DAX-Analyse: Kommt das Jahreshoch vor dem Fall?

Zugegeben, dafür brauchen Sie keine Kristallkugel: Wir befinden uns auf dem Jahreshoch und bauen dies jeden Tag weiter aus – wenn auch im Schneckentempo.

Dass es danach auch wieder einmal heruntergehen wird, ist also garantiert.

Was die abgewandelte Redewendung im Titel angeht, so habe ich mir heute gedacht, dass wir uns einmal die Fakten zur Brust nehmen, warum der DAX steigt und wiederum fallen kann.

The Good, The Bad and The Ugly – so heißt übrigens der Western mit Clint Eastwood „Zwei glorreiche Halunken“ auf Englisch.

Und genau das nehmen wir zum Quartalsende beim DAX unter die Lupe.

Das Gute für DAX-Anleger

Wir haben mehrere Tage in Folge ein neues Jahreshoch ausgebaut – das ist einfach positiv. Selbst Crash-Propheten müssen das einsehen.

Zusätzlich dazu ist die Inflation in Deutschland auf 1,6% gefallen. Das beruhigt den Markt, denn die EZB ist nicht gefordert zu reagieren.

Die Ansage war ja: „Die Inflation wird schon wieder fallen. Kein Grund hektisch zu werden.“

Und genauso kam es auch – ein kurzer Grund zur Freude, wenn die EZB auch einmal richtig liegt!

Der DAX sieht das demzufolge ganz entspannt und bekommt keinen Verkaufsdruck.

Zur Erinnerung: Höhere Inflation hätte höhere Zinsen zur Folge.

Höhere Zinsen lassen die Aktienkurse sinken, weil die Anleger mehr Investitions-Möglichkeiten haben als aktuell fast nur Immobilien und Börse.

Die neue Inflationsrate war sicherlich auch dafür verantwortlich, dass sich der Euro entspannte.

Denn es ist recht wahrscheinlich, dass bei einer gesunkenen Inflationsrate in Deutschland; auch die Teuerung in der Eurozone einmal durchatmet.

Das lässt den Euro sinken – und das war ganz  nebenbei auch dringend nötig.

Der EUR/USD-Kurs lag am Montag bei über 1,09 und hat damit auch ein Jahreshoch erreicht. Heute notieren wir bereits wieder Kurse unter 1,07.

Ein schwacher Euro hilft den Exporten und damit vielen deutschen Unternehmen. Die Folge: Der DAX steigt.

Warum das Glas halbleer ist

Das 1. Quartal endet heute – Grund genug für die institutionellen Anleger das sogenannte „Window-Dressing“ zu betreiben.

Es werden also bis heute einige Titel umgeschichtet.

So haben beispielsweise Fonds jetzt Aktien gekauft, die in den letzten Wochen überdurchschnittlich liefen – nur damit sie diese im Portfolio aufweisen können.

Stopmarken sind schwer zu finden und ziehen deshalb keine neuen Käufer. Ja, wir könnten als Stop das Zwischenhoch Mitte März bei ca. 12.150 nehmen.

Doch das sind lächerliche 100 Punkte Abstand zur aktuellen Lage. Und es ist viel zu viel Risiko, als dass solch eine Marke im Chart viele Bullen anziehen könnte.

Wir brauchen gute Argumente! Diese sind jetzt fast verbraucht:

Die Inflation ist schon gesunken, der BrExit unterschrieben und der EUR/USD fällt. Was soll jetzt noch kommen, das die Kurse weiter nach oben zieht?

Außerdem: Das gehandelte Volumen ist immer noch unterirdisch! – Kein Wunder, wenn hier realistisch nur mit kleinem Kapital-Einsatz gespielt werden kann.

Hilfe! Ich finde keine WKN für Optionen!

Wer beim Börsenspiel zum 1. Mal teilnehmen möchte, lernt oft am Anfang, dass sich an den Märkten alles um WKN, also die Wertpapier-Kennnummer dreht.

Wollen Sie Aktien kaufen? Dann brauchen Sie die WKN des Unternehmens.

Haben Sie Interesse an Optionsscheinen oder Hebel-Zertifikaten? Auch hier ist eine Wertpapier-Kennnummer nötig, sonst können Sie nicht handeln.

Optionen gehen auch in dieser Hinsicht ihren eigenen Weg; wir arbeiten einfach mit einem Kürzel für den jeweiligen Basiswert.

Wer jetzt genau sein will, kann dies auch als Wertpapier-Kennnummer bezeichnen, jedoch hilft Ihnen dieser Begriff und dessen Format bei Ihrem Online-Broker nicht weiter.

Ein paar Beispiele gefällig? Bei den Optionen heißt Daimler „DAI“, Infineon „INFN“ und der DAX einfach „DAX“.

Wenn Sie glauben, dass dies immer so einfach ist, dann kann ich Ihnen auch ein Gegenbeispiel nennen:

Der Bund Future 2 hat die Bezeichnung „GBL“ oder die Optionen der Firma Arcelor Mittal finden Sie unter „MT“.

Schauen Sie deshalb im Zweifelsfall (oder vielleicht generell) lieber 2x hin!

Es macht Ihnen bestimmt mehr Spaß mit Optionen Geld zu verdienen, wenn Sie auch wissen, was Sie traden.

Aus Erfahrung kann ich sagen:

Es ist ziemlich ärgerlich einen Trade mit 40% Profit zu verpassen, nur weil ich mir nicht 1 Sek. mehr Zeit genommen habe, um zu schauen, ob die Kontrakte gekauft oder verkauft werden.

Der Börsianer nennt so etwas, glaube ich, Lehrgeld.

31. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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