst geschadet. Überdies wurde – das habe ich Ihnen auch schon in früheren Chartanalyse-Trends-Beiträgen geschrieben – in meinen Augen die frühzeitige Umstellung auf Elektroautos regelrecht verschlafen.

Die EU-Politik hat das Korsett geschnürt, mit dem die europäische Auto-Industrie (auch) in den kommenden 10 Jahren leben muss: Die bis 2030 geforderten CO2-Flottengrenzwerte sind praktisch nur über die verstärkte Einbindung von Elektro-PKW in die eigenen Modellreihen zu erreichen.

Es wird spannend sein, zu beobachten, ob die gerade für den Standort Deutschland so bedeutende Autoindustrie diesem Druck gerecht werden kann. Charttechnisch sind zumindest Ansätze zu erkennen, dass Autoaktien in der Zukunft auch mal wieder zu den Gewinnern gehören könnten.

Für Investments besteht indes noch keine Eile: Erst wenn die Abwärtstrends aus 2015 vom Branchenindex und der Relative-Stärke-Index nach oben verlassen werden können, ergeben sich langfristige Kaufsignale.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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