DAX: 13.000, wenn die US-Blase nicht platzt

Nachhol-Potenzial? – Der DAX-Index hinkt dem US-Aktienmarkt deutlich hinterher!

Während die US-Indizes kraftvoll auf Rekordjagd gehen, muten sich die europäischen Aktienmärkte eher kraftlos und vorsichtig an.

Dabei ist die Rekordjagd in den USA schon etwas irritierend. Denn ich erinnere mich noch genau an die Wahlnacht der US-Präsidentschaft:

Als sich abzeichnete, dass tatsächlich Donald Trump die Wahl gewinnt, stürzten zunächst alle US-Märkte in Crash-Manier ab! Die Meinung der US-Investoren hat sich dann schlagartig um 180 Grad gedreht.

Etwas überraschend ist das schon, denn auch im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl waren die Märkte hochnervös. Jeder Stimmen-Zuwachs für Trump in den Wahlumfragen wurde sofort mit fallenden Kursen quittiert.

Das zeigt wieder einmal, wie sich selbst eingefleischte, professionelle Investmenthäuser mit Ihren Scharen an elitärst ausgebildeten Analysten irren können!

Das Zauberwort lautet Steuersenkung für Unternehmen und Förderung/Wachstum der Old Economy. – Doch wie lange geht das gut?

Denn man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass dies mit massiv ansteigenden Zinsen verbunden ist – zumal der Fiskus in den USA so hoch überschuldet ist, dass Steuersenkungen den Haushalt „normalerweise“ völlig überlasten würden.

Wenn die US-Investoren da mal nicht von Erwartungen euphorisiert Ihrem „American Dream“ aufgesessen sind!

Hierzulande wird die Situation eher nüchtern betrachtet. Und deshalb klettert unser DAX-Index auch bedächtig, und nicht euphorisch.

Das ist gut so, denn Blasen am Aktienmarkt sind gefährlich; nicht nur für die Investoren, sondern auch für die Wirtschaft.

Hoffen wir einmal, dass die US-Amerikaner nicht zu stark übertreiben und sich eine Schere zwischen Aktien-Bewertungen und  Unternehmens-Gewinnen ausbildet!

Wenn man sich die Volatilitäts-Indikatoren für den US-Aktienmarkt anschaut, wird es nämlich langsam skurril:

Der VIX-Index verharrt seit einiger Zeit auf einem historisch so niedrigen Niveau wie seit 1928 nicht mehr! Was 1929 folgte, wissen sie ja…

Die europäischen Investoren stellen sich jetzt mit Recht die Frage: „Haben wir nicht eine Menge Nachhol-Potenzial?“.

Die Antwort ist: Ja – aber wir haben keinen Trump.

Ob das nun gut oder schlecht ist, wird die Zeit zeigen. Ich würde mich aber nicht wundern, wenn wir noch während der Amtsperiode von Donald Trump scharfe Korrekturen an den US-Aktienmärkten sehen werden.

Die Statistik belegt übrigens, dass die USA in jeder Periode eines republikanischen US-Präsidenten in mindestens eine Rezession gerutscht sind.

Diese Überlegungen vorweg, betrachten wir, wie immer, zunächst ganz nüchtern denkurzfristigen 1-Monats-Shart des DAX-Index

DAX 1M 150217

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Zick-Zack im Band

Dem kurzfristigen 1-Monats-Chartbild vom DAX-Index ist nicht viel an zukunftsweisender Richtungs-Prognose abzugewinnen.

Sie erkennen einen Widerstand bei 11.900 Punkten (obere grüne Linie) und eine Unterstützung bei etwa 11.500 Punkten (untere grüne Linie).

Solange sich der DAX-Index in diesem 400 Punkte breiten Band befindet, kann keine Aussage darüber getroffen werden, ob der Trend in nächster Zeit auf- oder abwärts gerichtet ist.

Erst bei Über- bzw. Unterschreiten der Begrenzungen kann Richtungs-Dynamik entstehen.

Für den DAX-Index gilt demnach kurzfristig: Er befindet sich in einem Seitwärtsband (grüne Trendlinien) mit uneinheitlicher Tendenz.

Achten Sie auf die beiden Begrenzungs-Niveaus bei 11.900 oben und 11.500 an der Unterseite!

Vielleicht kann der mittelfristige Chart mehr Aufschluss darüber geben, wo die Reise hingeht, nach oben oder nach unten. Betrachten wir das1-Jahres-Chartbild vom DAX-Index:

DAX 150217 1J

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Neue Schiebzone zwischen 11.500 und 11.900?

