DAX-30 vor der Bodenbildung?

Starke Nerven sind in diesen Tagen gefragt. Heute fiel der deutsche Leitindex DAX-30 deutlich unter die 10.000-Punkte-Marke und notiert damit so niedrig wie seit Anfang Januar nicht mehr. Seit seinem Allzeithoch im April verlor er über 21 Prozent an Wert.

Auch den US-amerikanischen Leitindex S&P 500 traf es in den vergangenen Wochen hart: Er ist mittlerweile auf das Niveau von Oktober 2014 zurückgefallen. Innerhalb der vergangenen vier Börsentage gab der S&P 500 fast sieben Prozent ab.

Am härtesten traf es aber die Börse in Shanghai. Sie erlebte letzte Nacht mit einem Abschlag von über acht Prozent den stärksten Einbruch seit acht Jahren. Bei diesen Zahlen muss man aber auch die Entwicklung in den vergangenen Monaten berücksichtigen:

Der Shanghai Index war zwischen Juli 2014 und Juni 2015 um über 150 Prozent gestiegen – seit dem Hoch Mitte Juni ist er nun um fast 40 Prozent gefallen. Potenzial, dass der Index in Shanghai noch weiter sinkt, ist also durchaus vorhanden.

Chinas Regierung will stärker gegensteuern

Immerhin wusste das in der Regel gut informierte „Wall Street Journal“ heute Gutes zu berichten: Demnach plant Chinas Regierung nun tiefergehende Einschnitte und konkrete Maßnahmen, um die Konjunktur und den Finanzmarkt zu stützen.

Die bisher ergriffenen staatlichen Interventionen zur Stabilisierung der Märkte erwiesen sich hingegen als erfolglos. Zwar soll die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt in diesem Jahr um gut 6,5 bis 7 Prozent zulegen – unter dem Strich ist das aber das schwächste Wachstum seit 25 Jahren.

Weitere Verluste oder Gegenbewegung?

Neben der schwächelnden Wirtschaft Chinas sind weiterhin die unklare Zinssituation in den USA – wann kommt die Zinswende? – und die Sorgen über ein Nachlassen der Verbraucherstimmung in Deutschland entscheidende Themen auf dem deutschen Börsenparkett.

Zusätzlich belasten die Neuwahl in Griechenland in vier Wochen und die geopolitischen Krisenherde weltweit die Kurse.

Doch all diese Punkte sind mittlerweile in den Kursen eingepreist. Eine allmählich einsetzende Bodenbildung ist für mich daher deutlich wahrscheinlicher als weitere größere Kursrückgänge.

Zumal eine weltweite Rezession, die weiter fallende Aktienkurse begründen würde, nicht in Sicht ist. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) empfahl nun, man solle die Dramatik der Lage in China nicht überbewerten.

Statt Panik ist also eher Nüchternheit gefragt – und starke Nerven. Wie sagte bereits Börsen-Altmeister André Kostolany: „2 plus 2 ist an der Börse nicht 4, sondern 5 minus 1. Man muss das Minus 1 nur aushalten!“

24. August 2015

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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