DAX 30: Die Lage ist brisanter als Sie vermuten

Alle reden von Jahresendrallye: Doch die Lage ist weit gefährlicher, als viele Marktteil-nehmer vermuten. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Wie gestern bereits unterstellt, hat die seit Monatsbeginn laufende DAX-Rallye am Montag tatsächlich zunächst einmal ihren Gipfel erreicht. Mit dem Rückschlag am Dienstag wurde eine ununterbrochene Serie von 7 Plus-Tagen in Folge beendet.

Wie stehen nun die Chancen dafür, dass es nach einer kleinen Verschnaufpause weiter aufwärts geht? Dazu schauen wir uns heute zwei weitere Charts an.

Beginnen wir zunächst einmal mit einer längerfristigen Perspektive. Dazu habe ich einen Wochenchart vorbereitet, der Ihnen zusätzlich die Entwicklung des On-Balance-Volumens (OBV) anzeigt.

Falls Ihnen die Bedeutung dieses Indikators nicht geläufig ist: Das On-Balance-Volumen offenbart Ihnen die Aktivitäten der Großinvestoren, also von Institutionen wie Investmentfonds, Hedgefonds, Pensionsfonds, Banken, Vermögensverwaltungen und ähnliche.

Wie soll das funktionieren?

Ganz einfach: Indem die täglichen Umsätze mit den täglichen Schlusskursveränderungen verknüpft und aneinander gereiht werden. In dem gleich präsentierten Chart werden natürlich entsprechend die wöchentlichen Umsätze mit den Kursveränderungen von Freitag zu Freitag verbunden.

Aufgrund dieser Verknüpfung macht das OBV sofort sichtbar, wenn große Umsätze die Kurse stark bewegen – rauf oder runter. Und hohe Umsätze kommen eben nur zustande, wenn Großanleger ihre Hände im Spiel haben.

Großanleger waren an der jüngsten Rallye nicht beteiligt

Schauen wir uns das einmal im folgenden Wochen-Chart für den DAX 30 an:

dax 30 mit on-balance-volumen-14-10-2015

DAX 30: Großanleger waren an der jüngsten Rallye nicht beteiligt

Der senkrechte blaue Balken markiert das DAX-Tief vom 29. September bei 9.325 Zählern. Von dort aus hatte der deutsche Leitindex bis zum Montag immerhin 862 Punkte oder +9,2% zugelegt.

Bei einem solchen Anstieg sollten Sie erwarten können, dass die Großanleger involviert sind. Der kleine Aufwärtshaken (roter Kreis) in der vergangenen Handelswoche macht indes sichtbar, dass hier die Privatanleger unter sich waren. Im Umkehrschluss bedeutet das:

Die Großinvestoren hatten kein Vertrauen in die jüngste Kursrallye. Doch wenn das „Big Money“ nicht mitmacht, dann wird es schwer, den DAX weiter voran zu treiben.

Marktlage brisanter als von vielen Marktteilnehmern vermutet

Wie Sie dem Chart ebenfalls entnehmen können, bewegen sich sowohl der DAX 30, als auch das OBV unmittelbar an den seit 2011 gültigen Aufwärtstrend-Linien. Das zeigt, wie gefährlich die aktuelle Marktlage wirklich ist!

Schauen wir nun noch auf einen Tages-Chart mit dem 50-Tage-Momentum und den Umsätzen:

dax 30 mit 50-tage-momentum und umsätzen-14-10-2015

DAX 30: Aufwärtsdynamik fehlt weiterhin

DAX klar im Abwärtstrend und ohne Aufwärtsdynamik

Die 50- und 200-Tagelinie machen unmissverständlich klar: Der DAX 30 bewegt sich mittel- und langfristig in einem Abwärtstrend:

Die Tatsache, dass der Leitindex zu Wochenbeginn erneut vor der 50-Tagelinie wieder abgedreht hat, ist ein klar negatives Signal.

Wie wichtig der mittelfristige Trend ist, machen die gelben Kreise sichtbar: Die 50-Tagelinie fungiert wie eine Art unsichtbare Trennlinie zwischen Aufwärtstrend und Abwärtstrend.

Aufwärtsdynamik: Fehlanzeige!

Das Momentum zeigt Ihnen Schwung und Dynamik einer Kursbewegung an. Fakt ist:

  • Das 50-Tage-Momentum bewegt sich im Minusbereich = negative Dynamik
  • Der seit März dieses Jahres bestehende Abwärtstrend konnte in der jüngsten DAX-Rallye nicht überboten werden. Er wurde nicht einmal erreicht!

Der violette Kreis zeigt Ihnen: Die Umsätze während der Aufwärtsfahrt seit Anfang Oktober blieben fast komplett unter dem Durchschnitt der vergangenen 50 Tage. Lediglich am 7. Oktober schafften es die Umsätze hauchdünn darüber.

Hier waren definitiv keine Großanleger involviert!

Fazit

In einem soliden Aufwärtstrend sollten Sie wachsendes Kaufinteresse der Großanleger sehen. Schließlich sind es diese Investoren, welche die Trends an den Börsen bestimmen.

+9,2% DAX-Anstieg in 14 Tagen – aber die Großinvestoren waren nicht daran beteiligt: Ganz offensichtlich traut das „Big Money“ dem Braten nicht.

Das stellt zudem die gestern vorgestellte potenzielle W-Formation infrage: Auf dem Weg vom zweiten Tief nach oben sollten Sie klar überdurchschnittliche Umsätze sehen. Das war definitiv nicht der Fall.

Der Aufwärtsschub hat ebenfalls nicht ausgereicht, dem Leitindex neue Aufwärtsdynamik zu verleihen: Der seit März gültige Abwärtstrend im 50-Tage-Momentum ist nach wie vor intakt.

Zudem pendelt das deutsche Markt-Barometer seit Wochen um seinen seit dem Jahr 2011 bestehenden Aufwärtstrend herum. Hält diese Unterstützung nicht, wird ein weiterer Abwärtsschub wohl nicht zu vermeiden sein.

Bleiben Sie also bitte weiter vorsichtig.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.