Dax-Anleger bangen um Griechenland

Auch am Dienstag hatte der Griechenland-Poker das Börsengeschehen in Frankfurt fest im Griff. Zunächst ging es deutlich abwärts, nachdem am Vorabend Verhandlungen der Finanzminister ergebnislos beendet worden waren.

Nun drängt die Zeit: Findet sich nicht bis Freitag ein tragfähiger Kompromiss, wird Griechenland zum Monatsende der Geldhahn zugedreht. Bis zur Staatspleite wäre es dann kein weiter Weg mehr.

Das ist auch allen Beteiligten klar und liegt weder im Interesse der Euro-Gruppe noch der griechischen Regierung selbst. Am späten Nachmittag zeichneten sich daher wieder zaghafte Annäherungsversuche ab. Offenbar wird hinter den Kulissen weiter um eine Lösung gerungen.

Vor diesem Hintergrund konnte der Dax seine anfänglichen Verluste eingrenzen und ging letztlich 0,3 Prozent schwächer aus dem Handel bei 10.896 Zählern.

Quo vadis, Griechenland?

Beobachter sind zunehmend ratlos, was sie von der Entwicklung der Verhandlungen halten sollen. Das Spiel zwischen Annäherung und Konfrontation hat sich in den letzten Wochen bereits mehrfach wiederholt. Insofern bleibt fraglich, ob die neuerliche Kompromissbereitschaft aus Athen diesmal zu einer Lösung führen oder doch wieder kurzfristig ins Leere laufen wird.

Börsianer kennen den Showdown bereits, etwa aus Amerika. Dort musste es erst zum gefürchteten „Shutdown“ kommen, öffentliche Einrichtungen vorübergehend geschlossen und Gelder eingefroren werden, ehe sich die politischen Kontrahenten auf einen Kompromiss verständigen konnten.

Andererseits mehren sich auch die Stimmen, die einen „Grexit“ für immer wahrscheinlicher halten. Nicht alle bewerten dies gleichermaßen als Horrorszenario. So schätzt etwa Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Instituts, die Situation durchaus auch als Chance für Griechenland ein, sollte sich Athen aus der Währungsunion verabschieden.

Bankentitel rutschen ab

Dass die Stimmung am Parkett mit Blick auf Griechenland weiterhin nervös bleibt, zeigt ein Blick auf die Finanzwerte. Während Bankentitel in den vergangenen Handelstagen zulegen konnten, als es noch nach einem Kompromiss aussah, rutschten sie am Dienstag nach dem vorläufigen Scheitern der Gespräche deutlich ins Minus.

Aktien der Commerzbank verloren 0,8 Prozent, Papiere der Deutschen Bank gehörten mit einem Abschlag von 1,5 Prozent zu den schwächsten Titeln im Dax.

Noch deutlicher verloren K+S, ThyssenKrupp sowie die Schlusslichter Lanxess und Adidas, deren Papiere sich jeweils zwischen 1,7 und 2,2 Prozent verbilligten.

Zu den Gewinnern des Tages gehörten unterdessen die Energiekonzerne. RWE und Eon bekleideten mit Aufschlägen von 0,9 beziehungsweise 1 Prozent die Ränge zwei und drei. Nachdem beide Papiere in den vergangenen Wochen deutlich verloren hatten, witterten Schnäppchenjäger nun ihre Chance.

Spitzenreiter waren die Anteilsscheine von Fresenius Medical Care mit einem Plus von 2,4 Prozent. Auch der Mutterkonzern Fresenius zählte mit einem Tagesgewinn von 0,6 Prozent zu den stärksten Dax-Titeln.

Insgesamt bleibt die Lage angespannt, solange sich für Griechenland keine Lösung abzeichnet. Insofern dürfte auch der Rest der Handelswoche vergleichsweise volatil verlaufen.

18. Februar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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