DAX 13.750 drin, aber im Hintergrund braut sich etwas zusammen – und es hat schon angefangen…

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Geht der DAX bald über 13.000? Aber was braut sich da im Hintergrund zusammen? Was Sie dazu wissen müssen, verrät Ihnen Michael Sturm hier: (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Jubelstimmung an der Börse – Nachdem das alte Allzeithoch geknackt wurde, legte der DAX-Index noch etwa 350 Punkte oben drauf.

Das sieht alles gut aus – zumindest sollte man das meinen. Der Weg zu weiteren Allzeithochs jenseits der 13.000er-Marke scheint geebnet.

Aber ob man so ausgiebig jubeln sollte, wenn man binnen 2 Jahren nur lächerliche 2%-Pünktchen Plus erzielt hat, das sei einmal dahingestellt…

Viel wichtiger ist die Frage, ob jetzt eine Anschluss-Rally gelingt, die den DAX-Index tatsächlich weiter voranbringt.

Rein charttechnisch ist dies durchaus möglich, wie Sie weiter unten in der Analyse erkennen können.

Ich möchte aber vorher auf etwas hinweisen, was in der allgemeinen Euphorie vielleicht übersehen wird und in der aktuellen Aktienrally untergeht – zumindest zurzeit noch!

Denn im Hintergrund braut sich etwas zusammen, was wir schon einmal erlebt hatten: ein Rohstoff-Crash.

Die Preise für Eisenerz sind bereits von 90 USD auf 60 USD eingebrochen, und zwar seit Mitte März bis heute. Die Nickelpreise sind ebenfalls um über -20% eingebrochen.

Zink, Zinn, Blei und Kupfer haben -10% und mehr abgegeben. Silber verlor alleine im April -12% an Wert, Gold sank um -6%. Bei Aluminium sind es bisher nur -5%, aber der Chart sieht nicht gut aus.

Selbst Sojabohnen, Mais, Kaffee, Kakao oder Zucker sind auf dem Weg nach unten mit Verlusten von -10% bis -20%.

Aber der wichtigste Indikator, der Rohölpreis, gibt auch wieder Anlass zur Sorge: Er fiel für die US-Sorte WTI unter die 50 Dollar Marke und hat über -12% im Kurs verloren.

Anfang des Jahres hatte ich bereits darauf hingewiesen und gewarnt, dass die Shale-Industrie in den USA bei steigenden Öl-Preisen schnell wieder mit der Förderung beginnt und damit der Überhang nicht abgebaut werden kann, trotz OPEC-Cut.

Die OPEC gedenkt jetzt, den Cut zu verlängern, aber was bedeutet das überhaupt für die Gesamtlage? Sie zeigt eindeutig auf weiterhin volle Lager und ein Überangebot an Öl.

Das muss jetzt nicht zwangsläufig in einen Rohstoff-Crash führen, aber ich ermahne Sie dazu, diese Situation scharf im Auge zu behalten!

Denn sinkende Rohstoffpreise sind kein gutes Anzeichen für die Weltkonjunktur.

Die Preisspirale darf sich nicht noch weiter nach unten fortpflanzen, ansonsten erleben wir eine Situation, die uns noch allzu gut bekannt ist und im weiteren Verlauf zu scharf korrigierenden Aktienmärkten führte.

Hoffen wir, dass der aktuell zu beobachtende Preisrückgang bei den Rohstoffen nur von vorübergehender Natur ist und die Märkte sich fangen. Dennrein charttechnisch sehen die Aktienmärkte in Europa gut aus.

Dies analysieren wir zunächst imkurzfristigen 1-Monats-Chart des DAX-Index:

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DAX-Chart 1 Monat (Stunden-Balken)

Nach den Frankreich-Wahlen schrittweise weiter aufwärts

Die Erleichterung der Börsianer nach der Frankreich-Wahl ist im kurzfristigen 1-Montas-Chart vom DAX-Index deutlich zu erkennen.

Mit einem riesigen Aufwärts-Gap (Kurslücke, schwarze Ellipse) feierten sie den Pro-Europa Wahlausgang.

Seit diesem fulminanten Börsentag konnte sich der DAX-Index Schritt für Schritt entlang der Aufwärts-Trendlinie nach oben hangeln (blaue Trendlinie).

Oben 13.000, unten 12.500

Aktuell befindet er sich in einem konsolidierenden schmalen Seitwärts-Band (obere rote Linien). Sie können erkennen, dass noch etwas Luft nach oben besteht.

Je nachdem, wann der Seitwärts-Trend nach oben verlassen wird, sind hier nach ein paar Tagen knapp 13.000 Punkte drin.

Verlässt der DAX-Index das Band nach unten, dann müssen Sie mit einer Konsolidierung in den Bereich 12.500 Punkte rechnen.

Dort befindet sich das vergangene Seitwärts-Band (mittlere rote Linien). Dieses sollte dem Index zunächst einmal Unterstützung bieten.

Feste 3-fach-Unterstützung bei 12.000

Eine mittlerweile sehr feste Unterstützung bietet ihm die 12.000er-Marke (grüne Horizontale).

