Das strategische Dilemma der US Notenbank führte zum Goldverbot

Ein Blick in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts, um die Frage nach dem Goldverbot zu klären. (Foto: optimarc / Shutterstock.com)

Wir setzen unsere kleine Zeitreise in die frühen 30er Jahre des letzten Jahrhunderts heute fort und widmen uns der Frage warum es zum Goldverbot kam und aus welchen Gründen Silber und numismatische Münzen nicht zwangsweise an die US Notenbank abgegeben werden mussten.

Das strategische Dilemma der US Notenbank führte zum Goldverbot

Der US Notenbank gelang es in den Krisenjahren 1930 bis 1933 nicht, eine ausreichende Geld- und Kreditversorgung sicherzustellen. Das verschärfte den Sturm auf die Banken und trieb die USA nach vorherrschender Wissenschaftsmeinung (Milton Friedman und der aktuelle Fed Vorsitzende Ben Bernanke sind hier besonders zu nennen) noch tiefer in die Depression.

Heute wird eine ähnliche Entwicklung dadurch verhindert, dass die Banken von der Fed mit billigen Krediten versorgt werden. Außerdem wird der Zinssatz trotz höherer Inflation künstlich niedrig gehalten und US Notenbank zögert nicht Staatsanleihen direkt aufzukaufen und damit zu monetarisieren. Der Normalbürger würde sagen, es wird Geld gedruckt, ohne dass jemand dem munteren Treiben Einhalt gebietet.

Goldstandard begrenzte die Geldmengenausweitung

Das war am Beginn der 30er Jahre anders. Der Goldstandard verhinderte die Ausgabe neuen Geldes, denn die US Notenbank hatte in den späten 20er Jahren den ihr zur Ausgabe neuen Geldes zur Verfügung stehenden Spielraum schon vollkommen ausgereizt. Neues Geld konnte nur dann in Umlauf kommen, wenn zuvor zusätzliches Gold in die Tresore der US Notenbank eingelagert wurde.

Die akute Not der Notenbank wurde noch dadurch vergrößert, dass die Amerikaner in der Krise Papiergeld gegen Notenbankgold getauscht hatten. Es musste also dringend Gold her, doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Mit der Executive Order 6102 wurde das Problem auf elegante Weise gelöst. Das Gold wurde nicht gestohlen, sondern den Amerikanern nur zwangsweise abgekauft mit neu ausgegebenem Papiergeld. Dazu war die Notenbank nunmehr in der Lage, weil ja mit jedem Geldschein, der während des Rückkaufprogramms ausgegeben wurde, gleichzeitig auch die Goldmenge in ihren Tresoren wuchs.

Den US Bürgern wurde der private Besitz von Gold im Gegenwert von 100 US Dollar, das waren rund 5 Unzen, weiterhin gestattet. Soviel Gold besaßen die meisten Amerikaner nicht. Auch das Silber in den amerikanischen Haushalten blieb am Ende unangetastet, obwohl der erste Entwurf des Gesetzes neben dem Gold- auch den privaten Silberbesitz verbieten wollte. Aus diesem Grund hielt sich der öffentliche Protest gegen die Bestimmung in Grenzen.

Numismatische Münzen und Silber nicht betroffen

Dass die numismatischen Münzen wie das Silber von der Pflicht zur Abgabe ausgenommen waren, hatte einen praktischen Grund. Der US Staat wollte seine Bürger nicht einfach enteignen. Das private Gold wurde abgekauft nicht enteignet. Die eigentliche Enteignung fand erst einige Wochen später statt, als über Nacht der Goldpreis von 20,67 auf 35,00 US Dollar je Feinunze angehoben wurde.

Ein fairer Ankauf numismatischer Münzen hätte allerdings bedeutet, dass man den Sammlern nicht nur den reinen Goldpreis vergütet, sondern ihnen den ideellen Wert ihrer Münzen ebenfalls erstattet. Das setzt allerdings hohe Fachkenntnisse und eine sorgfältige Prüfung jeder einzelnen Münze voraus, denn zwischen einer „schönen“ und einer „vorzüglichen“ numismatischen Münze bestehen zum Teil erhebliche Preisunterschiede. Diese ebenso lästige wie teure Einzelprüfung wollte man umgehen.

Aus allein diesem Grund bleiben numismatische Münzen vom privaten Goldverbot unberührt. Beim Silber stellte sich die gleiche Schwierigkeit. Wollte man wirklich nahezu jeden Haushalt kriminalisieren und wer wollte den Regierungsbeamten und Notenbankangestellten auf die Schnelle die nötige Fachkompetenz beibringen um all die Teeservice und Silberbestecke korrekt einzuwerten, die anschließend von der Bevölkerung hätten abgegeben werden müssen?

