Stückzins: Das Geheimnis der Kaufkosten

Beim Kauf einer Anleihe nach der Platzierungsphase, also nach Beginn der Kuponlaufzeit muss der Erwerber neben dem Kaufpreis auch den Stückzins an den Vorbesitzer bezahlen.

Demnach ist der Anleihekauf während der Zeichnungsfrist nicht von Stückzinsen betroffen.

Immer wieder kommen an Anleiheinvestitionen interessierte Anleger mit der Frage auf mich zu: Was sind eigentlich Stückzinsen? Nun unter Stückzins versteht man denjenigen Zinsbetrag, den man beim Kauf einer Anleihe dem Verkäufer entrichten muss. Das Wesen der Stückzinsen ist schnell erklärt.

Denn im Regelfall erwirbt man eine Anleihe mit dem Recht auf Zinszahlungen für eine komplette Zinsperiode, auch wenn man die Anleihe nicht über die gesamte Zinsperiode gehalten hatte. Erwirbt man demnach eine Anleihe kurz vor dem Zinstermin, hat das keine Auswirkung auf die Kuponzahlung. So kann beispielsweise einen Tag vor der Zinsauszahlung eine Anleihe erworben werden und die Zinsen für das gesamte vergangene Jahr vereinnahmen.

Ohne Stückzinsen, würde der Verkäufer in solch einem Fall keine Zinserträge bekommen, obwohl er die Anleihe über nahezu der gesamten Zinsperiode gehalten hatte. Dementsprechend muss der Käufer der Anleihe dem Verkäufer in Form von Stückzinsen eine Entschädigung bezahlen.

Der Käufer einer Anleihe vereinnahmt also nur den Teil der Zinserträge die seiner Haltedauer entsprechen.  Das nachfolgende kleine Berechnungsbeispiel soll dies verdeutlichen.

Wie wird der Stückzins berechnet?

Wird beispielsweise eine Anleihe mit einem Nominalwert von 1.000 Euro eine Woche vor dem Zinstermin (Kupon: 5 %) erworben, so müssen für die vergangenen 51 Wochen Stückzinsen an den Verkäufer gezahlt werden. Der Käufer, der Zinsen in Höhe von 50 Euro je Anleihe vereinnahmt, muss den Großteil dieser an den Verkäufer in Form von Stückzinsen bezahlen.

Der Verkäufer bekommt demnach für rund 51 Wochen die Zinsen bezahlt und damit liegt der Stückzinsbetrag bei 49,04 Euro (50 Euro x 51/52). Dieser Betrag wird also für den Käufer zum Kaufpreis der Anleihe hinzugezogen, so dass der Käufer für einen Anteil von 1.000 Euro etwa 1.049,04 Euro bezahlen muss. Eine Woche später bekommt er ja dann die Zinsen von 50,00 Euro ausbezahlt.

Steuern auf Stückzinsen

Beim Verkäufer der Anleihe werden die Stückzinsen steuerlich als Veräußerungserlös behandelt und sind damit seit der Steuerreform steuerpflichtig.

Wer in den Jahren 2009 und 2010 beim Kauf einer Anleihe Stückzinsen ohne Abzug von Abgeltungsteuer kassiert hat, weil der Verkauf wegen Ablaufs der alten Spekulationsfrist steuerfrei war, muss nun die Stückzinsen nachversteuern.

Das Bundesfinanzministerium hat nämlich Anfang des Jahres in einem Verwaltungserlass angeordnet, dass Anleger, die in den Jahren 2009 und 2010 Stückzinsen kassiert haben, diese nachträglich versteuern müssen.

Die Banken wurden mit einer Frist zum 30. April verpflichtet, ihren Kunden nachträglich Steuerbescheinigungen über die Stückzinsen auszustellen.

In diesen Steuerbescheinigungen wird dem Kunden die Höhe der unversteuert gebliebenen Stückzinsen für 2009 und 2010 mitgeteilt. Zudem mussten die Zinsen beim Finanzamt gemeldet werden.

Der Anleger musste also die Stückzinsen in seiner noch nicht abgegebenen Steuererklärung der Jahre 2009 bzw. 2010 in die Anlage KAP Zeile 15 und 16 eintragen.

Bei bereits abgegebenen Steuererklärungen muss die Steuerbescheinigung der Bank beim Finanzamt eingereicht werden. Darüber hinaus musste durch in einem formlosen Schreiben die nachträgliche Besteuerung der Stückzinsen beantragt werden.

8. September 2011

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.

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