Das gescheiterte Geschäftsmodell eines ehemaligen Hype-Wertes

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Trotz vieler Gerüchte über einen Bieter für den krisengeschüttelten Hersteller von Action-Kameras GoPro gibt sollten Sie dessen Aktien besser meiden. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Wenig zu lachen hatten Aktionäre bislang mit den Anteilsscheinen von GoPro, dem US-amerikanischen Hersteller von wasserdichten und besonders robusten Action-Kameras, die Sie vielleicht schon auf den Helmen von Mountainbikern oder Motorradfahrern bemerkt haben. Seit Mitte 2014 ist das Unternehmen börsennotiert, doch von den Höchstständen von 87 Dollar ist die Aktie weit entfernt: Aktuell notiert die Aktie bei knapp über 5 Dollar, knapp 95% unter ihren Höchstständen.

Ein gescheitertes Geschäftsmodell

Schuld hierfür waren desaströse Zahlen, die sich aus einem nicht funktionierenden und wenig nachhaltigen Geschäftsmodell ableiten lassen. Zweistellige Absatz- und Umsatzrückgänge, horrende Verluste, massiver Mitarbeiterabbau: Kaum eine Negativschlagzeile, die das Unternehmen aus dem kalifornischen San Matteo nicht schon über sich lesen musste.

Das könnte sich nun ändern. Glaubt man den Pressberichten, die am Wochenende im Internet kursierten, ist der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi an einer Übernahme des krisengeschüttelten Unternehmens interessiert. Für Xiaomi würde die Übernahme Sinn machen, denn Xiaomi fertigt in geringem Umfang ebenfalls Actionkameras und könnte durch die Übernahme vom immer noch guten Markennamen GoPro profitieren.

Berechnungen ohne Sinn

Angeblich will Xiaomi bis zu 1 Milliarde Dollar für den angeschlagenen Actionkamera-Hersteller ausgeben, ein deutlicher Aufschlag gegenüber der aktuellen Marktkapitalisierung von etwa 760 Mio. Dollar. Bei ihren Berechnungen scheinen sich die Autoren an dem Preis orientiert zu haben, den Hewlett-Packard einst für Palm, den damals ebenfalls verlustreichen Hersteller von Personal Digital Assistants (PDA), im Jahr 2010 bezahlt hatte.

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Egal wie abwegig derartige Vergleiche und Berechnungen sein mögen, kaum waren die Gerüchte im Markt, ging es mit der GoPro-Aktie auch schon nach oben: Mit einem Plus von fast 9% ging die Aktie aus dem freitäglichen Handel, was nicht zuletzt daran lag, dass GoPro-CEO Nick Woodman unlängst bekundet hat, für Übernahmen grundsätzlich offen zu sein.

Sollte man sich als Aktionär nun in GoPro-Aktien positionieren, um von einem möglichen Übernahmeangebot zu profitieren? Selbst wenn GoPro gut in die Produktpalette von Xiaomi passen würde, darf nicht unterschlagen werden, dass das Geschäftsmodell von GoPro mit Ach und Krach gescheitert ist. Jedes iPhone ist heute in der Lage, vergleichbare, wenn nicht sogar bessere Fotos und Filme zu schießen. Und Clicks können Amateursportler mit den letztlich unspektakulären Abfahrten – ob auf dem Mountainbike oder mit Skiern – heute auch nicht mehr erzeugen.

Immer die Grundregeln im Auge behalten

Wer sich an der GoPro-Übernahmespekulation beteiligen möchte, verletzt eine Grundregel des Börsenhandels: Was bei profitablen, gut aufgestellten Unternehmen ertragreich sein mag, kann bei defizitären Gesellschaften wie GoPro letztlich katastrophale Folgen haben. Bewahrheitet sich das Gerücht nämlich nicht, bleiben Sie Aktionär eines Unternehmens, das Sie lieber nicht im Depot haben würden. Und diese Aktie kennt für gewöhnlich nur eine Richtung: Nach unten.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.