DAX 30: War’s das oder fällt noch die 11.241?

Vor knapp 4 Wochen stellte ich Ihnen hier in Chartanalyse-Trends mit den Fibonacci-Projektionszielen eine Charthilfe aus dem Mittelalter vor.

Die dabei verwendeten Korrekturverhältnisse sind abgeleitet aus einer Zahlenfolge, die der italienische Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci, im Mittelalter entdeckt hatte.

Diese Korrekturproportionen werden in einem Chart über einen Kursanstieg gestülpt, um die exakten Zielprojektionen anzuzeigen. Anschließend kann dann über einen Abgleich mit vorhandenen Widerstands- und Unterstützungszonen, Tagelinien oder Trend-Linien ein wahrscheinliches Korrekturziel analysiert werden.

Als ich eine solche Analyse am 24. März für Sie im DAX 30 vornahm, bot sich als wahrscheinliches Kursziel die Marke von 10.800 Punkten an:

„Die Wahrscheinlichkeit, dass der DAX 30 in den kommenden Wochen etwa 50% seines Anstieges seit dem 6. Januar korrigiert, ist relativ hoch. Das entspräche einem Rücksetzer auf das Niveau von 10.800 Punkten.

Die Tatsache, dass der Leitindex hier schon beim Anstieg einen Widerstand ausgebildet hat, stützt diese Einschätzung.

Wohlgemerkt: Es gibt keine Garantie, dass der DAX 30 einen Rücksetzer macht und dieser bei rund 10.800 Punkten enden wird. Ein neues Top in den nächsten Tagen würde die hier vorgestellte Fibonacci-Projektion hinfällig machen.“

Aktualisierte Fibonacci-Projektion

Wie Sie inzwischen wissen, hatte der DAX 30 am 10. April mit 12.390,75 ein neues Jahres- und Allzeithoch ausgeprägt. Damit war die von mir analysierte Projektion vom 24. März selbstverständlich hinfällig.

Seit der vergangenen Handelswoche ist indes auch klar, dass der Anstieg auf ein neues Top als Bullenfalle einzustufen war: Es ging nicht, wie zu erwarten gewesen wäre, weiter aufwärts.

dax 30 mit fibonacci-projektion-20-04-2015

DAX 30 mit der aktuellen Fibonacci-Projektion

Wie Sie im Chart sehen, wurde das Top vom 16. März bei 12.219 Zählern (gelber Kreis) klar überboten, aber eben auch nicht ausgebaut. Entsprechend können wir das Hoch vom 10. April bei 12.390 nun als neuen Ausgangspunkt für eine aktualisierte Fibonacci-Projektion annehmen.

Gut zu erkennen ist, dass der deutsche Leitindex am vergangenen Freitag bereits das Mindest-Kursziel bei 11.680,88 erreicht hat: Eine Korrektur des Anstiegs von 3.007,93 Punkten (von 9.382,82 bis 12.390,75) um 23,6% wurde mit dem Absinken auf 11.674,59 Zählern nahezu punktgenau abgearbeitet.

Das Zwischentief bei 11.619 vom 26. März (blauer Kreis) ist zu weit entfernt, um als Widerstand angesehen zu werden. Und auch die rund 100 Punkte darunter verlaufende 50-Tagelinie kann schwerlich als Auffanglinie angenommen werden. Immerhin bot die Durchschnittslinie dem DAX 30 um den Jahreswechsel 2014/2015 herum mehrfach Unterstützung (grüne Kreise).

Fazit

Die Tatsache, dass sich der DAX 30 heute wieder gut erholt präsentiert, spricht für ein Ende der Korrektur. Allerdings gibt es im Chart noch ein Gegenargument, das wir nicht außer Acht lassen dürfen:

Es ist die seit Oktober 2014 bestehende Aufwärtstrend-Linie (grün), die trotz des jüngsten Kursrücksetzers noch ein gutes Stück entfernt ist. Einen Aufsetzer Anfang Mai auf diese Linie sollten Sie noch nicht gänzlich abschreiben:

Wie Sie anhand der Fibonacci-Projektion erkennen können, kreuzen sich Aufwärtstrend und das nächste Korrekturziel von 38,2% bei 11.241,72 Punkten.

Aus Sicht der Charttechnik wäre ein Rücksetzer auf dieses Niveau sogar die elegantere Lösung, da dies den bestehenden Aufwärtstrend zusätzlich bestätigen würde. Überdies würde die Korrektur dadurch auch zeitlich noch etwas ausgedehnt – mit Blick auf den sehr steilen Anstieg seit Jahresbeginn wäre das sicherlich „gesünder“ für den Aufwärtstrend.

20. April 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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