DAX 30: 2 starke Gründe für eine Jahresendrally

Ein neues Allzeithoch im DAX noch in 2015 wäre für unseren Börsenexperten Rainer Heißmann keine Überraschung, (Foto: Deutsche Börse AG)

Vor einer Woche habe ich Ihnen geschrieben, dass Sie die charttechnisch und psychologisch wichtige Unterstützung des DAX bei 10.000 Punkten als hinfällig abhaken können, wenn diese Marke nicht in Kürze zurückerobert wird.

Das gilt für die mittelfristige Betrachtung des DAX auf Basis seiner Wochenschlusskurse. Den aktualisierten Chart dazu sehen Sie unten.

Analyse und Prognose per Wochenschlusskurs ist treffsicher

Wenn Sie die folgende Erklärung zum Chart auf Basis seiner Wochenschlusskurse kennen, lesen Sie einfach beim Chart weiter. Wenn es für Sie neu ist:

Die Analyse eines Charts auf Basis seiner Wochenschlusskurse (hier der Chart des DAX) hat einen großen Vorteil: Kursspitzen nach oben und unten, die im Laufe einer Woche entstehen, werden herausgefiltert. Auf diese Weise stellt diese Sichtweise Trends besser und ruhiger dar. Für mittelfristige Trendbestimmungen ist das eine hervorragende Charteinstellung.

Gerade in der aktuell schwankungsreichen Börsenphase, in der die Indizes innerhalb kürzester Zeit um mehrere hundert Punkte nach oben oder unten springen, ermöglicht die Betrachtung auf Basis der Wochenschlusskurse eine optimale mittelfristige Analyse.

DAX 30: Seitwärtszone sollte schnell verlassen werden

DAX-Index_2015_10_05

Wie Ende 2014 (gelber Kreis) ist der DAX 30 auch jetzt unter seine charttechnische Unterstützung gefallen (Kreis rechts). Damit ist er in die breite Seitwärtszone zwischen 9.000 und 10.000 Punkten eingetaucht. Das ist der Kursbereich des Vorjahres (obere grüne Markierung). Weitere (grün markierte) Unterstützungen sehen Sie bei 8.000 und 7.000 Punkten.

Aus charttechnischer Sicht „sollte“ der DAX den Kursbereich unter 10.000 Punkten, schnell wieder nach oben verlassen, damit der Aufwärtstrend wieder aufgenommen wird.

Charttechnik ist nicht alles

Wenn Sie die Charttechnik für sich allein nehmen, gibt es keinen Grund zu Pessimismus, aber auch keinen Grund für übertriebenen Optimismus. Wenn Sie aber die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu nehmen (und das mache ich immer), sieht das Bild gleich viel positiver aus. Da nenne ich Ihnen vorrangig 2 Gründe:

  1. Traditionelles starkes Schlussquartal steht bevor

Am Donnerstag dieser Woche eröffnet der US-Aluminiumkonzern Alcoa traditionell die Berichtserstattung mit den Zahlen per 30.09.. Wichtiger ist aber der Ausblick auf das Jahr 2016. Denn an der Börse wird die Zukunft gehandelt.

Im Vorjahr startete der DAX parallel zur vergleichbaren Berichtserstattung seine Rally, die ihn von unter 9.000 Punkte (gelber Kreis im Chart) um rund 40% nach oben katapultierte.

Da das Schlussquartal typischerweise ein starkes ist, bestehen auch jetzt wieder gute Aussichten, dass der DAX schnell wieder über 10.000 Punkte klettert.

  1. Liquidität treibt Kurse aufwärts

Hinzu kommt möglicherweise der Kurstreiber Liquidität. Vergangene Woche gab es nicht zufriedenstellende Konjunktursignale aus den USA. Die können dazu führen, dass die US-Notenbank Fed die vom Markt erwartete Anhebung der Leitzinsen erneut zurückstellt und eventuell auf das kommende Jahr verschiebt.

Das stellt gegebenenfalls wieder Liquidität bereit, die in die Aktienmärkte fließt und die Kurse nach oben treibt.

Mich würde nicht überraschen, wenn die unter 1. und 2. genannten Gründe den DAX noch in diesem Jahr auf ein neues Allzeithoch führen.

Call-Optionen haben besser Gewinn-Chance als Put-Optionen

Die Charttechnik überzeugt mich derzeit nicht. Aber die unter 1. und 2. genannten Gründe sind stark. Deshalb empfehle ich Ihnen weiterhin den Kauf von Call-Optionen mit langer Laufzeit. Wenn Sie da z.B. die Laufzeiten Dez.17 oder Jan.18 wählen, haben Sie „alle Zeit der Welt“, um Gewinne zu realisieren.

Sie haben aber natürlich auch die Möglichkeit, Gewinne nach wenigen Tagen zu realisieren. Wenn Sie die Calls dann noch mit Put-Optionen absichern, so wie ich es im Optionen-Profi empfehle, sind Sie bestens und gewinnoptimiert aufgestellt.

Zum guten Schluss: Heute vor 302 Jahren, also am 05.10.1713, erblickte der französische Schriftsteller und Philosoph Denis Diderot das Licht der Welt. Er schrieb:

„Die Armut hat ihre Freiheiten, der Reichtum seine Zwänge.“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Zwänge

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.