Das Zinstief ist da! Steigenden Zinsen voraus?

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Es lebe der Zins! Die Bankaktien frohlocken und schießen nach oben. Ist jetzt plötzlich wieder Spielraum, um am Zins zu verdienen? Warten wir auf die FED! (Foto: macgyverhh/Shutterstock)

Bereits am Freitag konnten die Bankenwerte richtig schön zulegen. Grund dafür ist, dass der Markt jetzt mit einem Tief bei den Zinsen rechnet. Das ist auch durchaus berechtigt: Schließlich sind die Staatsanleihen so wenig wert, wie schon lange nicht mehr.

Doch hatte nicht die FED gesagt, dass Sie über Zinssenkungen nachdenkt? Eigentlich sollen die Zinsen jetzt weiter steigen, doch die Notenbanken planen mehr Geld locker machen, damit alles so weiter läuft, wie bisher. Auch die EZB hat bereits grünes Licht signalisiert und will alles tun, was nur möglich ist. Der Markt muss oben gehalten werden, koste es, was es wolle.

Aber wie passen diese beiden Absätze überhaupt zusammen? Ist das nicht total verkehrt? Es wird auf steigende Bankaktien gewettet, weil das Zinstief erreicht sein soll. Schön und gut. Aber nicht, wenn das Umfeld nach Zinssenkungen schreit und die Entscheider diesen Antrag quasi schon abgestempelt haben. Irgendwo beißt sich hier die Katze in den Schwanz!

Die Inflation entscheidet

Das Spielchen kennen Sie vermutlich schon. Es geht um die Teuerungsrate in der jeweiligen Wirtschaftszone. Diese wird als Gradmesser verwendet, wohin die Zinsen laufen müssen.

In den USA ist dieses Konzept einfach erklärt: Haben wir einen steigenden Ölpreis und gleichzeitig steigende US-Löhne, nimmt die Inflation zu. Schließlich muss vieles mit Öl bewegt werden und die Löhne verursachen den Unternehmen weitere Kosten, die der Kunde zahlen wird. Am Ende werden die Artikel also teuer und dadurch steigt die Inflation.

Wenn das der Fall ist, werden auch die Zinsen angehoben. Die Inflation in den USA beträgt aktuell etwas weniger als 2 Prozent. Bis zum Jahreswechsel wird ein Anstieg auf 3 Prozent erwartet! Das sollte die Zinsen zum Steigen bringen.

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Jetzt muss aber die Notenbank auch noch mitspielen. Der Markt hat bereits bis Ende des Jahres rund 3 Zinssenkungen eingepreist. Das müssen Sie sich einmal bewusst machen! Wenn diese jetzt nicht kommen und sogar die Zinsen noch einmal gesenkt würden, kann es schnell bergab gehen mit den Aktienkursen.

Die Frage ist also, wer gewinnt am Ende und sitzt am längeren Hebel. Bislang kam von Seiten der EZB kein Signal, dass steigende Zinsen vermuten lassen könnte. Das sieht in den USA demnach anders aus – allerdings schiebt wohl die FED da einen Riegel vor. In diesem Monat wird die FED nicht nur die Marschrichtung bekannt, sondern auch marschieren.

Ende des Monats, am 30 und 31. Juli, ist der nächste der Termin der US-Notenbank. Dann wird sich zeigen, wie das restliche Jahr verlaufen kann. Aktuell ist zu „100 Prozent sicher“, dass sie die Zinsen an diesem Zeitpunkt senken wird. Aber lassen wir uns überraschen. Nichts ist 100 Prozent an der Börse. Es wäre natürlich aus momentaner Sicht eine gewaltige Überraschung.

Vorsicht, es geht abwärts!

Somit kann es dann eigentlich nur nach unten gehen, oder? Der Markt hat Zinssenkungen schon eingepreist. Wenn diese also wirklich gesenkt werden, warum sollten die Kurse großartig steigen? Nur wenn die FED überrascht, wird es rasant bergab gehen. Es gibt demnach eindeutig mehr Potential auf der Unterseite.

Das gilt für die USA. Was die EZB hierzulande bzw. auf unserem Kontinent macht, hat natürlich auch eine Bedeutung. Der Unterschied ist aber, dass die FED zwischendurch schon die Zinsen angehoben hat und somit theoretisch auch wieder einen Schritt zurück gehen kann. Die EZB kennt nur eine Fahrtrichtung: Immer weniger Zinsen. Dass die Zinsen irgendwann hier auch steigen können, davon sind wir derzeit noch Jahre entfernt. Und seien wir einmal ehrlich: Das Überraschungspotential der EZB ist mit Draghi oder Lagarde mehr als beschränkt.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.