DAX 30: Jetzt sind diese beiden Szenarien wahrscheinlich

In puncto DAX 30 lag ich mit meinen Prognosen seit Mai weitgehend richtig.

Ich hielt den deutschen Leitindex nach der (meines Erachtens) übertriebenen „Macron-Rallye“ im Zuge der Frankreich-Wahl für zu teuer.

Mein Fazit vom 2. Mai 2017 lautete:

„Mit der jüngsten Aufwärts-Bewegung hat sich der DAX wieder an die Oberseite des 11%-Kanals herangearbeitet.

Somit erscheint das weitere Aufwärtsp-Potenzial des DAX doch recht limitiert. Die von mir gewählte Darstellung bietet Ihnen aber noch einen weiteren Vorteil:

Sie wissen nun, dass sich im DAX DANN etwas gravierend verändert, WENN das seit Jahresbeginn zu sehende Gleichgewicht gestört wird:

Ein Abrutschen unter die Unterstützung der 7%-Hülle lässt einen Rücksetzer bis auf die 200-Tage-Linie erwarten.

Gelingt dem DAX andererseits ein Durchbruch durch die 11%-Kanal-Begrenzung, dann ist eine Euphorie-Rallye wahrscheinlich.

Ich weiß allerdings nicht, ob ich Ihnen als Investor die letztgenannte Entwicklung wünschen möchte: Gewiss würde das noch einmal schöne DAX-Gewinne bedeuten. Jedoch:

Mit einer Euphorie-Rallye endet in der Regel auch die Aufwärts-Bewegung eines Marktes.“

Rückblick auf den Mai-Chart

Hier daher noch einmal die – natürlich aktualisierte – Grafik, an der ich meine Einschätzung Anfang Mai ausrichtete:

dax_chart1_24-07-2017

DAX-Kanäle: Rutsch unter die 7%-Hülle setzte prognostizierte Korrektur in Gang

Zur Erinnerung: Der Chart zeigt den DAX mit seiner exponentiellen 200-Tage-Linie.

Zusätzlich wurde der 200-Tage-Gleitende-Durchschnitt (GD) um 7% und 11% nach oben und unten verschoben.

An diesen Abständen zum GD200 bildete der DAX auffällig viele Widerstands- und Unterstützungs-Punkte aus.

Seit November 2016 pendelte der Index zwischen den oberen Abständen wie in einer Spur.

Hinweis: Falls Sie mit dem Begriff „exponentiell“ nichts anfangen können:

Auch hierbei wird ein Durchschnitt der letzten 200 Handelstage berechnet, allerdings werden die jüngeren Schlusskurse kontinuierlich stärker gewichtet.

DAX-Entwicklung seit Mai

Wenigstens kam es nur zu einer etwas kleineren Euphorie-Rallye, als der DAX am 4. Mai erstmals mit 12.648 Punkten über den 11%-Kanal ausbüxte (gelber Kreis).

Das vorläufige Top wurde am 16. Mai mit 12.841 Zählern markiert. Nach dem Rückfall in die „Spur“ gab es noch 3 weitere Versuche, die 11%-Begrenzung zu knacken – ohne Erfolg.

Dann folgte, was ich bereits am 2. Mai angekündigt hatte: Mit dem Abrutschen unter die 7%-Hülle droht nun ein Rücksetzer bis auf die 200-Tage-Linie.

Meine Prognose vom 3. Juli

Am 3. Juli schrieb ich Ihnen als Fazit in meiner Chart-Analyse zum DAX:

„In die „Macron“-Rallye war der Index mit einer breiten Aufwärts-Kurslücke gestartet (blaues Rechteck):

Das Tief jenes Handelstages lag dabei signifikant über dem Vortages-Hoch, was sich im Chart dann als ein ‚Loch‘ präsentiert.

Ganz nebenbei hat sich dabei wieder einmal die Aussagekraft einer Kurslücke bestätigt: Je größer die Lücke, umso höher das Potenzial in der entsprechenden Richtung.

Würde die Aufwärts-Kurslücke geschlossen, wäre das als negatives Signal zu werten: Dazu müsste der DAX unter 12.091 Punkte absinken.

Wahrscheinlicher ist indes, dass die laufende Abwärts-Bewegung irgendwo zwischen 12.091 und 12.289 zum Erliegen kommt.“

dax_chart2_24-07-2017

DAX in der früheren Aufwärts-Kurslücke: Nun gibt es 2 Szenarien.

In dieser Grafik werden die 200-Tage-Linie und ihre Kanäle nicht in der exponentiellen Berechnung, sondern als einfache Durchschnitte (also OHNE Gewichtung der Schlusskurse) dargestellt.

Daher weichen die Prozentzahlen der Abstände vom 1. Chart ab.

Es ist für Sie gut zu erkennen, dass der DAX am Freitag exakt in die von mir als Kursziel genannte Aufwärts-Kurslücke zurückgefallen ist.

Fazit und Empfehlung

Daraus ergeben sich nun 2 mögliche Szenarien:

  • Szenario 1: Der DAX fängt sich innerhalb der Aufwärts-Kurslücke. Diese wird nicht geschlossen, weil die Unterseite bei 12.091 Punkten nicht unterschritten wird. Dann sollte die Korrektur damit bendet sein und der DAX sich wieder aufwärts orientieren.
  • Szenario 2: Der DAX schließt die Aufwärts-Kurslücke, indem die Unterseite bei 12.091 Zählern unterboten wird. Dann wird eine Fortsetzung der Korrektur wahrscheinlich, die den DAX in die Nähe oder sogar auf oder marginal unter die 200-Tage-Linie führen sollte.

Der GD200 verläuft aktuell bei 11.804. Somit verbliebe ein restliches Korrektur-Potenzial von knapp 400 Punkten. Allerdings reduziert sich dieses um täglich etwa 8 Punkte:

Derzeit steigt die 200-Tage-Linie mit jedem Handelstag um jenen Wert an.

Wie könnten Sie auf diese Szenarien reagieren?

Eine Möglichkeit wäre, jetzt mit einer halben Position im DAX „long“ zu gehen (auf steigende Notierungen zu setzen).

Wird Szenario 2 „aktiv“, dann könnte die Position an der 200-Tage-Linie komplettiert werden.

Wird Szenario 1 „aktiv“, dann könnte die Position beispielsweise nach Wiederaustritt aus der Aufwärts-Kurslücke vervollständigt werden.

Natürlich sollten Sie in jedem Falle eine Absicherung nicht vergessen, die etwas deutlicher unter der 200-Tage-Linie platziert werden könnte.

24. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt