DAX-Analyse: Die 200-Tage-Linie rückt in den Fokus

Das Thema Griechenland schwebt weiter wie ein Damoklesschwert über den Aktienmärkten. Der DAX reagiert mit hohen Kursausschlägen auf die täglichen Wasserstandsmeldungen zur Entwicklung in der Griechenland-Krise. Ich möchte für Sie heute einen Blick auf die Charttechnik des deutschen Leitindex werfen.

Griechenland-Krise hat die Märkte weiter im Griff

Am Sonntag waren Gespräche zwischen den Griechen und ihren Geldgebern erneut erfolglos beendet worden. Prompt ging es zum Wochenauftakt an den Börsen wieder gen Süden. Gestern warnte der griechische Finanzminister Varoufakis vor einer Auflösung Europas. Der DAX reagierte mit weiteren Abschlägen und fiel mit knapp 10.800 Punkten auf den tiefsten Stand seit Februar.

Meines Erachtens ist die Entwicklung an den Märkten überzogen. Griechenland ist für die Weltwirtschaft vollkommen unbedeutend. Ein Ausscheiden aus der Eurozone hätte vor allem für einen dramatische Folgen, nämlich für die Griechen selbst. Deshalb gehe ich weiterhin davon aus, dass es in letzter Minute zu einer Einigung kommen wird.

Behalten Sie das „große Bild“ im Auge

Die Verunsicherung ist dennoch mit Händen zu greifen. In der vergangenen Woche startete der DAX eine dynamische Erholung und legte vom Tief am Dienstag bis zum Hoch am Donnerstag um fast 600 Punkte zu, um in der Folge die zwischenzeitlichen Gewinne wieder vollständig abzugeben.

Um bei diesen extremen Ausschlägen den Blick für das Wesentliche zu behalten, ist es sinnvoll, einen Schritt zurückzutreten, die kurzfristigen Schwankungen auszublenden und stattdessen das „große Bild“ zu betrachten.

Normale Korrektur innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends

Was ist passiert? Der DAX durchläuft nach einer imposanten Rally, in deren Verlauf er von Oktober bis April um sage und schreibe 48% zugelegt hatte, eine Korrektur. Gegenüber seinem Allzeithoch bei 12.391 Punkten hat der Index bis dato 13% eingebüßt.

Das ist zumindest bislang eine völlig normale – und gesunde – Korrektur innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends. Korrekturbewegungen in diesem Rahmen sorgen dafür, dass die Entwicklung an den Börsen nicht überhitzt und schaffen wieder Luft für weitere mittelfristige Kurssteigerungen.

Ein Test der 200-Tage-Linie rückt näher

Gleichwohl lässt sich nicht bestreiten, dass sich die kurzfristige Charttechnik mit den jüngsten Abschlägen eingetrübt hat. Das vorangegangene Korrekturtief von Anfang Mai (11.168) wurde klar unterschritten und auch bei der gestrigen Intraday-Erholung nicht wieder erreicht.

Auch wenn der DAX gestern bis zur Schlussglocke wieder über die runde 11.000er-Marke kletterte, drohen aus charttechnischer Sicht weitere Einbußen. In diesem Fall rückt die 200-Tage-Linie in den Fokus. Die langfristige Durchschnittslinie verläuft aktuell bei rund 10.500 Punkten. Ein Test des Gleitenden Durchschnitts ist nicht auszuschließen.

dax

Langfristiger Aufwärtstrend ist weiter intakt

Solange die 200-Tage-Linie hält, ist der langfristige Aufwärtstrend nicht in Gefahr. Aber selbst, wenn die Durchschnittslinie vorübergehend unterschritten werden sollte, muss dies nicht zwangsläufig einen Trendbruch nach sich ziehen, wie die Entwicklung im vergangenen Herbst zeigt.

Gerade nach starken Aufwärtsbewegungen erweist sich die steigende 200-Tage-Linie oft als tragfähige Unterstützung. Ich sehe gute Chancen, dass sich der DAX auch diesmal spätestens in dieser Region stabilisieren kann.

Angesichts der Griechenland-Krise blenden die Anleger die insgesamt guten Perspektiven derzeit komplett aus. Für Anleger, die über den Tellerrand hinausblicken, sollte es sich lohnen, die aktuelle Schwäche für den einen oder anderen Zukauf zu nutzen.

17. Juni 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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