DAX 30: Korrektur ja, aber kein Crash

Am vergangenen Donnerstag stellte ich Ihnen meine Analyse zum DAX 30 vor.

Eine aktuell vorliegende 3-fach-Divergenz (Abweichung) des Index zum 50-Tage-Momentum, die es in sehr ähnlicher Weise auch vor 10 Jahren gegeben hat, ließ folgenden Schluss zu:

„Denkbar ist beispielsweise ein Szenario, in dem der DAX – wie auch in 2007 – zunächst ein marginales neues Allzeithoch erreicht, um anschließend eine größere Korrektur zu durchlaufen. Danach wäre dann ein neuer Anlauf auf die alte Bestmarke wahrscheinlich.“

Heute zeige ich Ihnen noch eine weitere Analyse, warum ich das geschilderte Szenario für sehr wahrscheinlich halte.

Ich möchte damit auch ganz bewusst einen Kontrapunkt zu den zuletzt wieder vermehrt aufflackernden „Crash“-Prognosen diverser Experten setzen.

Rückblick auf 2007

Zur Auffrischung Ihrer Erinnerung hier noch einmal, was in 2007 geschah:

Am 13. Juli 2007 gelang dem deutschen Leitindex nach etwas mehr als 7 Jahren ein neuer, allerdings nur marginaler Rekord von gerade einmal 15 Punkten mehr.

Es folgte eine Korrektur um knapp 1.000 Zähler bis Ende August.

Danach erholte sich der DAX wieder und testete bis Ende 2007 – seinerzeit erfolglos – mehrere Male das im Juli markierte Allzeithoch von 8.151.

Vergleich mit der aktuellen Charttechnik

Schauen wir nun einmal auf einen Vergleich der Kursverläufe von 2007 / 2008 und 2016 / 2017. Zusätzlich sind die 50- und die 200-Tage-Linien eingeblendet:

dax 2007 vs 2017_27-03-2017

DAX 2007 und 2017: Die Tagelinien steigen noch zu steil für einen Trendwechsel.

Die hier eingesetzten Tagelinien machen bekanntlich den mittelfristigen (50 Tage) und den langfristigen Trend des Index (200 Tage) sichtbar.

Dazu werden die Durchschnitte der DAX-Schlusskurse für die entsprechenden Perioden berechnet.

Genau das ist jetzt wichtig, wenn wir einmal gemeinsam auf den aktuellen (rechten) Chart schauen:

Der vertikale blaue Balken zeigt Ihnen, welche Zeitspanne der aktuelle Wert der 50-Tage-Linie abdeckt.

Etwas besänftigende Mathematik

Sie sehen:

Zu Beginn dieses Berechnungs-Zeitraumes bewegte sich der DAX noch etwa 16 Tage lang um 11.500 Punkte, bevor er dann Richtung 12.000 Zähler anstieg.

Das bedeutet: Um die 50-Tage-Linie nach unten zu drehen, müsste der DAX sich unterhalb von etwa 11.800 Punkten bewegen.

Erst dann lassen sich niedrigere Werte für die 50-Tage-Linie ermitteln.

Anhand dieses Beispiels können Sie nun ermessen, wie viel mehr Zeit (und tiefere DAX-Notierungen) es benötigt, um die 200-Tage-Linie Richtung Süden zu drehen.

Und damit kommen wir zum linken Chart:

Sie können es prima erkennen: Selbst die heftige Korrektur vom Juli / August 2007 reichte nicht aus, die 200-Tage-Linie zu drehen.

Lediglich der Anstiegs-Winkel wurde im weiteren Verlauf geringer.

Erst der Crash im Januar 2008 – zugleich der Beginn der Finanzkrise – brachte den Abwärts-Dreh der 200-Tage-Linie zuwege und änderte damit letzlich auch die Richtung des langfristigen Trends.

Fazit und Empfehlung

Klar: Eine Garantie, dass ein Crash, wie ihn derzeit zahlreiche Experten „heraufbeschwören“, ausbleibt, kann auch ich Ihnen nicht geben.

Aber die Mechaniken der Charttechnik zeigen derzeit eine weit höhere Wahrscheinlichkeit für „nur“ eine Korrektur in den kommenden Wochen an, der dann eine Wiederaufnahme des bestehenden Aufwärtstrends folgt.

Und sind wir mal ehrlich:

Wenn es doch zum Crash kommen sollte, dann würden Sie das schnell merken – zumal Sie inzwischen durch mich für eine Korrektur „sensibilisiert“ sind.

Sich daher jetzt schon von einigen unbelehrbaren Dauer-Crash-Gurus verrückt machen zu lassen ist mithin völlig unnötig!

27. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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