Hier befindet sich neben der Unterseite des Gaps auch ein Plateau, welches dem DAX-Index bereits in der vorangegangenen Konsolidierung erfolgreich Unterstützung bot und die Wende einleitete.

Zusätzlich ist die runde Marke von 12.000 auch eine psychologische Stütze.

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

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Fazit kurzfristig: Aktuell leichte Seitwärts-Konsolidierung. Nach oben 13.000 drin, nach unten 12.500, feste Unterstützung bei 12.000.

Wie sich die Sachlage mittelfristig darstellt, betrachten wir im 1-Jahres-Chartbild vom DAX-Index:

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DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Mittelfristiger Aufwärtstrend oben aufgeweicht

Im mittelfristigen Chartbild vom DAX-Index ist zunächst der bestimmende Aufwärts-Trendkanal (dunkelblauer Trendkanal) zu erkennen.

Innerhalb dieses Trends hangelte sich der DAX-Index seit etwa 1 Jahr nach oben. Dabei wurden immer mal wieder Atempausen eingelegt.

Diese führen den Index in einer kleinen und durchaus sehr gesunden Konsolidierung an die untere Begrenzung des schmalen Aufwärts-Bandes (hellblaue Trendlinie) heran.

Auch zuletzt konnte diese Unterstützungs-Linie dem Index kurz vor der Frankreich-Wahl Einhalt gebieten (bei 12.000 Punkten).

Mit der Erleichterungs-Rally am Montag nach der Wahl sprang der Index an nur 1 Tag sofort an die obere Begrenzung des Aufwärts-Trendkanals.

Diese sorgte zunächst noch für einen Widerstand, doch die Trendlinie scheint nun aufgeweicht. Denn in den vergangenen  Börsentagen gelang ihm ein kleiner Ausbruch darüber.

Wichtig ist jetzt Folgendes:

Kann der DAX-Index diesen mittelfristigen Trend tatsächlich nach oben überwinden und einen neuen steileren Trendkanal etablieren oder wird der kleine Ausbruch über den Trend als „Bullenfalle“ bzw. Fehlsignal ad acta gelegt?

Dazu ist eine gewisse Signifikanz notwendig. Ein 1. Schritt in diese Richtung würde ein Wochen-Schlussstand oberhalb der Trendlinie bedeuten.

Nach unten?

Eingetrübt wird die Lage erst, wenn die hellblaue Trendlinie nach unten gebrochen wird.

Das bedeutet dann aber keinesfalls, dass der übergeordnete mittelfristige Aufwärtstrend damit gefährdet ist, aber Sie müssen dann mit einer ausgedehnteren Konsolidierung rechnen.

Diese sollte den Index dann zügig an die untere Begrenzung des dunkelblauen Aufwärtstrends führen.

Fazit mittelfristig: Obere Grenze des bisher bestimmenden Trendkanals aufgeweicht. Wichtig ist die signifikante Bestätigung!

Achten Sie auf den Wochenschluss vom DAX-Index:

Schließt er oberhalb von 12.700 Punkten, dann ist das ein gutes Zeichen, dass wir noch eine weitere Kaufwelle in den nächsten Wochen sehen werden mit DAX-Ständen oberhalb von 13.000 Punkten.

Abschließend noch die Betrachtung des langfristigen 10-Jahres-Chart vom DAX-Index:

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DAX-Chart 10 Jahre (Wochen-Balken)

Charttechnisch bis Jahresende 13.750 Punkte möglich

Im langfristigen 10-Jahres-Chart vom DAX-Index (blauer primärer Trend) besteht keinerlei Zweifel daran, dass er uns noch eine lange Zeit erhalten bleibt.

Nach unten besteht sehr viel Luft, selbst ein harter Crash würde hier den Trend noch nicht gefährden.

Nach oben hat der DAX-Index sein Allzeithoch von vor 2 Jahren endlich überwinden können. Dabei konnte er sogar den Kreuz-Widerstand (rote Linie, grüne Linie) zuletzt übertrumpfen.

Das sieht alles sehr gut aus. Dennoch ist natürlich das aus dem mittelfristigen Chartbild Gesagte sehr wichtig! Die Signifikanz fehlt noch! Dann sind durchaus bis zum Jahresende 13.750 Punkte drin.

Fakt ist aber auch! Auf alle Fälle wird der Index die obere blaue Trendbegrenzung nicht überwinden! Das bedeutet für Sie: Sobald Sie erreicht wird, steigen Sie aus dem Markt aus!

Fazit

Gelingt der signifikante Sprung über die genannte Marke, dann sehen wir einen Anlauf auf die obere Begrenzung des übergeordneten langfristigen Hausse-Trendkanals.

Gelingt er nicht, dann konsolidieren wir zunächst bis 12.000 Punkte.

Und: Behalten Sie bitte die Rohstoffpreise im Auge!

Und da ist ja auch noch Trump, dessen Steuerpolitik in einen teuren Dollar, ein Handelsbilanz-Defizit und eine US-Staatspleite führen wird, wenn sie nicht vom Stab ausgebremst wird.


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Michael Sturm
Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!