DAX: 4 Argumente pro US-Aktien

Vor wenigen Tagen las ich eine Analyse, die empfahl, aus amerikanischen Aktien auszusteigen, um in deutsche Werte zu investieren.

Es ist ein auf den 1. Blick interessanter und attraktiver Ansatz, schließlich hat der US-Aktienmarkt in diesem Jahr kräftig gewonnen, das deutsche Pendant hingegen deutlich verloren.

Allerdings hat diese These bei genauerem Hinsehen ein paar Tücken. Ich habe 4 Argumente für Sie, die der angesprochenen Empfehlung widersprechen:

Argument 1

Es ist richtig, dass die Wall Street im Jahr 2017 bis dato die Nase vorn hat:

Der S&P 500 gewann seit dem 31. Dezember 2016 etwa +9,8%. Der DAX liegt mit einem Plus von +5,6% deutlich im Hintertreffen.

Allerdings: Wie Sie an dieser Stelle sehr oft von mir lesen können, bewegen sich Aktienmärkte in Trends.

Und es ist für Ihren persönlichen Investment-Erfolg stets besser, wenn Sie den Trends folgen.

Denn: Trends halten solange an, bis sie enden. Mit Hilfe der Charttechnik können Sie diese Trends wunderbar erkennen, analysieren und beurteilen.

Vom DAX brauche ich Ihnen keinen Chart zu zeigen: Sie wissen auch so, dass der deutsche Leitindex seit Mitte Juni abwärts tendiert und dabei gute -8% verloren hat.

Schauen wir daher einfach einmal gemeinsam auf den Trend des S&P 500:

spx_06-09-2017

S&P 500: Mittel- und langfristiger Aufwärtstrend völlig intakt

Der Wochen-Chart ist unmissverständlich: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 (!) ist völlig intakt.

Auch der Aufwärtstrend seit Februar 2016 (gestrichelte grüne Linie) ist bestenfalls „angekratzt“ (gelber Kreis), aber noch keineswegs nach unten durchbrochen.

Selbst wenn der letztgenannte Trend nach unten verlassen würde, beträgt das Rückschlag-Risiko nicht einmal -7,5%, da der langfristige Trend aus dem Jahr 2009 dann als Unterstützung fungiert.

Also: Warum die „Pferde wechseln“, wenn der mittel- und langfristige Aufwärtstrend an der Wall Street intakt ist, aber der DAX noch abwärts tendiert?!

Argument 2

Tatsächlich war der S&P 500 allerdings gar nicht besser als der DAX: Denn für den Euro-Anleger hat der starke Euro die gute Performance des US-Indizes mehr als „aufgefressen“:

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar seit Jahresbeginn +13,3% zugelegt.

Damit hat der S&P 500 währungsbereinigt sogar -3,1% verloren, während der DAX, wie gesagt, +5,6% an Wert gewonnen hat.

In meinem Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ setze ich bekanntermaßen vorwiegend auf US-Aktien.

Selbstverständlich hat der starke Euro / USD auch auf unsere Performance gedrückt:

Allerdings habe ich mit der Wachstumsaktien-Strategie für meine Leser von Jahresbeginn bis zum 31. August 2017 mit dem Wachstumsaktien-Depot trotz dieser Widrigkeiten einen Wertzuwachs von +16,34% erzielt.

Ohne den starken Euro wäre die Performance für meine Leser also noch weit besser ausgefallen!

Damit haben wir den (währungsbereinigten) S&P 500 um satte +18,34 Prozentpunkte und den DAX um +11,34 Prozentpunkte „outperformed“!

Sie sehen: Die richtige Aktienauswahl ist entscheidend!

Argument 3

Wir sprachen eingangs bereits über Trends: Auch der Aufwärtstrend im Euro gegenüber dem US-Dollar ist intakt und wird daher bis auf Weiteres anhalten.

Der starke Euro ist einer der Gründe, warum der DAX seit Mitte Juni abwärts tendiert, während einige US-Indizes in der vergangenen Woche schon wieder neue Jahreshochs generiert hatten:

Denn ein starker Euro verteuert nun einmal die Exporte aus Euro-Land in die USA.

Und die deutsche Wirtschaft lebt v. a. von ihren hohen Ausfuhren. Ein anhaltend starker Euro ist mithin kontraproduktiv für die Export-Industrie.

Der Euro ist – dass hatte ich vor einigen Wochen für Sie bereits in einem anderen Beitrag analysiert – vor allen Dingen deshalb stark, weil der US-Dollar „Trump-geschädigt“ ist.

Würde sich z. B. die Europäische Zentralbank (EZB) unerwartet dazu entschließen, die Nullzins-Politik doch zu beenden, dann machte die verringerte Differenz im Leitzins den Euro nur noch attraktiver.

Last not least sind deutsche Aktien mind. bis zum 24. September 2017 keine Alternative – denn dann finden die Bundestagswahlen statt.

Und auch wenn es derzeit nach einem klaren Sieg der bisherigen Bundeskanzlerin ausschaut, so ist weder das Wahlergebnis sicher, noch die Zusammenstellung der kommenden Bundesregierung.

Argument 4

Den Chart des Spreads zwischen Dow Jones und DAX hatte ich Ihnen vor wenigen Wochen schon einmal präsentiert:

dow jones vs dax_06-09-2017

Spread zeigt: Dow Jones wird sich weiterhin besser entwickeln als der DAX

Dieser Indikator dokumentiert Ihnen, dass die im Herbst 2011 begonnene Out-Performance des DAX im Sommer dieses Jahres endgültig beendet wurde.

Der Indikator ist vor 3 Monaten klar aus dem fast 6 Jahre andauernden Abwärtstrend nach oben ausgebrochen.

Damit ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass sich der Dow Jones auch in den kommenden Jahren deutlich besser entwickeln wird, als der DAX!

6. September 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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