DAX 30-Prognose für 2015 einmal anders – Teil 2

Ein bevorstehender Jahreswechsel gibt regelmäßig Anlass, darüber nachzusinnen, was denn das neue Jahr für uns in petto halten könnte.

Wie es sich für einen Börsen-Newsletter ziemt, lenken wir unsere Anstrengungen in diesem Fall natürlich darauf, was uns die Aktien im kommenden Jahr bescheren könnten.

Und da sich Chartanalyse-Trends, wie der Name schon sagt, mit der Charttechnik auseinander setzt, wage ich den Blick in die Zukunft natürlich mit diesen Mitteln.

3 Börsenphasen mit vielen Gemeinsamkeiten

Im ersten Teil hatten wir am vergangenen Donnerstag auf einen bis 1976 zurückreichenden DAX 30-Chart geschaut. Dabei habe ich für Sie 3 Börsenphasen heraus gearbeitet, die viele Gemeinsamkeiten aufweisen.

dax 30 monats-chart mit rsi-08-12-2014

DAX 30 Monats-Chart: RSI stützt ein erfolgreiches Börsenjahr 2015

Es handelte sich jeweils um Phasen, in denen der DAX 30 mehrere Jahre seitwärts tendierte, bevor er zu höheren Ufern aufbrach. Dem ersten Anstieg nach dem Ausbruch folgten dann Konsolidierungen, die sich über 8, 36 oder (aktuell) 11 Monate erstreckten.

Daran schlossen sich wiederum explosive Bergfahrten an.

Im heutigen zweiten Teil werden wir ergründen, ob 2015 eine ähnliche Entwicklung für uns bereit hält und ob der Relative Stärke Index (RSI) eine solche Bergfahrt unterstützt.

Was Sie über den RSI wissen sollten

Bekanntlich wird der RSI in Zonen aufgeteilt: Über 50% haben wir die Kauf-Zone, unterhalb die Verkaufs-Zone. Oberhalb von 70% (grüne Horizontale) wird ein Markt danach als überkauft eingestuft, unterhalb von 30% (rote Horizontale) als überverkauft.

Die bei etwa 75% verlaufende gestrichelte pinkfarbene Horizontale zeigt eine Tendenz des DAX 30-RSI, auf diesem Niveau sekundäre Hochs auszubilden. Das war auch in diesem Jahr wieder der Fall.

Bedeutende DAX 30-Hochs wurden indes in der Mehrzahl von höheren RSI-Werten – beispielsweise knapp 93% im Jahr 1997 – begleitet (blaue Kringel).

Weiterhin lassen sich im RSI prima Trend-Linien einzeichnen. Ich habe mich hier auf die Aufwärtstrend-Linien beschränkt.

Brüche dieser Trend-Linien kündigten stets zuverlässig das Ende einer Hausse an. Sie sehen: Im Oktober dieses Jahres fiel der RSI nicht – wie zu erwarten gewesen wäre – vollends auf die Trend-Linie zurück (roter Kringel). Dies können wir durchaus als Zeichen von Stärke interpretieren.

(Und es ist, nebenbei bemerkt, ein weiterer Aspekt, warum der plötzliche Umschwung ab Mitte Oktober für viele, auch mich, ausgesprochen überraschend kam.)

Von starken und schwachen Händen

Bevor wir nun meine Analyse aus Teil 1 mit dem RSI verknüpfen, erlauben Sie mir noch eine Erläuterung:

Konsolidierungsphasen ebenso wie schnelle Ausverkäufe dienen dem Markt zur Bereinigung. Börsen-Altmeister Kostolany beschrieb diesen Vorgang so: „Die Aktien wandern von den schwachen Händen in starke Hände.“

Gemeint ist: Die notorischen Zweifler verkaufen in solchen, eher langweiligen, Börsenphasen (es tut sich ja nichts!) ihre Aktien an die Großanleger. Diese geben in der Folge ihre Aktienpakete indes nur sparsam wieder ab:

Die schwachen Hände müssen nun den Kursen hinterher laufen und höhere Preise bieten, um wieder einsteigen zu können.

RSI unterstützt einen starken DAX 30 in 2015

In exakt einer solchen Situation befinden wir uns derzeit. Das Ende der Konsolidierungsphase wurde am vergangenen Freitag eingeläutet, als der DAX 30 über seinem bisherigen Rekordhoch bei 10.050 Punkten geschlossen hat.

Der RSI hatte eine solche Aufwärtsbewegung unterstützt. Er kann nun aus einem intakten Aufwärtstrend von derzeit 67,7% bis deutlich über 80% laufen. Hier liegt eine mögliche Hürde, die aus dem Abwärtstrend seit 1993 (gestrichelte blaue Linie) stammt.

Eine vergleichbare RSI-Bewegung sahen wir zwischen Juni 2006 und Februar 2007 (pinkfarbener Kringel). In diesen 8 Monaten legte der DAX 30 +34,3% von 5.243 auf 7.040 Zähler zu.

Auch zwischen November 1997 und Juni 1998 erlebten wir eine ähnliche RSI-Bewegung (pinkfarbener Kringel). Damals kletterte der DAX 30 um +63,4% von 3.645 auf 5.957 Punkte!

Fazit

Auch wenn es Ihnen unrealistisch erscheinen mag, dass der DAX 30 nach dem Anstieg um fast +21% seit Mitte Oktober noch sehr viel weiter ansteigen kann: Die Historie zeigt, dass dies schon mehrfach geschehen ist.

Ich stehe daher, allen Unkenrufen zum Trotz, zu meiner bereits im August 2012 gemachten Prognose, dass der DAX 30 bis Ende 2015 auf bis zu 14.000 Punkte klettern kann.

Natürlich werden deutsche Aktien nicht alleine nach oben streben – die Wall Street und die meisten anderen Aktienmärkte werden ebenfalls ein erfolgreiches Börsenjahr 2015 absolvieren!

8. Dezember 2014

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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