Dassault Systemes-Aktie: 3D-Spezialist tätigt größten Zukauf der Firmengeschichte

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Dassault Systemes-Aktie: Französischer Softwarekonzern schluckt Medidata Sytems für 5,8 Milliarden Dollar und positioniert sich im Wachstumsmarkt für medizinische Datenanalyse. (Foto: Laborant / shutterstock.com)

In den vergangenen Tagen zog die Übernahmeaktivität wieder deutlich an. Ob die Übernahme von Springer durch KKR, von Looker durch Alphabet oder Tableau Software durch Salesforce. Ein Milliardendeal jagt den nächsten.

Mit Dassault Systems und Medidata Solutions bahnt sich nun ein transatlantischer Zusammenschluss an. Der französische Softwarekonzern Dassault Systemes will sich mit dem Deal bei technologischen Lösungen für klinische Studien verstärken und legt für den US-Konzern Medidata Solutions eine 5,8 Milliarden Dollar schwere Offerte auf den Tisch. Damit haben sich die Übernahmespekulationen der letzten Wochen nun final bestätigt.

17% Prämie für Medidata Solutions

Für Medidata Solutions bietet der französische Softwarekonzern 92,25 Dollar je Aktie, was einem Firmenwert von 5,8 Milliarden Dollar entspricht. Für Dassault Systemes ist das der mit Abstand größte Zukauf in der kompletten Firmengeschichte. Das Angebot liegt 17% über dem Schlusskurs der Medidata-Aktie vom 18. April. Das war der Tag bevor erstmals Übernahmegerüchte die Runde machten. Der Deal soll im vierten Quartal 2019 abgeschlossen werden, sofern die Medidata-Aktionäre und die zuständigen Behörden der Übernahme zustimmen.

Dassault Systemes entdeckt neue Märkte

Mit dem Zukauf erschließen sich die Franzosen einen komplett neuen Markt. Bislang konzentrierte sich der auf Design und Simulationslösungen spezialisierte Konzern vor allem auf Kunden aus den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie aus dem Konsumgüter-Sektor.

Mit Medidata Solutions dringt Dassault jetzt in die Bereiche Datenverarbeitung und Geschäftsanalyse vor. Die Software von Medidata analysiert pharmazeutische und biotechnologische Studien für einige der weltweit größten Arzneimittelhersteller wie Sanofi, Pfizer und AstraZeneca.

Digitalisierung krempelt Biowissenschaften um

Medidata bietet seinen Kunden tragbare Sensoren an, die helfen, den Gesundheitszustand des Patienten zu verfolgen und die Biomarker-Analyse durchzuführen, um auszuwählen, welche Patienten am besten auf bestimmte Medikamente ansprechen können.

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Experten schätzen, dass 13 der 15 meistverkauften Medikamente des vergangenen Jahres auf die Medidata-Technologie vertraut haben, da sich die Gesundheitsbranche auf die personalisierte Medizin und die Ausrichtung auf individuelle Patientenprofile verlagert. Der Markt gilt unter Experten als ausgesprochen aussichtsreich, da sich die Pharmakonzerne zunehmend ihre Dienstleistungen bei spezialisierten externen Partnern einkaufen.

Deutlich zweistelliges Wachstum erwartet

Das Unternehmen sagte, es wolle seine Präsenz in einem Life-Science-Markt ausbauen, der 2016 auf ein Volumen von 8,2 Milliarden Dollar kam und sich voraussichtlich mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12,9% entwickeln wird, so eine Prognose von Grand View Research.

Das Unternehmen konkurriert in dem Bereich mit Unternehmen wie IBM und Oracle, die ähnliche Software verkaufen.

Medidata Solutions mit beeindruckender Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung erzielte der US-Konzern zuletzt satte Zuwachsraten. Seit 2006 kletterten die Umsätze von 36,3 auf 635,7 Millionen Dollar im zurückliegenden Geschäftsjahr. Seit 2009 operiert das Unternehmen asunahmslos in der Gewinnzone. Zuletzt lag der Jahresgewinn bei 51,9 Millionen Dollar, was einer Gewinnspanne von 8,17% entspricht. In diesem Jahr rechnen die Analysten mit einem Gewinnsprung auf 113 Millionen Dollar je Aktie. Damit zahlte Dassault Systems rund das 50-Fache des erwarteten Jahresgewinns.

Anlegern gefällt der strategische Deal

Den Aktionären des französischen Softwarekonzerns scheint der geplante Zukauf zu gefallen. Immerhin verzeichnete die Aktie, wie sonst üblich bei großen Zukäufen, nach der Bekanntgabe des Deals keine Verluste. Ganz im Gegenteil: Die Papiere konnten sogar um einige Prozent zulegen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.