Wir haben es aufgrund der recht langen Seitwärts-Phase im vergangen Jahr (rote Schiebezone) mit einem keilförmig zulaufenden Aufwärts-Trendkanal zu tun (blauer Trendkanal).

Wäre die Phase kürzer ausgefallen, dann würde die obere Linie parallel zur unteren Begrenzung des Aufwärtstrends verlaufen.

Dieser keilförmige Trendkanal ist bereits mehrfach an Ober- und auch Unterseite bestätigt worden (schwarze Ellipsen) und gibt mittelfristig zunächst die Marschrichtung vor!

Innerhalb dieses Trendkanals ist der DAX-Index an der Oberseite erwartungsgemäß gescheitert.

Die zu erwartende Konsolidierung führte ihn bis an die Unterseite der seit Jahresbeginn ausgebildeten Unterstützung (grüne Horizontale).

Sie liegt bei 11.500 Punkten und ist bereits aus dem Kurzfrist-Chart bekannt. Sie hat erneut gehalten und führte den Index wieder bis aktuell knapp an die Oberkante des Trends bei 11.900 Punkten.

Alles zusammengenommen kristallisiert sich ein Bild heraus, dass wir aus der großen Schiebezone von 2016 her bereits kennen (rote Schiebezone).

Sie sehen aber an der damaligen Entwicklung auch, dass eine Seitwärts-Phase durchaus in der Lage ist, die überkaufte Situation abzubauen. Das bedeutet, es muss nicht zwangsläufig zu einem weiteren Abrutschen des DAX-Index führen.

Aktuell wären nach oben nicht mehr als 11.900/11.950 Punkte drin (rosafarbener Kreis).

Wenn wir noch gut 4 – 6 Wochen seitwärts laufen, wäre die Konsolidierung vollständig ausgereift eine neue Aufwärtswelle mit Kursen im Bereich des Allzeithochs bei 12.400 drin.

An der Unterseite auf 11.500 achten!

Nach unten begrenzt die 11.500er-Marke den Trend. Aus dem mittelfristigen Chartbild wird aber schnell klar, dass ein Bruch dieser Marke zu einem erhöhten weiteren Abschlags-Potenzial führe würde.

Denn unterhalb der 11.500 sind bis zum unteren Rand des Aufwärts-Trendkanals keine nennenswerten Unterstützungen vorhanden.

Das bedeutet: Sie müssten in diesem Szenario mit einem Rückfall auf etwa 11.000 Punkte rechnen

Abschließend noch ein Blick auf den langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index:

DAX 150217 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Längerfristig Luft bis über 13.000 Punkte, aber vorher Luft holen!

Der langfristige 10-Jahres-Chart vom DAX-Index bleibt voll intakt.

Die Gefahr nach unten ist zunächst auf die untere Trendlinie des mittelfristigen Aufwärts-Trendkanals begrenzt (grüner Trendkanal).

Sie liegt je nach zeitlichem Erreichen zwischen 10.500 und 11.000 Punkten.

Nach dem Abbau der aktuellen Überkauft-Situation, die im optimalen Fall auch durchaus wie erwähnt seitwärts erfolgen könnte, wäre schon in März/April das Allzeithoch von 12.400 Punkten drin.

Falls das Allzeithoch fällt, sind über 13.000 drin.

Blicken wir längerfristig in die Zukunft, dürfte die Überwindung des Allzeithochs ein Katalysator für eine weitere Rally-Phase bis an die obere Begrenzung des längerfristigen Aufwärtstrends sein (obere blaue Begrenzungs-Linie).

Diese liegt über 13.000 Punkten. Allerdings bedarf es rein charttechnisch dafür noch etwas Zeit, denn der grüne Aufwärtstrend gibt dieses Niveau erst frühestens im Herbst frei.

Auch der im Chart eingezeichnete Kreuzwiderstand spricht eher dafür, dass wir ein paar Monate warten müssen, bis der DAX-Index tatsächlich die Chance hat, in diese Regionen vorstoßen zu können.

Fazit: Unter Schwankungen zunächst seitwärts!

Die Ränder des Seitwärts-Bandes zwischen 11.500 und 11.900 Punkten sind zu beobachten. Dazwischen sollte der DAX-Index richtungslos schwanken.

Achten Sie also auf diese beiden Triggermarken.

Längerfristig sogar Potenzial bis über 13.000 Punkte, wenn die US-Aktienmärkte nicht vorher eine Blase ausbilden und in Konsequenz daraus scharf korrigieren.

15. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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