DAX abhängig vom Dow Jones

Die deutsche Wirtschaft erweist sich erneut als europäisches Zugpferd, dennoch zeigen die deutschen Märkte nicht den erhofften Durchbruch. Zwar überschlagen […] (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die deutsche Wirtschaft erweist sich erneut als europäisches Zugpferd, dennoch zeigen die deutschen Märkte nicht den erhofften Durchbruch. Zwar überschlagen sich die konjunkturellen Erfolgsmeldungen in den letzten Wochen, doch der DAX folgt scheinbar anderen Gesetzen.

Er scheint fast mehr den amerikanischen Konjunkturvorgaben zu folgen, die sowohl ein Bild eines desaströsen Arbeitsmarktes zeichnen als auch die Rezessionsängste in Übersee weiter befeuern. Es ist tatsächlich so, dass der Dow vorgibt, wohin sich der DAX bewegt. In einem schon länger zurückliegenden Artikel aus dem Manager Magazin wird der DAX sogar als Sklave des Dow Jones betitelt.

Noch treffender wurde diese Tatsache durch einen Volkswirt der Union-Investment umschrieben: „Wenn sich der Dow Jones eine Erkältung einfängt, scheint der DAX gleich an einer Lungenentzündung zu leiden“. Denn es war auch in der Vergangenheit nicht selten der Fall, dass der Deutsche Leitindex überproportional stark auf die Kursbewegungen aus Übersee reagierte. Und dies ungeachtet der eigenen volkswirtschaftlichen Vorgaben.

Hoher Prozentsatz des weltweiten Aktienvermögens in den USA notiert

Die Macht des amerikanischen Marktes ist unübersehbar. Die Tatsache, dass ein sehr hoher Prozentsatz des weltweiten Aktienvermögens in den USA notiert ist, erweist sich hier als ausschlaggebend. Auch wenn diese Tendenz sich als rückläufig erweist: Deutschland spielt im internationalen Vergleich vom Anlagevolumen her gesehen eine sehr kleine Rolle. Es liegt also in der Natur der Sache, dass die amerikanischen Trends sich sehr schnell als übermächtig und tonangebend erweisen.

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Zugleich zeigen sich die deutschen Unternehmen, vor allem aufgrund der geringen Eigenkapitalausstattung, als vergleichsweise schwerfällig. Ein hoher Anteil an Fremdkapital kann sich besonders in Krisenzeiten durch Zinszahlungen als ein hoher Belastungsfaktor herausstellen. Zugleich haben die deutschen Unternehmen einen recht soliden Satz an Betriebskosten, der auch durch gesetzliche Regelungen fixiert wird. Den Mitarbeiterbestand an Krisenzeiten anzupassen erweist sich da beispielsweise als weitaus schwieriger als in den USA.

Ängste aus Amerika schwappen nach Deutschland rüber

Droht also den Amerikanern, wie es nun aktuell wieder der Fall ist, eine Rezession, schwappen diese Ängste, vor allem aufgrund der hohen Exportabhängigkeit Deutschlands, auch zu uns rüber. Der DAX, der zu großen Teilen aus zyklischen Werten besteht, reagiert auf diese Tatsache besonders hart und letztendlich führt dies teilweise zu überproportional hohen Kursverlusten.

Und dies unabhängig davon, wie positiv die konjunkturellen Vorgaben Deutschlands sind. Wenn es um allgemeine Trends geht, lohnt also immer zuerst ein Blick auf die Vorgaben aus den USA. Etwas Gutes hat diese Abhängigkeit jedoch auch: Steigt der Dow Jones, so können wir in Deutschland in einem noch höheren Ausmaß an Kursgewinnen profitieren. >> lesen Sie mehr zum Thema „Aktienvermögen“

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Von: Cosmin Filker. Über den Autor

Der Chefredakteur des Newsletters "Nebenwerte aktuell" kann auf eine jahrelange Börsenerfahrung besonders im Nebenwerte-Bereich zurückblicken und durch seine berufliche Erfahrung beim Researchhaus GBC AG von der täglichen Präsenz am Markt profitieren.

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