Das Erdbeben in Japan: Die menschlichen und ökonomischen Folgen

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Das Erdbeben in Japan ist für die betroffenen Menschen eine Tragödie. Die wirtschaftlichen Folgen könnten indes sogar positiv ausfallen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Eine Schockserie hält die Aktienmärkte in dieser Woche in Schach. An die Libyen-Krise hatten wir uns fast schon gewöhnt, da kamen erste Meldungen über Unruhen in Saudi-Arabien. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag folgte die nächste Katastrophe. Das gewaltige Erdbeben in Japan. Das Ausmaß der Katastrophe ist noch völlig offen.

Erst in einigen Wochen werden wir zumindest grob erahnen können, wie hoch die Anzahl der Opfer ist. Heute wurden jedoch nicht nur Hochrechnungen veröffentlicht, wie groß die Zahl der Opfer ist. Es gab auch erste Prognosen, welche wirtschaftlichen Auswirkungen das Erdbeben hat.

Nikkei reagiert auf das Erdbeben in Japan

Die Fernsehbilder zeigten heute im Tagesverlauf, dass noch immer Häuser, Hotels und auch Industrieanlagen brennen. In der japanischen Industrie wird es in den nächsten Wochen und Monaten zu erheblichen Produktionsausfällen kommen.

Für die ohnehin schwächelnde japanische Wirtschaft ist das ein weiterer Rückschlag. Der japanische Aktienindex Nikkei hat als Reaktion fast 2% an Wert verloren.

Katastrophen wirken sich positiv auf die Wirtschaft aus

Es klingt an einem solchen Katastrophentag zynisch, aber die mittelfristige Prognose könnte mit dem heutigen Tag sogar positive Impulse erhalten. Da die Bauschäden behoben werden müssen, entsteht eine steigende wirtschaftliche Nachfrage.

Die Bauindustrie und benachbarte Branchen profitieren vom Wiederaufbau der Häuser, Infrastruktur und Industrieanlagen. Die Konzerne, die jetzt Fabriken verloren haben, werden diese neu aufbauen und dabei auf die modernste Technik setzen. Die Fabriken werden daher nach dem Wiederaufbau wesentlich produktiver sein als die alten Anlagen, die jetzt durch das Erdbeben zerstört wurden.

Staat und Versicherungen zahlen für Schäden

Das Geld für den Wiederaufbau kommt erfahrungsgemäß aus zwei Quellen: Zum einen wird der Staat mit einem kreditfinanzierten Hilfsfonds einspringen. Die ohnehin riesige Verschuldung wird weiter steigen. Schon vor der Katastrophe lag die Staatsverschuldung in Japan bei rund 200% vom BIP.

Ebenfalls zahlen werden die Versicherungen. Daher ist es wenig erstaunlich, dass Versicherungs-Aktien heute die Verlierer-Listen an der Börse anführen. Da völlig unklar ist, welche Schäden die Versicherungen tragen müssen, könnte der Druck auch noch einige Zeit anhalten.

Unterschied zwischen Reich und Arm wird noch größer

Die oben geschilderten wirtschaftlichen Folgen und Reaktionen basieren auf Erfahrungen, die nach Naturkatastrophen in Industrieländern gemacht wurden. Zumindest die finanziellen Schäden können in den relativ wohlhabenden Ländern begrenzt werden.

Ganz anders sieht es aus, wenn eine solche Katastrophe ein armes Land erschüttert. Dann droht eine Doppel-Katastrophe: Erst die Zerstörung durch die Naturgewalten, dann der wirtschaftliche Niedergang. In den armen Regionen haben die Staaten kein Geld für Aufbauprogramme.

Auch der Versicherungsschutz ist in diesen Ländern erfahrungsgemäß gering ausgeprägt. Die ohnehin schwache Wirtschaft eines armen Landes kann dann noch weiter ruiniert werden.

Kleiner Trost für Überlebende des Erdbebens in Japan

Für die betroffenen Japaner ist es eine Tragödie, Familienangehörige und Freunde verloren zu haben. Unser Mitgefühl ist ihnen sicher.

Wenn sich der erste Schmerz gelegt hat, ist es vielleicht ein kleiner Trost, dass zumindest genug Geld vorhanden ist, die zerstörten Dörfer, Städte, Kindergärten, Schulen und auch Industrieanlagen als Ort der Arbeit nach dem Erdbeben wieder neu aufzubauen.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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