Das Imperium schlägt zurück: HP lehnt Übernahmeangebot von Xerox ab und prüft Gegenangebot

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Unter den US-Druckerherstellern HP und Xerox ist eine Übernahmeschlacht ausgebrochen. Gestern lehnte HP das Übernahmeangebot von Xerox ab, hält sich aber ein Hintertürchen offen. (Foto: Ivan Svyatkovsky / Shutterstock.com)

Zwischen den US-Hardware-Giganten HP Inc. (ehemals Hewlett-Packard Company) und Xerox Corp. ist ein Übernahmewettstreit ausgebrochen. Wie ich Ihnen bereits vor einigen Tagen berichtet habe, hat die wesentlich kleinere Xerox dem Mitbewerber HP Inc. ein feindliches Übernahmeangebot unterbreitet. Jetzt – zwölf Tage später – hat HP diese Offerte zurückgewiesen und erklärt, dass es selbst über ein Gegenangebot nachdenke.

Ablehnung mit Hintertürchen

Gestern erteilte der HP-Vorstand dem Xerox-CEO John Visentin eine deutliche Abfuhr. In einem öffentlichen Brief an Visentin erklärte HP, dass es den „unaufgeforderten Vorschlag vom 5. November 2019 geprüft habe und einstimmig zu dem Schluss gekommen ist, dass dieser HP deutlich unterbewerte und somit nicht dem Interesse der HP-Aktionäre genüge.“

In dem Schreiben erklärt der HP-Vorstand allerdings auch, dass er „die potenziellen Vorteile der Zusammenführung“ beider Unternehmen anerkennt. HP sei daher grundsätzlich „offen für die Prüfung, ob durch eine mögliche Kombination mit Xerox ein Mehrwert für die HP-Aktionäre zu schaffen ist.“ Falls diese Überprüfung positiv ausfällt, könnte es daher zu einem Gegenangebot kommen.

Details des Xerox-Angebots veröffentlicht

In seinem offenen Brief hat HP alle Details zum Übernahmeangebot von Xerox bekannt gemacht: Konkret hatte Xerox den HP-Aktionären insgesamt 22 USD pro Aktie angeboten. Davon sollten 17 USD in bar ausgezahlt werden. Zusätzlich sollten HP-Aktionäre für jede eigene Aktie 0.137 Xerox-Papiere erhalten.

Die Offerte enthielt folglich eine Übernahmeprämie von 20% auf den Schlusskurs von 18,40 USD der HP-Aktie vom 5. November 2019. Unter dem Strich wollte Xerox also etwa 33,5 Mrd. USD für die Übernahme des wesentlich größeren Mitbewerbers hinblättern.

HP lässt Muskeln spielen

Mit der Veröffentlichung des von Xerox als streng vertraulich bezeichneten Übernahmeangebots zeigt HP dem kleineren Mitbewerber deutlich seine Grenzen auf. Zusätzlich kritisiert der HP-Vorstand in seinem Antwortschreiben die schlechte Performance des Xerox-Konzerns im vergangenen Jahr:

„Wir stellen fest, dass der Umsatz von Xerox seit Juni 2018 von 10,2 Milliarden US-Dollar auf 9,2 Milliarden US-Dollar (auf 12-Monats-Basis) zurückgegangen ist, was für uns wichtige Fragen bezüglich der Entwicklung Ihres Unternehmens und Ihrer Zukunftsaussichten aufwirft.“

Des Weiteren macht der HP-Vorstand deutlich, dass er die Synergien einer Fusion beider Unternehmen selbst untersuchen will und stellt somit die von Xerox gemachten Angaben in Zweifel: „Darüber hinaus halten wir es für entscheidend, eine gründliche Analyse der erzielbaren Synergien aus einer möglichen Kombination vorzunehmen.“

Wie es weitergeht

In seiner Antwort auf das Xerox-Übernahmeangebot erklärt sich HP grundsätzlich bereit, auch weiterhin mit Xerox zusammenarbeiten zu wollen. Die Türen sind also auch nach der kecken Offerte des kleineren Mitbewerbers noch nicht gänzlich zugeschlagen.

Indirekt fordert HP den Xerox-Vorstand in seiner Schlussklausel aber auf, ihm Einblick in seine Bücher zu geben, „um Xerox und jeden Wert, der durch eine Kombination beider Unternehmen geschaffen werden soll, besser verstehen zu können.“

Ob Xerox diesem Wunsch nachkommt und ob HP ein Gegenangebot unterbreiten wird, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Es bleibt also spannend im Übernahmegefecht der beiden US-Drucker-Produzenten. Ich werde Sie weiterhin auf dem Laufenden halten.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.