DAX 30: Der Machtkampf bei VW

Volkswagen-Patriarch und Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch rückt völlig überraschend von Konzernchef Martin Winterkorn ab. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“, sagte Piëch gegenüber dem „Spiegel“.

Der einflussreiche VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh stellte sich allerdings demonstrativ hinter Winterkorn und ist damit nicht allein. Auch VW-Konzernsprecher Stephan Grühsem sagte, Winterkorn habe Volkswagen in den vergangenen acht Jahren zu einem der „weltweit erfolgreichsten Automobilkonzerne“ gemacht.

VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) stärkte Winterkorn ebenfalls den Rücken. „Ich bin unangenehm überrascht über die zitierten Aussagen von Herrn Professor Piëch“, sagte Weil der Deutschen Presse-Agentur in Hannover.

Lesen Sie jetzt die Hintergründe dieses plötzlichen und unerwarteten Machtkampfes bei VW und was die Folgen – insbesondere auch für VW-Aktionäre – sind.

Die VW-Aktie leidet unter der Führungskrise

Die VW-Aktie leidet unter der sich abzeichnenden Führungskrise beim größten deutschen Autobauer. Als schwächster Wert im deutschen Leitindex DAX verlor die VW-Vorzugsaktie von heute zeitweise rund 2% an Wert.

Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet einen erbitterten Machtkampf und sieht die Tage von Martin Winterkorn als Vorstandschef bei Volkswagen gezählt. Händler und Analysten kritisieren insbesondere, dass Piëch in die Öffentlichkeit gegangen ist.

Denn das sorge für Verunsicherung, hieß es. Für Händler Andreas Lipkow von Kliegel & Hafner werden so „mehr Fragen als nötig“ aufgeworfen. Seiner Ansicht nach steckt hinter der Distanzierung Piëchs letztlich eine Auseinandersetzung um die strategischen Ausrichtung des Konzerns.

Von außen sah die Fassade bei VW bis vor kurzem stets stabil aus. Die Reibereien zwischen Aufsichtsrats- und Vorstandsvorsitzendem sprechen allerdings eine komplett andere Sprache.

Patriarch Piëch duldet keinen starken Mann neben sich

Markus Stillger, Geschäftsführer der Fonds-Beratungsgesellschaft Fund Advisory, beurteilt Piëchs Verhalten als Ausdruck eines Alleinherrschaftsanspruchs: „Der ‚Napoleon‘ Piëch duldet keine Herrscher neben sich, das war doch schon bei Wiedeking so. Der wurde zu mächtig und dann rasiert.“

Piëch hatte den einstigen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der 2008 versucht hatte, VW zu übernehmen, später fallen lassen, nachdem er ihm sein Vertrauen nur noch auf Zeit ausgesprochen hatte. Zuvor hatte Piëch bereits im Jahr 2006 den damaligen VW-Chef Bernd Pischetsrieder zugunsten von Winterkorn entmachtet.

Und jetzt, da Winterkorn in den Augen von Piëch scheinbar zu mächtig geworden ist, soll auch er rasiert werden. Fraglich allerdings ist, ob alle anderen mittelbar und unmittelbar Beteiligten eine Entmachtung des Vorstandes noch einmal zulassen – insbesondere deshalb, weil Winterkorn nachweislich einen guten Job gemacht hat.

Über die Perspektiven der VW-Aktie

Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich den negativen Einfluss des Machtkampfes bei VW auf die VW-Aktie für begrenzt. Der VW-Konzern befindet sich auf einem guten Weg und wird diesen trotz der aktuellen Führungskrise mit großer Wahrscheinlichkeit fortsetzen können.

Wenn Sie VW-Aktionäre sind oder sich für die Aktie interessieren, sollten Sie allerdings sehr genau beobachten, wie sich dieser Konflikt weiter entwickelt.

13. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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