DAX 30: Siemens kauft weitere Aktien zurück

Am amerikanischen Aktienmarkt ist das eine Standard-Meldung, die jeden Tag mehrfach veröffentlicht wird, in Deutschland ist es noch eine Besonderheit:

Siemens kauft an der Börse eigene Aktien zurück. Das DAX-Schwergewicht Siemens nimmt nach einer Pause sein Aktienrückkauf-Programm wieder auf.

Wiederaufnahme des Aktienrückkauf-Programms von Siemens

In der vergangenen Woche seien Anteilsscheine für gut 12 Mio. € zu einem durchschnittlichen Kurs von 119,22 € je Aktie zurückgekauft worden, teilte das Unternehmen jetzt mit.

Zuvor hatte Siemens vom 1. September 2016 an keine Aktien zurückgekauft, obwohl das Rückkauf-Programm, das jetzt wieder aufgenommen wurde, erst im Februar 2016 gestartet worden war.

Das laufende Aktienrückkauf-Programm sieht vor, dass insgesamt Anteile im Wert von bis zu 3 Mrd. € zurückgekauft werden.

Bislang hat Siemens erst rund 242 Mio. € dafür aufgewendet. Es wurden bis heute 2,6 Mio. Anteilsscheine zurückgekauft und dabei ein Durchschnittskurs von 92,31 € je Anteilschein gezahlt.

Die Siemens-Aktie hatte sich in den vergangenen Tagen wiederholt dem Rekordwert von 123,72 € aus dem Jahr 2000 genähert.

Die gute Kurs-Entwicklung der Siemens-Aktie dürfte der Hauptgrund dafür sein, dass das Unternehmen zuletzt etwas zurückhaltend war in Sachen Aktienrückkäufe.

Ich davon ausgehe, dass längst nicht alle von Ihnen genau wissen, was Aktienrückkäufe sind und wie sie sich auswirken bzw. warum Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen.

Daher möchte ich Ihnen das Thema jetzt noch einmal etwas näher erläutern:

Aktienrückkäufe: Gründe und Auswirkungen

 Die 3 häufigsten Gründe für Aktienrückkäufe sind Folgende:

  1. Der Konzern will den eigenen Aktienkurs aufpolieren und zeigen, dass man im Unternehmen die eigene Aktie für unterbewertet hält.
  2. Das Unternehmen, das eigene Aktien zurückkauft, will damit die Aktionäre bei Laune halten, da es sich dabei gewissermaßen um eine zusätzliche Ausschüttung (neben den Dividenden) handelt.
  3. Ein „reifes“ Unternehmen kann mit Aktienrückkäufen dafür sorgen, dass trotz Gewinn-Stagnation der Gewinn je Aktie steigt und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) sinkt. So wird die Aktie wieder attraktiver.

Nun zu den Folgen von Aktienrückkäufen:

Wenn ein Unternehmen eigene Aktien zurückkauft und anschließend vernichtet (in der Börsensprache sagt man weniger brutal „einzieht“), hat das mehrere positive Wirkungen:

  • Aktienrückkäufe sorgen dafür, dass der zukünftige Unternehmens-Gewinn auf weniger Aktien verteilt werden muss (selbst bei stagnierenden Gewinnen steigt dann der Gewinn je Aktie).
  • Der gleiche Effekt wirkt auch bei der Dividende: Die Dividenden-Summe muss auf weniger Aktien verteilt werden. Dadurch steigt die Dividenden-Rendite.
  • Aktienrückkäufe sorgen an der Börse für eine steigende Nachfrage nach der entsprechenden Aktie. Bleibt das Angebot gleichzeitig konstant, steigt der Aktienkurs.
  • Verkaufswillige Aktionäre können ihre Aktien direkt an das Unternehmen verkaufen und belasten dadurch nicht den Kurs an der Börse.

Aktien-Auswahl: Entscheiden Sie nicht nur anhand von Aktienrückkäufen

Wie Sie gerade erfahren haben, gibt es viele Gründe für Aktienrückkäufe und diese sind in den meisten Fällen positiv zu bewerten.

Dennoch sollte ein Aktienrückkauf-Programm isoliert betrachtet nicht als Kaufargument für eine Aktie reichen.

Wählen Sie daher Aktien von börsennotierten Firmen aus, die den Spagat schaffen: Aktienrückkäufe, Dividenden und Investitionen in neue Geschäftsfelder. Dieser Mix verspricht die besten Erträge.

16. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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