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Auch hier standen der zu erwartende öffentliche Aufschrei und der sich abzeichnende Aufwand bei der Einwertung in keinem angemessenen Verhältnis zum Nutzen. Aus diesem Grund blieben sowohl das Silber als auch die numismatischen Münzen von der Abgabepflicht ausgenommen.

Sind wir heute vor einem neuen Goldverbot sicher?

Es war allein die Notwendigkeit zusätzliches Gold in die eigenen Tresore einlagern zu müssen um anschließend neues Geld ausgeben zu können, die in den USA 1933 zum Goldverbot geführt hat. Diese Notwendigkeit ist heute nicht mehr gegeben. Ohne fixe Bindung an Gold oder andere Vermögensgegenstände kann heute Geld geschaffen und in das System eingeschleust werden. Solange es bei diesem System bleibt, stellt der private Goldbesitz keine Gefahr dar und er ist auch keine Quelle bei der sich die Notenbank bedienen müsste um anschließend neues Geld zu drucken.

Der private Goldbesitz könnte nur dann Begehrlichkeiten wecken, wenn es darum geht mit dem Geld und Vermögen anderer Leute die staatlichen Schulden zurückzuzahlen. Nur dann sind die Politiker in der Verlegenheit erklären zu müssen, warum Gold konfisziert wird, während andere Vermögensformen wie Anleihen, Aktien, Immobilien oder Kunstwerke unbehelligt bleiben.

Im Falle einer zwangsweisen Enteignung wären wohl auch numismatische Münzen kein Schutz, denn wenn ein Staat schon den persönlichen Besitz seiner Bürger beschlagnahmt, warum soll er dann vor einer 300 Jahre alten historischen Münze Halt machen, während er den Goldbarren und die Anlagemünzen ohne mit der Wimper zu zucken an sich nimmt?

Solange uns das aktuelle Fiat Money System erhalten bleibt und der Wert unseres Papiergeldes alleine auf dem Vertrauen basiert, das wir ihm entgegenbringen, sind wir vor einem neuerlichen Goldverbot vergleichsweise sicher. Ganz anders stellt sich die Situation jedoch dar, wenn in Zukunft ein neues Finanzsystem das bestehende ablösen sollte und dieses neue Finanzsystem in welcher Form auch immer erneut an das Gold oder andere Edelmetalle wie zum Beispiel das Silber rückgebunden wird. In diesem Fall wird die Höhe der staatlichen Goldreserve sofort zu einem ganz entscheidenden Faktor.

Rückkehr zu einem goldgedeckten Finanzsystem könnte Begehrlichkeiten wecken

Hinsichtlich der Höhe ihrer aktuellen physischen Goldbestände hüllen sich die Notenbanken weltweit schon seit Jahren in ein auffälliges Schweigen. In den Bilanzen ausgewiesen wird immer nur die Gesamtposition aus Gold und Goldleihe. Wie viel Gold ausgeliehen wurde und wie viel oder vielleicht auch wie wenig Gold tatsächlich noch physisch in den Tresoren vorhanden ist, darüber sind wir nicht informiert.

Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass gerade in den 90er Jahren große Mengen Gold von den Notenbanken an die Investmentbanken verliehen und von diesen am Markt verkauft wurden. Der Verkauf erfolgte zu aus heutiger Sicht sehr niedrigen Preisen. Mal ganz abgesehen davon, dass ein Rückkauf zu deutlich höheren Preis erfolgen musste oder müsste, in jedem Fall bleibt festzustellen, dass das Gold sich heute physisch im Besitz eines anderen befindet.

Ist dieser „andere“ das eigene Staatsvolk und nicht eine andere Notenbank wie beispielsweise die chinesische oder indische, dann könnte ein erneutes Goldverbot tatsächlich wieder Sinn machen, sollten Politik und Notenbanken in Zukunft unser Geld reformieren und die Rückkehr zu einem goldgedeckten Finanzsystem beschließen.

Für den Goldanleger bleibt damit die etwas unbefriedigende Feststellung, dass ein neuerliches Goldverbot innerhalb des Fiat Money-Systems zwar keinen Sinn macht und deshalb kurzfristig relativ unwahrscheinlich ist, eine absolute Sicherheit hinsichtlich der mittel- bis langfristigen Zukunft jedoch auch nicht gegeben ist.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.