DAX 30: Und noch eine Crash-Prognose

Welches Vertrauen würden Sie jemandem entgegenbringen, von dem Ihnen bekannt ist, dass ihm Geldwäsche, Steuerhinterziehung und versuchte Strafvereitelung vorgeworfen werden?

Vermutlich wäre Ihr Vertrauen in eine solche Person nicht allzu groß.

Und ich nehme an, Ihr Respekt würde wohl weiter schwinden, wenn zusätzlich Vorwürfe wie Ermittlungen zum Handel mit Luftverschmutzungsrechten oder eine Verstrickung in den Libor-Skandal bekannt würden.

Spätestens jetzt ist Ihnen sicherlich klar geworden, dass es sich hier nicht um eine Person, sondern die Deutsche Bank handelt. Das ist die Bank, die inzwischen 3 Mrd. Euro für mögliche Strafzahlungen auf die hohe Kante gelegt hat, die ihr aus zahlreichen anhängigen Gerichtsverfahren drohen.

Deutsche Bank fürchtet DAX 30-Crash bis Jahresende

Am vergangenen Freitag machte dieselbe Bank erneut Schlagzeilen. Diesmal mit einer Crash-Prognose:

Nach einem Anstieg um fast +21% seit Jahresbeginn sagt die Analysten des Hauses bis zum Ende des Jahres einen DAX 30-Rückgang um etwa 800 Punkte auf einen Stand von dann 8.400 voraus. In 2014 soll der DAX 30 dann, aufgrund einer Erholung der Weltwirtschaft bis auf 9.700 Punkte zum Jahresende klettern.

Deutsche Bank-Prognosen: Eher keine Volltreffer

Nun haben, abgesehen von dem eingangs erwähnten, doch etwas verloren gegangenen Vertrauen, Deutsche-Bank-Vorhersagen traditionell so ihre Tücken. 2 Beispiele:

Im Januar 2012 sagte der damalige Vorstandschef Josef Ackermann im Zusammenhang mit der anstehenden Umschuldung griechischer Staatsanleihen:

„Dafür werden wir einen hohen Preis zahlen müssen, unter anderem in Form höherer Zinsen, die Investoren von vielen Regierungen verlangen werden.“

Nun, ich denke, auch Ihnen ist bekannt, dass dieser von Ackermann erwartete Zinsanstieg komplett ausgeblieben ist. Tatsächlich liegt die Umlaufrendite mit aktuell 1,43% noch unter dem Wert von etwa 1,6% im Januar 2012. Im Juni 2012 sahen wir mit 0,92% übrigens den bisherigen historischen Tiefstand…

In Europa sah es übrigens von der Tendenz her vergleichbar aus, wenngleich das Niveau sicherlich ein leicht höheres ist.

Am 11. Juni machte ich Sie hier in Chartanalyse-Trends auf die Aussage des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Joseph LaVorgna, aufmerksam. Nach seiner Einschätzung werde die amerikanische Notenbank ihre monatlichen Anleihekäufe „schon im September“ reduzieren.

Meine Anmerkung dazu lautete seinerzeit: „Ich wage, den Expertenansichten von Goldman Sachs und Deutsche Bank zu widersprechen. Meiner Ansicht nach wird die Fed angesichts der Entwicklung der vergangenen Wochen keinesfalls ihr Liquiditätsprogramm reduzieren oder gar stoppen!“

Heute wissen, wir dass Goldman Sachs und der Deutsche Bank-Chefvolkswirt mit ihrer Einschätzung ziemlich danebenlagen.

Atempause ja – Crash: Unsinn!

Ich gebe gerne zu, dass auch ich schon seit 3 Wochen eine Verschnaufpause im Rahmen des DAX 30-Anstiegs für notwendig und gesund erachte. Nachdem der DAX heute Vormittag ein frisches Allzeithoch oberhalb von 9.300 Zählern markiert, wäre eine solche Korrektur noch notwendiger und erst recht gesund.

Und tatsächlich hatte auch ich am vergangenen Mittwoch als mögliche Kursziele einer solchen Korrektur die Marken 9.000 / 9.040 oder im schlimmsten Fall 8.500 bis 8.600 ausgegeben. Soweit bin ich also gar nicht mal von der Deutsche Bank-Prognose entfernt.

Daraus allerdings aus Gründen der Medienwirksamkeit gleich einen „Crash“ oder „Kursabsturz“ zu machen, halte ich für völlig überzogen und eines solchen Instituts für unwürdig.

Wikipedia definiert einen Crash oder Börsenkrach als „extremen Kurseinbruch an der Börse, der einige Tage bis hin zu wenigen Wochen dauere. In dieser Zeit dominieren – meist panikartige – Verkäufe, die einen großen Angebotsüberhang erzeugen und so zu drastisch fallenden Kursen führen.“

Anschließend werden Crash-Beispiele aufgeführt, die von -20% bis -50% reichen. Kurseinbußen im Bereich -8% bis -11% werden von Wikipedia aus Crash-artige Tagesverluste herausgestellt. Dieser Sichtweise kann ich mich aus eigener Erfahrung nur anschließen.

Die Deutsche Bank erwartet einen Rückgang von 800 Punkten bis Jahresende. Das entspräche einem Minus von nicht einmal -9% innerhalb von 5 ½ Wochen.

Bei diesen Konditionen von einem Crash zu reden, ist meines Erachtens hanebüchen.

Angesichts der Treffgenauigkeit der Deutsche Bank-Prognosen sollte man schon fast Ausbleiben der Korrektur und stattdessen eine Fortsetzung des Aufwärtstrends seit Anfang Oktober erwarten…

25. November 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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