Das verwirrende Potpourri der Krisen

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Die globale Schuldenkrise schlägt zurück. OECD-Mitgliedsstaaten sind so hoch verschuldet wie nie. Die Katastrophenuhr tickt. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Egal, was Sie von der Politik und aus den Medien hören: die globale Staatsschuldenkrise ist noch nicht vorbei. Ganz im Gegenteil.

Doch bevor wir dezidiert darauf eingehen, möchten wir Ihnen einen Überblick über das verwirrende Krisen-Potpourri geben. Aufgezeigt haben wir Ihnen bereits die Unterschiede zwischen Wirtschafts- und Währungskrisen.

Das müssen Sie über Finanz(markt)krisen wissen

Für Finanz(markt)krisen gibt es eine Vielzahl von Bezeichnungen z.B. Börsenkrach, Börsenpanik, Kursrutsch, Kreditklemme, Preis- oder Spekulationsblase.

Von einer Finanz(markt)krise spricht man, wenn

  • sich wichtige finanzielle Indikatoren schnell und erheblich verschlechtern (Devisenreserven, Wechselkurs, Zinssatz)
  • und eine relevante Zahl von Marktteilnehmern eine plötzliche Risikoneubewertung vornimmt, bei der es zu einer Flucht aus realen und langfristigen Vermögenswerten in Geld kommt.

Zusammenfassung Finanz(markt)krisen

Bei Finanz(markt)krisen kommt es innerhalb kurzer Zeit zu Verschlechterungen von Finanzmarktindikatoren wie Wertpapier- und Wechselkursen, Zinsen, Bonitätsbewertungen, die massive und andauernde wirtschaftliche Folgen nach sich ziehen können.

Das Anlagevermögen eines Marktes (Aktien, Anleihen oder Immobilien) verliert durch drastische Preiseinbrüche an Wert, etwa nach einer Spekulationsblase.

Beispiele für Finanz(markt)krisen seit 2000

  • Finanzkrise (Subrime-Krise) (ab 2007)
  • Islands Finanzkrise (2008-2011)
  • Eurokrise (beginnend mit der Griechenlandkrise ab 2010)

Das müssen Sie über Bankenkrisen wissen

Eine Bankenkrise ist gegeben, wenn ein großer Teil des Bankensystems eines Landes gegenüber seinen Einlegern zahlungsunfähig ist.

Diese ihre Einlagen abziehen oder vergebene Kredite nicht mehr zurückgezahlt werden können. Die Geldinstitute sind also nicht mehr flüssig und landen langfristig in der Insolvenz.

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Nationale Bankenkrisen können nicht nur einen nationalen Vertrauensverlust in die Geldinstitute auslösen, sondern auch in den Nachbarländern.

Zwei Beispiele für verheerende Bankenkrisen

– 1931: Deutschland: Mit dem Zusammenbruch der Österreichischen Kreditanstalt begann die bisher schwerste Bankenkrise in Deutschland. Es folgten die Danatbank und die Dresdner Bank. Aus Misstrauen in die Wirtschaftsentwicklung, beispielsweise hinsichtlich einer starken Verschuldung der Wirtschaft gegenüber dem Ausland, wurden kurzfristige Kredite abberufen, während zeitgleich ein so genannter Bank Run einsetzte.

– 2007: USA, weltweit: Immer mehr Banken sind von der in den USA ausgelösten globalisierten Krise betroffen, die mit dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers begonnen hat.

Zusammenfassung Bankenkrisen

Bei einer Bankenkrise müssen Banken (zumeist) hohe Abschreibungen auf ihre Staatskredite vornehmen, was die eigene Liquidität beeinträchtigt.

Das müssen Sie über Staatsbankrotte wissen

Ein Staatsbankrott liegt vor, wenn ein Staat zahlungsunfähig ist, also seine eingegangenen Verpflichtungen zu Kapital- und/oder Zinszahlungen entweder ganz oder teilweise nicht mehr nachkommen kann

Zum Beispiel bei:

  • Verweigerung jeder Zins- und Tilgungszahlung
  • Vorläufige Einstellung von Zins- und/oder Tilgungszahlungen
  • Einseitige Herabsetzung der Zinsen und/oder Verschiebung von Tilgungszahlungen
  • Einseitige Umwandlung von Edelmetallschulden in Papierschulden

Zusammenfassung Staatsbankrotte

Ein Staatsbankrott definiert sich als die förmliche Erklärung einer Regierung, fällige Forderungen nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen zu können. Oder die faktische Einstellung fälliger Zahlungen.

Erklärt ein Staat also seinen Bankrott, entledigt er sich dadurch seiner finanziellen Verbindlichkeiten. Die Folgen für die Volkswirtschaft können eine Banken-, Wirtschafts- und/oder Währungskrise sein.

Beispiele für Staatsbankrotte seit 2000

  • Argentinien (2002)
  • Island (2008)
  • Belize (2012)
  • Puerto Rico (2015)

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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.