DAX 30: Deutsche Bank Aktie weiterhin kein Kauf

Die Deutsche Bank ist zurzeit mal wieder ausgiebig in den Schlagzeilen der Medien vertreten.

Am 23. April wurde bekannt, dass das größte deutsche Kreditinstitut sich mit den Regulierungsbehörden der USA geeinigt hat. Um die Untersuchungen im Zusammenhang mit der Manipulierung von Interbanken-Benchmark-Zinssätzen zu beenden – und diesbezüglich endlich aus den Schlagzeilen zu kommen – wurde ein Vergleich geschlossen:

Die Deutsche Bank erklärte sich zu Strafzahlungen in Höhe von insgesamt 2,175 Mrd. USD (!) an drei US-Regulierungsbehörden sowie weiteren 226,8 Mio. Pfund an eine britische Behörde bereit.

Klar ist: Ohne Vergleich wäre die Summe wohl noch höher ausgefallen – vom anhaltenden Image-Schaden ganz zu schweigen. Allerdings frage ich mich ernsthaft, ob auch ein schlechtes Image – wie es sich die Deutsche Bank im vergangenen Jahrzehnt „hart erarbeitet“ hat – beschädigt werden kann…?

Schlag(zeile) auf Schlag(zeile)

Wenige Tage später folgte die Pressemeldung zur künftigen Unternehmensstrategie. Kernpunkt ist sicherlich die Trennung von der Deutschen Postbank, um deren Erwerb die Deutsche Bank vor Jahren so heroisch gekämpft hatte.

Kurz darauf gab das Kreditinstitut einen Nettogewinn von 559 Mio. Euro für das 1. Quartal 2015 bekannt. Ich möchte dem nur 2 Zahlen gegenüber stellen:

Im selben Quartal wendete die Deutsche Bank 1,5 Mrd. Euro für Rechtsstreitigkeiten auf. Die Rückstellungen für Rechtstreitigkeiten lagen zum Quartalsende bei 4,8 Mrd. Euro. Zur Verdeutlichung:

Die Deutsche Bank hat somit inzwischen das 8,6fache des in den vergangenen 3 Monaten erzielten Gewinns NUR für mögliche Regressansprüche aus laufenden Gerichtsverfahren zur Seite gelegt!

Leider ist nicht bekannt, welche Summen aus diesen Rückstellungen bereits für „Inanspruchnahmen“ geflossen sind.

Wahrheit oder Pflicht

Seit gestern läuft der Betrugsprozess gegen Deutsche Bank-Vorstand Fitschen und vier Ex-Banker (u.a. die Ex-DB-Vorstände Josef Ackermann und Rolf E. Breuer). Laut Anklagebehörde sollen die beklagten Manager vor 4 Jahren in dem Prozess um milliardenschwere Schadenersatzforderungen im Zusammenhang mit der Insolvenz des Medienkonzerns Kirch die Unwahrheit gesagt haben.

Ob die Richter die Wahrheit ergründen werden, ist offen. Der Chart zeigt uns immerhin die Wahrheit über die Kursentwicklung im vergangenen Jahrzehnt. Und die ist ebenso traurig wie die Höhe der Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten:

10-jahres-vergleich dax 30 und deutsche bank aktie-05-05-2015

10-Jahres-Vergleich DAX 30 und Deutsche Bank Aktie

Im Zuge der DAX-Rallye erreichte die Deutsche Bank Aktie am 17. April mit 33,42 Euro ein Zwischenhoch. Im Zuge der oben beschriebenen Nachrichtenflut fiel der Kurs schon wieder um knapp -14% zurück.

Deutsche Bank Aktie weiterhin kein Kauf

Der 10-Jahres-Vergleich macht deutlich, dass die Schere zwischen Aktie und DAX 30 seit der Finanzkrise im Jahr 2007 stetig angewachsen ist.

Nahezu ebenso lange weise ich nun in Chartanalyse-Trends schon darauf hin, dass die Deutsche Bank Aktie kein Teil Ihres privaten Aktien-Portfolios sein sollte. Der Performance-Unterschied – dokumentiert durch die gestrichelten Horizontalen – spricht für sich.

Um nur den in den vergangenen 10 Jahren entstandenen Verlust von annähernd -50% auszugleichen, müsste die Deutsche Bank Aktie schon auf gut 56 Euro steigen. Doch auf dem Weg dorthin liegt noch ein massiver Widerstand um 37,70 / 38,70 Euro, den es erst einmal zu überwinden gilt.

Verfolgen Sie oder meinetwegen genießen Sie den derzeit laufenden Prozess – aber lassen Sie sich bitte nicht erzählen, die Deutsche Bank Aktie wäre derzeit ein Schnäppchen.

5. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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