DAX 30 Index: Ziel 17.205 Punkte?

„Nicht Sorglosigkeit, sonder Gelassenheit signalisiert der V-DAX“, kommentiert unser Börsenexperte Rainer Heißmann dessen tiefen Stand. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

„V-DAX: 10.000 Punkte im DAX sind möglich“, habe ich einen meiner Kommentare im März 2012 überschrieben. Seinerzeit notierte der DAX 30 Index um 7.000 Punkte). Im Juni 2012 fiel er danach sogar nochmals unter 6.000 Punkte zurück. Und doch:

Heute sind wir soweit, dass die 10.000 Punkte im DAX 30 Index keine 10% mehr entfernt sind. Wie geht es dann weiter? Da hilft ein Blick auf den V-DAX weiter. Der hat auch beim oben erwähnten Kommentar vom März 2012 gute Dienste geleistet.

Das ist der V-DAX

Der V-DAX wird anhand gekaufter Call- und Put-Optionen an der Terminbörse Eurex berechnet. Je höher der Anteil gekaufter Call-Optionen ist, desto mehr setzen die Anleger auf steigende Märkte. Umgekehrt gehen sie bei einem hohen Anteil gekaufter Put-Optionen von tendenziell fallenden Märkten aus.

Die gehandelten Call- und Put-Optionen werden zueinander ins Verhältnis gesetzt. Daraus wird der V-DAX berechnet. Die Notierungen werden in einem Chart fortgeschrieben.

Die Bewegungen des V-DAX und anderer Volatilitäts-Indizes, wie z.B. der VIX (auf den US-Aktienindex S&P500), sind fast immer gegenläufig zu den Aktien-Indizes. Das heißt:

Der V-DAX fällt, wenn steigende Aktienkurse erwartet werden. Umgekehrt legt der V-DAX immer dynamischer zu, wenn Anleger eine Abwärtsbewegung bis hin zum Crash erwarten oder dieser eintritt.

V-DAX auf historischen Tief

Der unten stehende Chart zeigt, die Stimmung der Anleger ist positiv. Sie erwarten keinen Kurseinbruch. Kritische Kommentare sagen: Die Anleger seien sorglos, das sei ein Warnzeichen. Nun, wie meist an der Börse, aus Daten und Fakten und auch Charts lässt sich vieles herauslesen, wenn man will.

V-DAX: Noch 3 Jahre Rally?

VDAX_2013_11_27

Der Chart zeigt den V-DAX auf Basis seiner Wochenschlusskurse. Er notiert aktuell auf einem historisch zu nennenden Tief. Letztmalig notierte er Anfang 2005 auf diesem niedrigen Niveau (grüne Markierungen).

Ich greife die kritische Kommentierung „sorglose Anleger“ auf und frage:

„Waren die Anleger Anfang 2005 sorglos?“

Sehen Sie sich dazu den DAX 30 Index an. Dessen Kursverlauf habe ich in den Chart des V-DAX übertragen. Sie sehen den Kursverlauf des DAX 30 Index mit der blauen Linie.

Anfang 2005 notierte der DAX mit 4.200 bis 4.400 Punkten. Danach gab es eine Rally, die knapp 3 Jahre dauerte und den DAX bis auf 8.000 Punkte katapultierte. Ein Plus von rund 85%.

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„Sorglos aber reich“, könnte man augenzwinkernd auf die obige Frage antworten.

Trägt die Rally den DAX auf 17.205 Punkte?

Wenn ich die Entwicklung von 2005 bis Ende 2007 auf heute übertrage und ebenfalls +85% auf den aktuellen Kursbereich um 9.300 Punkte addiere, komme ich auf 17.205 Punkte.

Und nein, das wird nicht im ersten Anlauf gelingen. (Im zweiten oder dritten vermutlich doch.)

Aber dass ein niedriger V-DAX eine Trendumkehr ankündigt, ist an den Haaren herbeigezogen. Ja mehr noch: Eine angekündigte Trendumkehr ist extrem selten.

Es spricht vieles dafür, dass die Rally weiterläuft. Vielleicht noch weitere 3 Jahre, so wie ab 2005, als der V-DAX angeblich auch „Sorglosigkeit der Anleger“ signalisierte.

Wichtig: Am Ende eines Kommentars, der steigende Kurse „verspricht“, die „Mahnung“:

Vergessen Sie Put-Optionen nicht!

Überraschungen und Trendwechsel sind auch beim V-DAX und beim DAX 30 Index jederzeit möglich.

Zum guten Schluss: Am 27.11.1870, also heute vor 143 Jahren, verstarb Alexandre Dumas, der jüngere. Sein Vater, der ebenfalls Alexandre Dumas hieß und der wohl der bekanntere Schriftsteller der beiden war und z.B. “Die drei Musketiere” und “Der Graf von Monte Christo” schrieb, wusste zu berichten:

“Drei Dinge gehören zu einem guten Kaffee: erstens Kaffee, zweitens Kaffee und drittens nochmals Kaffee.”

Als einer aus den Jahrgängen, die in den neuen Coffee-Shops nichts bestellen können, weil ich nicht weiß, was dort “normaler Kaffee” ist und ratlos vor den gefühlt 385 Angeboten “verzweifle” und deshalb dort auch nicht reingehe, kann ich Alexandre Dumas nur beipflichten. In diesem Sinne sende ich Ihnen beste Grüße und wünsche Ihnen einen guten Kaffee.

P.S.: Mit Call-Optionen auf den Coffee-Shop Starbucks habe ich im Optionen-Profi trotzdem schon diese Ergebnisse erzielt: +15%, -19%, +100%, +107%, +80%, +21%, +100%

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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.