DAX 3 Wochen im Frühjahrsschlaf: Das ist bald vorbei!

Die EZB-befeuerte Aktienrally im DAX-Index hat ihn zum besten Quartal seit Jahrzehnten geführt. +22,04% lautete die Quartalsbilanz.

US-Käufer würgen Konsolidierung ab

Bis Mitte März schien es kein Ende der Rally zu geben. Das 60 Milliarden Euro/Monat-EZB-Anleihekaufprogramm, tiefe Zinsen, keine Anlagealternativen und ein schwacher Euro im Vergleich zum Dollar waren die treibenden Argumente. Waschkörbeweise kamen die Kaufaufträge auch aus den USA an den deutschen Markt. So wurde jeder Ansatz einer Konsolidierung sofort wieder im Keim erstickt.

Überhitzter Zustand in 3 Wochen langsam abgebaut

Doch der Markt ist Mitte März an einen Punkt angelangt, der ganz klar mit „Deutlich überkauft“ bezeichnet werden kann. Eine „echte“ Konsolidierung, die Ihren Namen auch verdient hat, gab es dennoch bisher noch nicht. Lediglich die unaufhaltsame und brachiale Rally wurde unterbrochen.

„Seitwärtsgerichtet“ unter teilweise hohen Tagesschwankungen wurden allerdings in den vergangenen 3 Wochen die überhitzten Parameter in „normalere“ Regionen zurückgeführt.

Wie geht es jetzt weiter? Kommt jetzt ein neuer Rallyschub oder verliert der Markt an Kraft und taucht doch noch in eine „richtige“ Konsolidierung ab?

Um diesen Fragen charttechnisch zu begegnen, beginnen wir zunächst mit der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 0904 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

DAX seit 3 Wochen im Seitwärtsband

Wir erkennen im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild einen DAX-Index, der sich seit seinem übertriebenen März-Hoch vorzugsweise in einem Seitwärtsband (rotes Band) aufhielt. Diese Phase dauert nun bereits 3 Wochen an.

Es gab am 26. März einen Ausreißer nach unten, der sich aber als „Eintagsfliege“ entpuppte. Schon am selben Tag wurden die DAX-Kurse wieder in das Band zurückgeführt.

Erstaunlich schmaler Korridor (11.850 – 12.100)

Die Grenzen des Seitwärtsbandes liegen bei etwa 12.100 Punkten an der Oberseite (obere rote Horizontale) und 11.850 Punkten an der Unterseite (untere rote Horizontale). Damit ist dies mit gerade einmal 2,5% breite Band sehr schmal. Schon erstaunlich, dass der DAX-Index nach den hochvolatilen vergangenen Monaten ganze 3 Wochen innerhalb dieses Korridors die Füße still hält.

Ausbruch erst über 12.225 oder unter 11.600 entscheidend

Deshalb ist auch ein Ausbruch aus diesem Band zunächst nicht signifikant. Erst bei Über- bzw. Unterschreitung der vorherigen Hoch- bzw. Tiefpunkte (grüne Horizontallinien) wäre ein signifikanter Durchbruch festzustellen (schwarze Kreise). Daraus ergäbe sich dann das Ende der DAX-Lethargie der vergangenen Wochen und der Übergang in eine wieder dynamische Bewegung in eine Richtung.

Achten Sie also auf diese beiden Marken und positionieren sich erst dann!

Wie sich die Sachlage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 0904 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Mittelfristiger Aufwärtstrend mustergültig intakt, Konsolidierung ganz normal

Sie erkennen im 8-Monatschart des DAX-Index den aufwärtsgerichteten Kern-Trendkanal (blaue Trendlinien). Er startete am Tiefpunkt im vergangenen Oktober.

Anfang März wurde aufgrund der EZB-Rally sogar die Obergrenze überschritten. Diese Übertreibungsspitze sowie auch die Untertreibungsspitzen aus Dezember und Januar waren nur von extrem kurzer Dauer. Die Kurse verweilten nicht lange im erweiterten Kanal (hellblaue Linien) und wurden schnell wieder in den Kerntrendkanal zurückgedrängt.

Zwei charttechnische Kreuzpunkte wichtig

Aktuell befindet sich der DAX-Index an der Obergrenze dieses Kerntrends. Bei etwa 12.250 Punkten befindet sich ein Kreuzwiderstand, resultierend aus dem Kreuzen des horizontalen Widerstands (obere rote Horizontallinie) und der oberen Trendbegrenzung (obere dunkelblaue Trendlinie).

Sie ist damit doppelt stark und ein Überschreiten umso schwieriger. Sollte es aber geschehen, so würde der DAX sofort dynamisch in Richtung der oberen Grenze des erweiterten Trends marschieren. Diese liegt aktuell bei etwa 12.600-12.750 Punkten.

Nach unten kommt dem DAX-Index Mitte April eine Kreuzunterstützung bei 11.600 Punkten entgegen (unterer grüner Kreis). Sollte er da hindurchfallen, dann stünde sofort die 11.250 auf dem Plan.

MACD baut überkaufte Situation ab

Der Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD (hellblau violetter Kurvenverlauf unten) ist immer ein sehr guter Indikator für den Zustand des Marktes. Ein Kaufsignal entsteht beim Kreuzen der hellblauen Linie durch die violettfarbene Linie von unten nach oben, ein Verkaufssignal umgekehrt.

Pünktlich Mitte März zum bisherigen Hochpunkt löste der Indikator ein Verkaufssignal aus. Doch der Index notiert heute nur knapp darunter. Eine echte Konsolidierung ist nicht erfolgt.

Aber aufgrund der recht langen Dauer von 3 Wochen Seitwärtsbewegung konnte sich der Indikator von „Stark überhitzt“ auf  „neutral“ abkühlen.

Das gibt dem Index Luft für eine dynamische Bewegung und passt auf einen baldigen Bruch eine der beiden markanten Grenzen.

Das bedeutet für Sie: Rechnen Sie in den nächsten Wochen mit einem DAX-Stand von entweder 12.750 oder11.250 Punkten.

Um zu analysieren, wie sich das auf längere Trends auswirkt, schauen wir auf den 10-Jahreschart:

DAX 0904 10j

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Niemandsland

Die längerfristige Aufwärtsbewegung (blauer Trendkanal) ist voll intakt. Dieser Trendkanal ist ein sehr breiter Jahrezehntetrendkanal. Er kann noch eine ganze Weile Bestand haben.

Jegliche Prognose für den weiteren Kursverlauf bis Ende 2015 aufgrund dieses langfristigen Chartbildes gleicht Kaffeesatzlesen. Die DAX-Rally hat den Index in ein so genanntes „uncharted territory“ geführt. Lediglich die 13.000 an der Oberseite wäre hier ein ausgebbares Ziel.

Nach unten ist der DAX-Index hingegen schon bei 10.000 Punkten sehr fest abgesichert! Selbst ein Crash hätte hier Probleme und würde zumindest aufgehalten werden.

FAZIT:

Kurz und mittelfristig kommt es bald zu einer Entscheidung!

Ziele je nach Ausbruchsrichtung 12.750 oder 11.250 Punkte. Positionierung erst nach Durchbruch an den genannten Marken.

9. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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