Das Ringen um Anadarko geht weiter – Occidental jetzt klar im Vorteil

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Anadarko spricht sich einstimmig für das Übernahmeangebot von Occidental aus. Jetzt hat Chevron noch vier Tage Zeit, sein Angebot nach zu bessern. (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

Im Bieterwettkampf um den US-Ölkonzern Anadarko überschlagen sich die Neuigkeiten: Die Anadarko Petroleum Corporation hat gestern offiziell bekanntgegeben, dass sich der Verwaltungsrat einstimmig für den von der Occidental Petroleum Corporation gemachten – und noch am Sonntag nachgebesserten – Übernahmevorschlag ausgesprochen hat.

Anadarko teilte der Chevron Corporation mit, dass es beabsichtige, den bereits unterschriebenen Übernahmevertrag zu kündigen. Chevron hat laut Vertrag noch bis zum kommenden Freitag Zeit, Anadarko ein verbessertes Übernahmeangebot zu unterbreiten.

Occidental bessert Übernahmeangebot nach

Am gestrigen Sonntag gab Occidental bekannt, dass sie Anadarko ein verbessertes Angebot unterbreitet haben. In diesem überarbeiteten Angebot hat Occidental den Baranteil für den Erwerb von Anadarko-Aktien deutlich erhöht. Occidental bietet zwar weiterhin 76 US-Dollar pro Anadarko-Aktie, will hierfür aber 59 US-Dollar in bar und 0,2934 in Occidental-Stammaktien zahlen. Im ursprünglichen Übernahmeangebot war der Bar- und Aktienanteil noch zu gleichen Teilen gewichtet worden.

Neu im überarbeiteten Angebot ist auch, dass dieses nicht mehr von den Occidental-Aktionären abgesegnet werden muss. Dieser Punkt wurde von Anadarko in den Verhandlungen wiederholt als Grund dafür angeführt, warum Sie sich bisher für das 65 USD-Angebot von Chevron und nicht für das finanziell wesentlich bessere Angebot von Occidental entschieden haben.

Darüber hinaus erklärt sich Occidental im überarbeiteten Angebot bereit, die bei der Auflösung des Chevorn-Vertrags fällige Strafgebühr (break-up-fee) von einer Milliarde Dollar zu übernehmen.

Auf die Forderung von Anadarko, nach erfolgter Übernahme drei Vorstandsposten im Occidental Board zu erhalten, ist Occidental allerdings nicht eingegangen. Die Texaner sind vielmehr der Meinung, dass die Erhöhung des Bargeldanteils auf 78 % und die Streichung des Passus über die Zustimmung der Aktionäre ausreichen muss.

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Am Ende ihres Schreibens an den Anadarko-Verwaltungsrat drückt Occidental-CEO Vicki Holub ihren Unmut über den Verlauf der Übernahmeverhandlungen aus: „Wir sind nach wie vor verblüfft über Ihren offensichtlichen Widerstand, einen Mehrwert für die Anadarko-Aktionäre zu erzielen, was in unseren Verhandlungen in der letzten Woche deutlich zum Ausdruck gebracht wurde.“

Occidental sichert Finanzierung des Übernahme-Deals ab

Auch in Sachen Finanzierung des 38 Mrd. Übernahmedeals hat Occidental in den letzten Tagen seine Hausaufgaben gemacht. Wie bereits berichtet, konnten die Texaner Großinvestor Warren Buffett als Finanzier für den Übernahmedeal gewinnen. Buffett hat sich bereit erklärt, Occidental-Vorzugsaktien im Gegenwert von 10 Milliarden Dollar abzunehmen, um den Deal unterstützen.

Am Sonntag gab Occidental darüber hinaus bekannt, dass es mit dem französischen Total-Konzern eine verbindliche Vereinbarung über den Verkauf der Vermögenswerte von Anadarko in Algerien, Ghana, Mosambik und Südafrika über 8,8 Milliarden Dollar abgeschlossen hat. Voraussetzung für das Zustandekommen dieses Deals ist die Einwilligung von Anadarko in die Übernahme.

“Die finanzielle Unterstützung von Berkshire Hathaway sowie die von uns mit Total angekündigte Vereinbarung ermöglichen es uns, unsere Bilanz zu bereinigen und gleichzeitig unsere Integrationsbemühungen auf die Vermögenswerte zu konzentrieren, die für uns den größten Nutzen bringen”, so der Kommentar zu den Finanzierungsaktivitäten von Occidental-CEO Vicki Holub.

Läutet Chevron eine weitere Runde ein?

Jetzt liegt der Ball wieder beim kalifornischen Chevron-Konzern. Der hat jetzt bis Freitag Zeit, das eigene Angebot nachzubessern. Falls Chevron allerdings auf eine Nachbesserung verzichtet, können sie sich mit der vereinbarten Aufhebungsgebühr in Höhe von 1 Mrd. USD trösten. Es bleibt weiterhin spannend!


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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