DAX 30: RWE-Aktionäre vor schwierigen Zeiten

Am heutigen Donnerstag fand in Essen die Hauptversammlung des Energieriesen RWE statt. Wie sich viele von Ihnen sicherlich denken können, ging es nicht gerade gemütlich zu auf der RWE-Aktionärsversammlung.

„Nun hat die Krise eine neue Dimension erreicht“, stimmte RWE-Chef Peter Terium die Aktionäre auf künftig wohl noch schwierigere Zeiten ein. Er verwies dabei auf die Pläne der Bundesregierung, die beabsichtigt, eine neue CO2-Abgabe für alte Kraftwerke einzuführen.

Eine solche Regelung würde „das sofortige Aus für einen Großteil der Braunkohletagebaue und Braunkohlekraftwerke bedeuten“, warnte Terium. Für den RWE-Konzern, der rund ein Viertel des Stroms aus Braunkohle gewinnt, hätte dies schwerwiegende Folgen.

RWE musste viel Kritik einstecken

Zwar sagten die Aktionäre dem Konzern mehrheitlich ihre Unterstützung zu, doch RWE musste auch viel Kritik einstecken. Aus meiner Sicht absolut zu Recht – dazu aber später mehr. Kommen wir zunächst zu der Kritik bzw. den kritischen Fragen der Aktionäre.

Laut Joachim Krengel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger fehle „weiter eine klare Positionierung des Unternehmens für den zukünftigen Energiemarkt“. Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fragte: „Womit wollen Sie Geld verdienen?“

Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, sagte: „RWE steckt in einer Sackgasse“. RWE dürfte kaum etwas anderes übrig bleiben als weitere Kosteneinsparungen voranzutreiben und darauf zu hoffen, dass die Großhandelsstrompreise sich erholen. Das ist auch ein Unterscheidungsmerkmal zwischen RWE und dem größten Konkurrenten E.ON.

Speich formuliert den Unterschied zwischen RWE und E.ON wie folgt: „RWE setzt auf Evolution, Konkurrent E.ON auf Revolution“. Denn: E.ON hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, seine konventionelle Stromerzeugung in eine neue Gesellschaft auszugliedern und sich auf erneuerbare Energien zu konzentrieren.

Die Dividendenstrategie von RWE

Kritik musste RWE auch wegen der Höhe der vorgeschlagenen Dividende einstecken. Die Ausschüttung soll bei 1 Euro je Aktie liegen. Besonders die Kommunen, die rund 24% der RWE-Anteile halten, dürften wenig begeistert ob der niedrigen Ausschüttung sein. Denn: Für die Kommunen sind die Dividendeneinkünfte besonders wichtig.

Ich persönlich halte die niedrige Ausschüttung aber für richtig, da RWE in der gegenwärtigen Situation Geld braucht, um in die Zukunft des Unternehmens investieren zu können. Daher ist das Geld aus meiner Sicht im Unternehmen besser aufgehoben als bei den Aktionären.

Und: Wenn RWE dieses Geld tatsächlich in die Zukunft investiert und es dadurch schafft, auf bessere Zeiten zuzusteuern, haben die RWE-Aktionäre davon mittel- bis langfristig auch mehr als von einer höheren Dividende in diesem Jahr.

Fazit: Es muss sich einiges ändern

Angesichts der Probleme in der konventionellen Stromerzeugung will sich RWE auf die erneuerbaren Energien, den Vertrieb und das Netzgeschäft konzentrieren. Das Ergebnis der Sparte erneuerbare Energien werde 2015 deutlich höher ausfallen als im Vorjahr, sagte Terium.

Dies ist aus meiner Sicht auch bitter nötig. Denn RWE hat für meine Begriffe viel zu lange am alten, kriselnden Geschäftsmodell festgehalten und sich in Person von Peter Terium lieber über die Bundesregierung beschwert und aufgeregt, statt diese Zeit und Energien in die Entwicklung eines zukunftsfähigen Geschäftsmodells zu investieren.

Es muss sich also nach der Erkenntnis auch operativ einiges ändern bei RWE. Dann könnte sich die Geduld der RWE-Aktionäre am Ende tatsächlich auszahlen. Doch bis dahin ist es noch ein langer und steiniger Weg.

23. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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