DAX 30: Droht uns wieder ein Sommerloch?

Im vergangenen Jahr stagnierte der DAX von Mitte August bis Ende November. Erwartet uns also bald wieder eine ähnliche Leidenszeit? (Foto: Deutsche Börse AG)

Vermutlich erinnern Sie sich noch?

2016 brachte uns ab Mitte August eine Börsen-Phase, in welcher der DAX 30 einfach nicht über die Zone von 10.700 / 10.800 Punkten hinaus kommen mochte.

7x wurde der deutsche Leitindex in jenen Wochen von dieser unsichtbaren Mauer gestoppt – und jedes Mal tauchte er wieder ab.

Doch auch nach unten ging nicht allzu viel: Auf Schlusskurs-Basis prallte der DAX bei 10.200 / 10.250 Zählern wieder nach oben ab.

Erst ab der 2. Dezember-Woche 2016 gelang es dem Index, diese auch als „Sommerloch“ bezeichnete Phase zu beenden.

Danach ging es überraschend deutlich aufwärts und seit der letzten Aprilwoche wandelt der DAX 30 sogar auf neuem Rekord-Terrain.

Ganz normal: Saisonalitäten am Aktienmarkt

An den Aktienmärkten bezeichnen wir solche „Erscheinungen“ als Saisonalitäten. Sie kennen das: Berühmt-berüchtigt ist beispielsweise auch die „Jahresend-Rallye“.

So wie das Wetter das Wachstum der Pflanzen und die Jahreszeiten Aussaat und Ernte beeinflussen, so unterliegt auch die Börse Saisonalitäten:

In den Sommer-Monaten ist die Hauptferienzeit, in der viele Menschen auf Urlaubsreise gehen.

Entsprechend fehlen in dieser Zeit viele Marktteilnehmer, die sonst üblicherweise am täglichen Handel beteiligt sind.

Da erscheint es nur logisch, dass die Börse – wie im Jahr 2016 der DAX 30 – in ein „Sommerloch“ fällt.

Sommerloch: Tradition oder Ausnahme?

War die eingangs beschriebene Börsen-Phase aus dem Jahr 2016 also kein Einzelfall? Droht uns auch in diesem Sommer wieder ein „Loch“?

Um eine Antwort auf diese Überlegung zu finden, habe ich heute einen besonderen Chart für Sie zusammengestellt:

Er zeigt zum einen den DAX-Verlauf (schwarze Linie) der vergangenen 12 Monate. Die blaue Linie repräsentiert die komprimierte Index-Entwicklung der letzten 40 Jahre.

Hinweis: Wenn Sie den über den aktuellen DAX-Verlauf hinaus gehenden Saisonal-Chart betrachten, werden Sie hier und da minimale Veränderungen im Index-Verlauf gegenüber 12 Monate zuvor erkennen (pinkfarbene Ringe):

Hier machen sich der Einfluss des DAX-Verlaufs der zurückliegenden 12 Monaten sowie das herausfallende 41. Jahr bemerkbar.

dax und saisonal-dax_07-06-2017

DAX 30 und der über 40 Jahre komprimierte Saisonal-DAX

Im Saisonal-Verlauf wird schnell deutlich: Das sogenannte Sommerloch hat durchaus Tradition (rote Ringe).

Von Mitte August bis Ende September geht es meist bergab. Danach zockelt der DAX langsam nach oben.

Ende November wird i. d. R. das August-Niveau wieder erreicht. Ab da startet dann die Jahresend-Rallye.

DAX der letzten 12 Monate: Weitgehende Übereinstimmung

Im Chart habe ich die vergangenen 12 Monate in verschiedene (farbliche) Phasen aufgeteilt:

  • Grün und rot: Hier stimmen DAX 30 und Saisonal-Chart in ihren Richtungs-Bewegungen überein.
  • Blau: Hier divergieren DAX- und Saisonal-Verlauf (zeigen in entgegengesetzte Richtungen).
  • Gelb: Übereinstimmende Konsolidierungs-Phasen. Im Jahr 2016 sahen wir lediglich eine deutlich geringere Schwankungsbreite (Volatilität).

Abgesehen von den blauen Phasen stimmte der DAX-Verlauf der vergangenen 12 Monate weitgehend mit dem typischen Saisonal-Verlauf überein.

Rutscht der DAX in der 4. Juniwoche wieder ab?

Auffällig war im letzten Jahr die rote Phase:

Der Saisonal-Chart zeigt für die 4. Juniwoche (ab dem 22.) eine leichte Abwärts-Bewegung an.

Der kurze, aber heftige Ausschlag im Vorjahr war von der überraschenden Brexit-Entscheidung verursacht worden.

Ich bin schon sehr gespannt darauf, ob wir in 2 Wochen erneut einen Knick im DAX erleben werden.

Fazit

Der über die zurückliegenden 40 Jahre komprimierte Saisonal-DAX bringt es an den Tag:

Das Sommerloch existiert tatsächlich – und es reicht in aller Regel von Mitte August bis Ende November.

Dabei muss es nicht zwangsläufig so deutlich abwärts gehen, wie uns der saisonale Verlauf zeigt:

Das Jahr 2016 hat uns eine leicht abweichende Variante mit deutlich geringeren Kurs-Ausschlägen gebracht.

Es muss auch nicht zwangsläufig ein Sommerloch geben: Im Jahr 2013 fiel der DAX in der 2. August-Hälfte zunächst von etwa 8.400 auf 8.100 zurück:

Dann legte der Leitindex von Anfang September bis Anfang Dezember eine 1.300-Punkte-Rallye aufs Parkett.

Nach einem Rücksetzer um 400 Zähler in der 1. Dezember-Hälfte setzte dann – leicht verspätet – die Jahresend-Rallye ein.

À propos: Freuen dürfen Sie sich schon jetzt auf die Zeit ab Ende November: Dann geht das Sommerloch i. d. R. geradezu fließend in die Jahresend-Rallye über.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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