Davos, Trump und DAX

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Ein augenzwinkernder Kommentar zum Weltwirtschaftsforum, seinen Protagonisten und dessen Auswirkungen. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Ob es wohl die Freude über die jüngsten Trump-Äußerungen in Davos war, die den DAX heute kurzzeitig auf ein neues Rekordhoch hievte?

Alle Jahre wieder im Januar trifft sich die (sich selbst als solche betrachtende) Politik- und Finanzelite im schönen Winterskiort im Schweizer Kanton Graubünden. Ach ja: Auch Greta Thunberg ist inzwischen anerkanntes (oder selbsternanntes?) Mitglied dieses erlesenen Zirkels und darf auch in Davos ihre Zorntiraden auf die Herrschenden wiederholen.

Der US-Präsident wiederum nutzte die Gunst der Stunde, um ein neues Handelsstreit-Fass mit Europa aufzumachen. (Achtung: Ironie!) Davon profitierte der DAX.

Wir werfen (auch) einen Blick auf den Chart des deutschen Leitindex, um die daraus resultierenden Konsequenzen offen zu legen.

Davos

Weltwirtschaftsforum nennt sich das Event, das da jedes Jahr im Januar eine Neuauflage erhält. Das Treffen wird von „Globalisierungskritikern als Symbol für die Machtausübung einer neoliberalen Elite über die Köpfe von Betroffenen hinweg“ angesehen. Eine bemerkenswerte Beschreibung, erst recht, weil ich sie in Wikipedia fand.

Und tatsächlich hat das Weltwirtschaftsforum ein „Gschmäckle“, wie die Schwaben zu sagen pflegen: Es ist nämlich eine Stiftung, die im Jahr 1971 von Klaus Schwab gegründet wurde.

Dieser Herr Schwab wiederum „ist Mitglied von Aufsichtsräten und Verwaltungsräten mehrerer internationaler Unternehmen“ (Quelle: Wikipedia). Er wird davon also gut leben können. Aber auch die Region um Davos dürfte von dieser jährlichen Veranstaltung fabulös profitieren.

Trump

Gestern hat sich die – übrigens nicht gewählte, sondern ernannte – EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen mit dem US-Präsidenten „auf ein Wort“ getroffen.

Und da hat Donald Trump dann wohl unmissverständlich vor einem neuen, nein, Verzeihung: weiteren Handelskonflikt gewarnt (der mit China ist ja noch gar nicht beigelegt). Diesmal visiert der „mächtigste Mann der Welt“ Europa an.

Der US-Präsident ist der Ansicht, Europa habe gar „keine andere Wahl“, als eine neue Handelsvereinbarung mit den USA abzuschließen. Aber wir wissen ja, dass „unsere Uschi“ beratungsresistent ist.

Freihandelsabkommen 2.0

Eigentlich waren beide Seiten ja schon von 2013 bis 2016 auf einem (ich verkneife mir das Wort „guten“) Weg, bei der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (englisch: Transatlantic Trade and Investment Partnership oder kurz TTIP) überein zu kommen. Tja: Bis Trump US-Präsident wurde.

Der hatte das bis dahin ausgearbeitete Freihandelsabkommen schon im Wahlkampf torpediert. Seitdem pausieren die Verhandlungen, denn „die amerikanische Regierung führte Schutzzölle für bestimmte Industrien ein und beendete so das System des Freihandels“ (Quelle: Wikipedia).

Nun droht Trump mit den Europäern mit „sehr hohen Zöllen auf ihre Autos und andere Dinge“, für den Fall, dass kein neues – also sozusagen ein Handelsabkommen 2.0 – zustande käme.

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DAX

Und was macht der DAX daraus? Er klettert aus Freude über den drohenden Handelskonflikt zwischen den USA und Europa glatt auf ein neues Allzeithoch. Prägen Sie sich also bitte die ab heute gültige Rekordmarke von 13.640,06 Punkten ein.

Meines Erachtens wird dieses neue Top nämlich für einige Wochen Bestand haben. Denn ebenso wie der S&P 500 (siehe Analyse von gestern) ist auch der DAX inzwischen heillos überkauft.

Immerhin hat das neue Allzeithoch charttechnische Konsequenzen, die wir uns im folgenden Wochen-Chart einmal anschauen.

DAX: Was sich mit dem neuen Allzeithoch ändert

Aufwärtstrends definieren sich über immer höhere Hochs und höhere Tiefs. Da der alte (blau gestrichelte) Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 seit Oktober nach unten durchbrochen war, muss dieser und sein daraus resultierender Trend-Kanal neu justiert (gestrichelte grüne Linien) werden.

Eine weitere Konsequenz ergibt sich aus dem eingezeichneten (neuen) Trend-Kanal: Das Kurspotenzial für die nächsten Jahre reduziert sich um geschätzte 5.000 Zähler von 28.000 auf 23.000 Punkte.

Fazit

So schnell kann es gehen: Das neue Börsenjahr hat noch gar nicht richtig angefangen und schon haben wir neue Problem-Themen auf dem Tisch. Warum Brexit und der Handelsstreit China / USA meines Erachtens auch 2020 Dauerbrenner sein werden, darüber hatte ich Sie ja schon Ende 2019 informiert.

Nun haben sich nach nur 3 Wochen der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran und das frisch angezapfte Fass „drohender Handelsstreit“ zwischen den USA und Europa hinzu gesellt. Für den Fall, dass Sie denken, das erstgenannte Thema sei doch vom Tisch:

Dann ist Ihnen möglicherweise entgangen, dass ein Abgeordneter des iranischen Parlaments gestern ein zur Barauszahlung gelangendes Kopfgeld in Höhe von 3 Mio. USD im Namen der Provinz Kerman für die Tötung des US-Präsidenten ausgesetzt haben soll. Von dort stammt der von den USA ermordete Generalmajor Soleimani.

Und nun ist die Vorfreude auf einen sich nach Europa ausweitenden Handelsstreit mit den USA so groß, dass der DAX gleich mal ein neues Rekordhoch auslobte.

Wenn das alles mal keine Gründe zum Feiern sind!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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