DAX 30 über 10.700: War’s das für‘s 1. Halbjahr?

Es ist gerade einmal 12 Tage her, da stellte ich Ihnen hier in Chartanalyse-Trends die vom ZEW gesammelten Banken-Prognosen für die ersten 3 Monate und das 1. Halbjahr 2015 vor.

Das ZEW, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, befragt seit dem Jahr 2001 im Quartals-Rhythmus 21 Banken nach deren Prognosen zu den „6 wichtigsten Finanzmarktgrößen in Europa“.

Dazu zählen neben den kurz- und langfristigen Zinsen die Aktien-Indizes DJSTOXX 50 und DAX 30 sowie der Euro / USD und der Ölpreis (Sorte Brent in USD).

Zurückhaltende Banken-Prognosen für das 1. Halbjahr

Die am 19. Dezember 2014 (DAX 30-Stand: 9.787) von 19 Banken abgegebenen Voraussagen für den deutschen Leitindex erreichten im Schnitt einen Anstieg auf solide 10.109 Punkte für die genannten Zeiträume. Die pessimistischsten Ansagen für den DAX 30 lagen bei 8.700 (Ende des 1. Quartals) bzw. 8.900 Punkten (Ende des 2. Quartals).

Die größten Erwartungen an das 1. Halbjahr knüpften 2 Kreditinstitute: Die Weberbank sah, ebenso wie die Santander Bank, ein Top von 10.700 voraus, die Erstgenannte sogar für beide Zeiträume.

Immerhin noch 3 Institute (Allianz, Deka-Bank und Hamburger Sparkasse) hatten ein maximales Kursziel von 10.500 prognostiziert.

Banken-Prognosen in nur 2 Wochen „pulverisiert“

Wie wir wissen, hat der deutsche Leitindex gerade einmal 14 Handelstage benötigt, um diese Marken zu toppen: Schon am vergangenen Freitag wurde mit einem Tageshoch von 10.704 die höchste Banken-Prognose „geknackt“.

Heute Morgen markierte der DAX 30 mit 10.744 Zählern sogar ein weiteres Rekordhoch. Und das, obwohl am Sonntag das in den zurückliegenden Wochen von den Medien als „Worst Case-Szenario“ bezeichnete Ereignis eingetreten ist:

Die „Syriza“, die linke Partei Griechenlands, hat die Parlamentswahlen gewonnen. Und wie es ausschaut, hat die neue Regierungspartei eine absolute Mehrheit nur hauchdünn verpasst.

Mach lieber Dein „eigenes Ding“!

Das zeigt wieder einmal: Wer seine Aktien-Investment-Strategie auf der Basis von Medienberichten konzipiert, liegt regelmäßig falsch. DAS ist einer der Gründe, warum die Charttechnik in den vergangenen Jahren zunehmend Anhänger gefunden hat (und findet).

Laut den vom ZEW verkündeten Banken-Prognosen hat der DAX 30 in nur 3 Wochen schon alles erreicht, was von ihm für die ersten 6 Monate bestenfalls erwartet werden konnte. Wenn Sie also den Experten-Voraussagen vertrauen, dann sollten Sie jetzt wohl besser verkaufen und Ende Juni wieder mal „reinschauen“. Indes:

Ich fürchte, dann werden Sie sich darüber ärgern, den deutschen Aktien zu schnell Lebewohl gesagt zu haben. Meine Analyse der aktuellen Charttechnik ist deutlich optimistischer:

dax 30-26-01-2015

DAX 30-Mindestkursziel: 11.569 Punkte

Im Chart gut zu erkennen, ist der DAX 30 am 13. Januar aus einem symmetrischen Dreieck (gestrichelte grüne Linien) nach oben ausgebrochen. Dreiecks-Formationen werden in der Charttechnik eine eher unstete Entwicklung und bei der Ausbruchsrichtung eine Chancengleichheit nachgesagt. Das war hier indes nicht der Fall:

Im Kontext mit der vorausgegangenen Entwicklung war dieses Dreieck nämlich als Konsolidierungs-Formation zu werten und ein Ausbruch nach oben war damit deutlich wahrscheinlicher. Immerhin wies auch dieses Dreieck mit dem kurzzeitigen Rücksetzer in die Formation sein unstetes Verhalten nach.

Gemeinsam mit der dem Dreieck vorausgegangenen Aufwärtsbewegung ergibt sich nämlich eine Fahnenstange mit Wimpel: Das daraus errechenbare Mindest-Kursziel liegt bei 11.569 Punkten!

Das wird natürlich nicht in einem Zug erreicht. Die jetzt wahrscheinlichen Szenarien habe ich Ihnen mit den blauen Pfeilen eingezeichnet:

Der DAX 30 sollte zunächst an der oberen Begrenzung des Trend-Kanals (rote Linien) abprallen und eine Atempause in Gestalt eines Rücksetzers einlegen. Diese Korrektur kann sich im Extrem bis auf den vormaligen Widerstand (10.050) erstrecken, der sich damit zur Unterstützung wandeln würde.

Volltreffer!

Übrigens: Ich habe mit meiner Prognose vom 13. Januar 2015 hier in Chartanalyse-Trends hundertprozentig ins Schwarze getroffen:

„Meine Einschätzung ist: Sollte der DAX 30 nach den unzähligen fehlgeschlagenen Anläufen des vergangenen Jahres, die Marke von 10.050 (endlich) hinter sich lassen können, dann werden wir vermutlich schneller die 10.700 fallen sehen, als Sie sich heute vorstellen mögen!“

Am 16. Januar überquerte der DAX erstmals die Marken von 10.100 und 10.200 und schloss mit 10.167 rund 83 Punkte über dem bis dahin gültigen Allzeithoch. Nur 5 Handelstage später fiel, wie von mir angekündigt, die Marke von 10.700!

26. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt