Das Versagen der OECD-Länder

Das Staatsschulden-Schiff sinkt nicht nur, sondern ist bereits untergegangen. Und das mit fatalen Auswirkungen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Erst gestern gab es wieder auf irgendeinem Kanal eine Diskussion über die globale Schuldenkrise. Dabei stritten sich Politiker und Experten wie die Kesselflicker.

Während die einen sagten, die Schuldenkrise wäre vorbei, behaupteten die anderen genau das Gegenteil.

Ein altes Sprichwort sagt, dass die Wahrheit in der Mitte liegt. Aber nicht hier. Nicht bei diesem Thema. Denn dahingehend gibt es nur eine Wahrheit. Und die wird Ihnen alles andere als gefallen.

Das Schiff sinkt nicht, es ist bereits untergegangen

In unserer neuen Beitrags-Reihe haben wir Ihnen zunächst einen Überblick über das verwirrende Krisen-Potpourri verschafft.

Jetzt kennen Sie die Unterschiede zwischen Wirtschafts-, Währungs-, Finanz(markt)- und Bankenkrisen. Und auch, was es mit Staatsbankrotten tatsächlich auf sich hat.

Außerdem haben wir Ihnen aufgezeigt, dass sich in den OECD-Ländern die Staatsverschuldung fast verdoppelt hat. Konkret von 25 Billionen US-Dollar (2008) auf rund 45 Billionen US-Dollar (2016). Oder anders ausgedrückt: Die Verschuldungsquote stieg von 2007 bis 2016 von 49,5 % auf 74 %.

Katastrophal, kann man da nur sagen.

Der Refinanzierungs-Countdown läuft

Richtig ungemütlich wird es angesichts der Tatsache, dass 40 % dieser 45 Billionen US-Dollar in den nächsten drei Jahren refinanziert werden müssen. Ja, Sie lesen richtig.

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Der Grund: Einst nahmen die Regierungen einen Großteil dieser Schulden auf, um die Finanzkrise zu bekämpfen. Doch irgendwann ist Zahltag. Und zwar knapp zehn Jahre danach.

Wie gesagt, werden in den nächsten drei Jahren 40 % dieser Schulden fällig. So kommen auf viele der OECD-Länder nun hohe Kosten für Schuldenzahlungen sowie zur Finanzierung der Haushaltsdefizite zu. Denn auch diese sind anhaltend.

Die fatalen Auswirkungen der Schuldenrefinanzierung

Doch mit der Rückzahlung der fälligen Beträge ist es nicht getan. Denn die (auch daraus resultierende) höhere Staatsverschuldung führt außerdem zu einer schlechteren Bonitätseinstufung für Staatsanleihen durch die Rating-Agenturen.

Da für Privatinvestoren dadurch auch die Staatsanleihen unattraktiv werden, steigen wiederum die Zinsen in den OECD-Ländern. Die Katze beißt sich sprichwörtlich in den Schwanz.

Schuldenkönige Zentralbanken

Und auch das sagt Ihnen niemand: Die Zentralbanken senkten in der Vergangenheit nicht nur die Leitzinsen, sondern kauften auch im großen Stil Staatsanleihen auf. Und damit auch das Risiko im Sack.

Denn dadurch halten Sie heute über 10 Billionen US-Dollar der OECD-Staatsverschuldung. Beispiele gefällig? Bitte schön: Die Zentralbanken in Deutschland, Schweden und Großbritannien halten 30 % der marktfähigen Staatsschulden. Japan sogar 40 %.

So werden Sie wieder einmal für dumm verkauft

Obwohl diese Probleme in Insiderkreisen längst bekannt waren, lobte die OECD noch Ende 2017 ihre Mitgliedsländer für ihre wachstumsfördernde Fiskalpolitik.

Und das, obwohl die Verantwortlichen natürlich wussten, dass bald die große Staatschulden-Refinanzierungs-Krise hereinbricht.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.