DAX 30: Die Lage spitzt sich zu

Das war zwar knapp, aber nichtsdestotrotz vorbei:

Der DAX startete furios in die Handelswoche, sprang um gut 60 Zähler vom Freitags-Schlusskurs aus, blieb dann jedoch bei 12.375 stehen – 15 Punkte unter der seit April 2015 gültigen Bestmarke.

Und statt gleich noch mal einen neuen Anlauf zu starten, fiel der deutsche Leitindex dann gestern wieder bis auf 12.225 Zähler zurück – also doch kein neuer Rekord?

Ich möchte das noch nicht völlig ausschließen, aber die Zeit wird langsam knapp. Denn nun signalisiert auch ein anderer Indikator, dass dem DAX eine Korrektur ins Haus stehen könnte: der VDAX.

Erst Divergenz, jetzt auch noch der VDAX

Auf die Möglichkeit einer bevorstehenden Korrektur hatte ich Sie bereits in meinem Beitrag „DAX 30: Wiederholt sich jetzt 2007?“ vom 23. März vorbereitet.

Die dort vorgestellte Divergenz (Abweichung) zwischen DAX-Verlauf und Momentum ähnelt stark der Chart-Situation vom Sommer 2007:

Damals baute der DAX sein Allzeithoch aus dem Jahr 2000 um gerade einmal 15 Zähler aus.

In den darauffolgenden 4 ½ Wochen knickte er knapp 1.000 Punkte (-12%) ein. Danach startete der Leitindex dann erneut Richtung Rekordmarke.

Um zu verstehen, inwieweit nun der VDAX eine solche Korrektur ankündigt, sollten Sie wissen, was sich hinter dem Indikator verbirgt.

Falls Sie Ihnen die folgende Börsenprofi-Erklärung (Quelle: Wikipedia) ausreicht, können Sie den anschließenden Abschnitt auch einfach überspringen:

„Der VDAX gibt die implizite Volatilität des deutschen Aktien-Leitindex DAX über 45 Tage in Prozentpunkten an. …

Grundlage der Berechnung sind die Preise einer fiktiven Option auf den DAX. Der VDAX wurde am 5. Dezember 1994 eingeführt.

Seit dem 14. Juli 1997 berechnet die Deutsche Börse AG den VDAX mit Hilfe der Black-Scholes-Formel.“

VDAX: Verständlich erklärt

Meine persönliche Erläuterung klingt etwas anders, ist für den weniger börsenerfahrenen Anleger aber hoffentlich verständlicher. Sie hat etwas mit Vertrauen und Unsicherheit zu tun:

Unterstellen wir einmal, jemand würde Ihnen „garantieren“, dass der DAX in ein paar Monaten bei 14.000 Punkten stünde.

Dann könnten Sie jetzt einsteigen und bräuchten erst dann zu verkaufen (und den Gewinn einzustreichen), wenn der Leitindex sein Kursziel erreicht hat.

Eine solche Garantie gibt es natürlich nicht. Also müssen Sie schon Vertrauen haben, dass dem DAX tatsächlich ein derartiger Anstieg gelingt.

Doch wenn Sie dieses Vertrauen hätten, dann würden Sie eben auch bei kurzzeitigen Rückschlägen die Ruhe bewahren und investiert bleiben.

Anders liegt der Fall, wenn Sie weniger sicher sind, dass der deutsche Leitindex zulegen wird. Dann kann ein Rücksetzer auch schnell einmal dazu führen, dass Sie Ihre Position früher verkaufen, als eigentlich geplant.

Wenn Sie dieses Beispiel nun auf die Masse der Marktteilnehmer übertragen, dann führt wachsende Verunsicherung der Anleger zu mehr Verkaufs-Transaktionen.

Und die haben dann wiederum – Stichwort: mehr Angebot als Nachfrage – abwärts gerichtete, höhere Kursschwankungen zur Folge: Die Börsenprofis bezeichnen das als Volatilität.

Steigender VDAX = wachsende Risiken im DAX

Wenn der Volatilitäts-Index VDAX also ansteigt, drückt das vereinfacht gesagt eine zunehmende Unsicherheit – oder, wenn Sie mögen, ein abnehmendes Vertrauen in die DAX-Chancen aus und umgekehrt.

Schauen wir uns das nun einmal gemeinsam im folgenden Vergleichs-Chart von DAX und VDAX an:

volatilitätsindex vdax_05-04-2017

Volatilitäts-Index VDAX: Abwärtstrend in Gefahr = DAX-Korrektur wahrscheinlich

Kontra-Indikator VDAX

Die gelben Kreise zeigen Spitzenwerte im VDAX an, die mit den Tiefs im DAX vom Februar und Juni 2016 korrespondieren:

Der Mini-Crash zu Jahresbeginn und dann noch einmal das BrExit-Votum sorgten seinerzeit bei den Marktteilnehmern für große Verunsicherung über die weitere Kurs-Entwicklung.

Den Kontrapunkt dazu, also ein hohes Maß an Vertrauen in die DAX-Zukunft, habe ich Ihnen mit den grünen Kreisen markiert.

Sie sehen: Solche VDAX-Ausreißer nach oben oder unten kennzeichnen häufig (bevorstehende) Wendepunkte in der DAX-Tendenz.

Die Einteilung der VDAX-Skala in Zonen habe ich übrigens vor etwa 15 Jahren nach eingehenden Analysen selbst vorgenommen. Die Zonen helfen Ihnen bei der Einschätzung von Chancen und Risiken im DAX.

Fazit und Empfehlung

Und damit kommen wir zu dem eingangs erwähnten VDAX-Signal für eine bevorstehende DAX-Korrektur:

Der blaue Kreis zeigt Ihnen, dass der VDAX soeben an den seit Juni 2016 bestehenden Abwärtstrend angedockt hat.

Noch ist die Trend-Linie nicht nach oben durchbrochen. Aber eine solche Entwicklung ist angesichts der von mir im DAX / Momentum ausgemachten Divergenz sehr wahrscheinlich.

Müssen Sie sich nun also – wie im Jahr 2007 geschehen – auf eine -12%-Korrektur im DAX einrichten? – Nicht zwingend.

Aber das ist ein Thema für den morgigen Beitrag…

5. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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