Das sind die Wachstumstreiber bei Seltenen Erden

Der gesamte Automobilsektor wird als einer der Wachstumstreiber bei den Seltenen Erden angesehen. Das ist ganz aktuell schwer vorstellbar, weil fast die gesamte Autoindustrie am Boden liegt.

USA: Hybridfahrzeuge schwer gefragt

Das gilt aber nicht für alle Modelle. Bei den Hybridfahrzeugen in den USA müssen sich auch jetzt die Käufer noch in eine Warteliste eintragen. Und auf dem Genfer Autosalon Anfang März bildeten sich Trauben von Menschen um das neue Modelll des Toyota Prius zu sehen.

Insgesamt sind es zwei Trends, die für diese starke Nachfrage im Automobilsektor sorgen. Der Wechsel von hydraulischen Systemen hin zu elektronischen Systemen und der vermehrte Einsatz von NiMH Akkus in Hybridfahrzeugen.

Doch gerade die für diese Anwendungen wichtigen Metalle gibt es derzeit fast nur in China. Daher kommt den neuen Anbietern von Seltenen Erden, die eben in der Lage sind, Lagerstätten außerhalb von China aufzubauen, in der Zukunft eine so große Bedeutung zu.

Zusätzlich nimmt die Bedeutung von hochwertigen Legierungen auf Basis von Seltenen Erden für den Einsatz in der Raumfahrt deutlich zu.

Kleiner Markt mit großem Wachstum

Der Gesamtmarkt für diese Stoffe ist noch recht klein, aber er wächst deutlich schneller als die bekannten Märkte für Industriemetalle oder auch Edelmetalle. So lag die weltweite Nachfrage für die Seltenen Erden Oxide im Jahr 2005 bei rund 90.000 Tonnen.

2006 waren es schon deutlich mehr als 100.000 Tonnen. Für das kommende Jahr erwarten Marktexperten einen Anstieg auf bis 150.000 Tonnen. Auf Sicht der nächsten 10 bis 15 Jahre ist der zu erwartende Anstieg noch viel größer: Für die Jahre 2020 bis 2025 ist ein Anstieg auf fast 2 Mio. Tonnen pro Jahr möglich.

Bis dahin sind viele neue Lagerstätten erschlossen und der Einfluss Chinas auf den Weltmarkt wird deutlich sinken. Von dieser riesigen Gesamtmenge werden dann wohl 1,5 Mio. Tonnen pro Jahr für Brennstoffzellen-, Hybrid- und Elektrofahrzeuge gebraucht, wobei jede Applikation rund ein Drittel des Angebots aufbrauchen wird.

China ist die Nummer 1 auf dem Markt

 

 

China ist derzeit unangefochten die Nummer auf dem Weltmarkt für Seltene Erden. Im vergangenen Jahr kamen rund 95% des weltweiten Angebots aus dem asiatischen Boomland. Noch erstaunlicher ist folgende Zahl: Rund 74% des weltweiten Angebots stammt sogar aus einer einzigen Lagerstätte.

Das ist das Bayan Obo Eisen-Niob Seltene Erden Vorkommen in Inneren Mongolei. Eine weitere wichtige Quelle in China ist das tropische Gebiet im Süden des Landes.

Die dort geförderten Oxide erreichen sehr hohe Preise, weil sie von sehr guter Qualität sind. Der Vorteil für die Minen: Sie sind auch noch leicht abzubauen.

Ein Markt am Scheideweg

 

 

Aber derzeit befindet sich der Markt für Seltene Erden an einem Scheideweg. China ist kaum noch in der Lage die wachsende Nachfrage des Weltmarktes zu stillen. Eine Folge ist schon jetzt sichtbar: Die Exportmengen sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen.

Lagen sie 2004 noch bei 60.000 Tonnen so ging die Zahl schon 20007 auf nur noch 40.000 Tonen zurück. Zudem verhängte die chinesische Regierung schon 2006 einen Exportzoll auf Seltene Erden von 10%.

Dieser Steuersatz ist sogar im vergangenen Jahr auf 15 bis 25% – abhängig je nach Rohstoff – erhöht worden. Zugleich wurde eine Reduzierung der Produktionsmengen angekündigt, um für eine Angebotsverknappung zu sorgen.

Diese isolierten Maßnahmen der chinesischen Seite haben natürlich massive Auswirkungen auf den Weltmarkt, denn wie gesagt beherrscht China diesen Weltmarkt derzeit zu deutlich mehr als 90%.

Im Übrigen wird die aktuelle Dominanz der Chinesen auf dem Weltmarkt für Seltene Erden, die Anfang der 1990er Jahre begann, auch als chinesische Ära bezeichnet. Klar ist, dass es eigentlich schon eine Überproduktion in China geben könnte.

Laut aktueller Schätzungen haben die Verarbeitungskapazitäten in China schon die 200.000 Tonnen Grenze pro Jahr erreicht. Das gilt im Übrigen auch für das Schmelzen und Separieren der Metalle. Doch China hängt ganz klar bei der Vermarktung zurück.

Hier ist der Markt so stark fragmentiert, dass eine Vielzahl an Firmen um die Exportquoten kämpfen und es so auch zu Preiskämpfen kommt.

Wer wird die High Tech Industrie in Zukunft kontrollieren?

Bis vor kurzem gehörten auch die USA zu den Produzenten von Seltenen Erden. So lieferte die Mountain Pass Mine in der Mojawe Wüste in Kalifornien rund 6% des weltweiten Angebots.

Aber die Mine musste aus zwei Gründen geschlossen werden: zum einen konnten die Betreiber hinsichtlich der Kosten nicht mit der chinesischen Konkurrenz mithalten.

Zudem gab es Schwierigkeiten mit den Umweltauflagen. Aktuell läuft die Wiederinbetriebnahme der Mine, die aber bis zur endgültigen Produktion wohl noch bis Ende 2010 auf sich warten lassen wird.

Bis zur Schließung der Mine waren die USA komplett unabhängig bei den Seltenen Erden. Bis zur Produktionsaufnahme ist das Land komplett auf Lieferungen aus China angewiesen. Dies ist ein Zustand, der auch große strategische Bedeutung hat.

Daher wird es in den kommenden Jahren von großer Bedeutung sein, neue Lagerstätten in Nordamerika zu erschließen. Und hier geht es für viele High-tech Unternehmen nicht darum, günstig an Seltene Erden Produkte zu kommen, sondern überhaupt die Lieferung sicher zu stellen.

Da es eben beim Einsatz der Metalle nicht nur um Unterhaltungselektronik geht, sondern auch jede menge militärische Anwendungen vorhanden sind, kann man die strategische Bedeutung der Metalle kaum hoch genug ansetzen.

Dennoch gibt es eine große Herausforderung für die neuen Produzenten: Auf Grund der aktuellen Marktbedingungen ist es eine große Herausforderung eine wirtschaftlich lohnende Produktion auf die Beine zu stellen.

Zwei aussichtsreiche Firmen aus diesem Sektor werde ich Ihnen in der letzten Folge der Serie vorstellen.

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6. April 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Heiko Böhmer. Über den Autor

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