Das schwarze Gold

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2018 lag der Ölpreis wieder so hoch, dass alle Öl-Konzerne wachsen konnten. Für 2019 wird ein weiterer Ölpreisanstieg erwartet. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Kaum eine Branche ist so stark von einem Rohstoffpreis abhängig wie die Ölbranche.

Noch vor zwei Jahren mussten fast alle Konzerne Verluste hinnehmen, da der Ölpreis historische Tiefststände erreicht hatte. 2018 lag der Ölpreis wieder so hoch, dass alle Konzerne wachsen konnten. Auch der Rücksetzer im 4. Quartal konnte diese Entwicklung nicht aufhalten. Manche Unternehmen sind anfälliger für Schwankungen des Ölpreises als andere: Unternehmen wie Chevron oder Exxon fördern einen Großteil ihres Öls in den USA.

Die Schieferölförderung dort ist deutlich teurer als die Ölförderung in anderen Teilen der Welt. Russische Unternehmen wie Gazprom und Lukoil konnten sogar während der Krise 2016 Geld verdienen. Für 2019 wird von vielen Seiten ein weiterer Anstieg des Ölpreises erwartet.

Die neue OPEC

Die OPEC hat in den vergangenen Jahren an Macht verloren. Da die USA und Russland deutlich mehr fördern, ging der Anteil der OPEC-Staaten zurück und damit auch ihre marktbeherrschende Stellung. Zudem destabilisierte sich das Kartell durch interne Streitigkeiten, die in dem symbolträchtigen Austritt des Landes Katar endeten. 2019 demonstriert die OPEC Einigkeit und Stärke. Zusammen mit Russland und 9 weiteren Ländern möchte das Kartell in der OPEC Plus die Hälfte des internationalen Ölangebotes kontrollieren und die Preise durch Fördermengensenkungen deutlich nach oben treiben.

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Venezuela am Scheideweg

Die Bevölkerung des ölreichsten Landes der Welt ist kurz davor, die humanitäre Katastrophe des gelebten Sozialismus zu beenden. Die USA, welche inzwischen verboten hat, Geld an den staatlichen Ölkonzern zu überweisen setzt alles daran, diesen Prozess zu beschleunigen. Im Falle eines Regierungswechsels würde Venezuela zu demokratischen und marktwirtschaftlichen Strukturen zurückkommen.

Eine Marktöffnung und ein möglicher Austritt Venezuelas aus der OPEC könnte ein Überangebot auf dem Ölmarkt schaffen, das viele Konzerne um die Rentabilität bringt. Donald Trump, der als einziger nicht verstanden hat, dass ein hoher Ölpreis vor allem den Konzernen in seinem Land nützt legt alles daran, den Preis niedrig zu halten.

Umkämpfter Wachstumsmarkt Gas

Dass Öl und Gas immer mehr zum Spielfeld geopolitischer Interessen werden, zeigt sich auch im Herzen Europas. Die im Bau befindliche Pipeline Nord Stream 2 verbindet Deutschland direkt mit Russland und soll die Energieversorgung unseres Landes nach dem Atom- und Kohleausstieg sicherstellen. Die Profiteure des Projektes sind neben Deutschland die am Bau beteiligten Konzerne wie OMV, Gazprom und Shell. Transitländer wie Polen, Rumänien und die Ukraine fürchten um Einnahmen und kritisierten das Projekt von Anfang an. Mit der Unterstützung von Frankreich torpedieren die osteuropäischen Staaten das Projekt auf Europäischer Ebene.

Der größte Feind der Pipeline sitzt jedoch im Weißen Haus. Donald Trump versucht mit allen Mitteln die Fertigstellung zu verhindern und warnt vor einer Abhängigkeit Europas von Russland. In Wahrheit möchte die USA auf diese Weise der russischen Konkurrenz schaden, um mehr eigenes Flüssiggas nach Europa exportieren zu können.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.