DAX 30: Trendwende noch vor dem Verfallstag?

Welche Auswirkungen hat der anstehende kleine Verfallstag auf den DAX 30? – Börsen-Experte Andreas Sommer geht dem in diesem Beitrag nach: (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Der kommende Freitag ist der 3. des Monats und damit zugleich Verfallstag. Diesmal steht uns allerdings kein „Hexensabbat“ ins Haus.

An jedem 3. Freitag eines Monats werden am Terminmarkt die Optionen auf Aktien fällig und abgerechnet.

Im letzten Monat eines Quartals wirbelt dann der „Große Verfallstag“ die Aktienmärkte durcheinander, wenn zusätzlich noch die Futures auf Indizes abgerechnet werden.

Daher wird der Rest der laufenden Handelswoche wohl erneut unter dem Einfluss des Terminmarktes stehen.

Entsprechend gehen wir heute der Frage nach, was Sie bis zum Freitag und eventuell darüber hinaus im DAX 30 erwarten dürfen.

So erkennen Sie die Absichten der Options-Parteien

Aktuell notiert der DAX bei etwa 12.200 Punkten.

Die derzeit am nächsten liegende Call-Option mit dem höchsten Open Interest (Summe aller offenen Positionen in einem Terminkontrakt) befindet sich bei 12.400 Zählern (Basispreis der Option).

12.400 – da war doch etwas!? – Genau: Bei 12.390 Zählern befand sich das im April 2015 begründete Rekordhoch, das erst im April dieses Jahres überboten werden konnte.

Eine solche (ehemalige Widerstands-)Marke wandelt sich dann im späteren Verlauf oftmals zu einer Unterstützung. Wir werden uns das gleich noch im Chart anschauen.

Warum die Box 12.000 / 12.400 bedeutsam ist

Die dem aktuellen DAX am nächsten gelegene größte Put-Position existiert laut Open-Interest-Tabelle bei 12.000 Punkten.

Damit haben wir also den Bereich, der für die Parteien mit Blick auf den Abrechnungs-Termin am bedeutsamsten ist.

Warum? Solange sich der DAX bis Freitag innerhalb dieser Kurs-Zone bewegt, würden die genannten Optionen mit dem höchsten Open Interest wertlos verfallen.

Anders herum gesagt:

Klettert der DAX z. B. über 12.400, dann würde die dort liegende Call-Option ins „Geld“ laufen; die Options-Inhaber machen einen Gewinn in Höhe der Differenz zwischen DAX und Basispreis.

Umgekehrt läuft die Put-Option mit Basis 12.000 ins „Geld“, wenn der DAX unter diese Marke rutscht. Dann berechnet sich der Gewinn so: Basis-Preis minus DAX.

Beide Parteien haben also ein Interesse daran, den deutschen Leitindex mit Blick auf den Verfallstag in Richtung „ihrer“ Position zu hieven.

Schauen wir nun einmal auf den Kursverlauf, um zu ergründen, wie sich diese Konstellation mit der DAX-Charttechnik „verträgt“:

Dax30 – 200 Tage-Linie entscheidet alles!

Dax30 – 200 Tage-Linie entscheidet alles!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters „John Gossens Daily Dax.“ Täglich analysiere ich für Sie den Dax Index und einen Dax30 Einzeltitel. Aktuelle Lage Heute hat sich der… › mehr lesen

dax_15-08-2017

DAX: Verfallstags-„Box“ deckt sich mit der Charttechnik

Verfallstags-Box: Auch charttechnisch bedeutsam

Es ist sehr schön zu erkennen, wie das ehemalige Allzeithoch bei 12.390 Punkten (gestrichelte violette Horizontale) die Marktteilnehmer zu Käufen und Verkäufen reizt:

Bis zum 21. Juli 2017 bot diese Marke Unterstützung, seither hat sie sich zum Widerstand gewandelt.

Der über die Hochpunkte im Juni und Juli 2017 definierte Abwärtstrend-Kanal hat auf der Unterseite recht viele Berührungs-Punkte: Dadurch gewinnt seine Relevanz an Bedeutung.

Die gestern begonnene und heute fortgesetzte Aufwärts-Bewegung ist dementsprechend bislang nichts weiter als eine „technische Reaktion“ auf das letzte Tief im Trend-Kanal.

Zugleich können Sie jetzt aber auch prima erkennen, warum die 12.000er-Marke (gestrichelte blaue Horizontale) für die „Shorties“ (die auf einen DAX-Absturz setzen) so bedeutsam ist:

Auch auf diesem Niveau gab es im bisherigen Jahres-Verlauf diverse Machtkämpfe von Bullen und Bären.

Entsprechend ist mit einer Beschleunigung der Abwärts-Bewegung zu rechnen, wenn der DAX 30 diese Marke nachhaltig unterbietet.

Fazit und Empfehlung

Aufgrund der dem aktuellen DAX am nächsten gelegenen größten Open Interest-Positionen ergibt sich eine „Bewegungs-Zone“ für den DAX zwischen 12.000 und 12.400 Punkten.

Mit aktuell 12.200 Zählern liegt der Leitindex exakt in der Mitte dieses Bereichs.

Geld verdienen die an den Grenzen der genannten Box positionierten Options-Inhaber jedoch nur, wenn der DAX 30 am Abrechnungstag außerhalb dieses Korridors notiert.

Charttechnisch liegt die Obergrenze im aktuellen Abwärtstrend-Kanal bei etwa 12.300 / 12.350 Punkten. Daher ist das Niveau auch mein Kursziel für diese Woche.

Denn: Ich glaube nicht, dass die derzeitigen Marktkräfte ausreichen werden, um den DAX bis zum Freitag noch AUS dieser Box ausbrechen zu lassen.

Die Box bleibt indes auch über den kleinen Verfallstag hinaus relevant, da ihre Grenzen charttechnisch wichtige Niveaus darstellen:

Ein Kauf- oder Verkaufs-Signal erhalten Sie mithin wohl erst, wenn der DAX nachhaltig über 12.400 Punkte steigt oder unter 12.000 abrutscht.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.