Dax-Anleger feiern Beratungsgipfel

Mit einem dicken Plus ist der Dax in die neue Handelswoche gestartet – und das, obwohl bereits am Nachmittag klar wurde, dass auch der Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs am Abend in Brüssel keine Lösung des griechischen Schuldendramas bringen würde.

Zu kurzfristig hatte die Athener Regierung ihre Reformvorschläge in der Nacht zuvor eingereicht, als dass die Geldgeber diese noch rechtzeitig hätten prüfen können – doch immerhin wurde das Papier nicht gänzlich schroff zurückgewiesen.

Dax verzeichnet stärksten Tag seit 3 Jahren

Bereits dieses winzige Schimmern am Horizont reichte am Montag aus, um die Anleger kräftig zugreifen zu lassen. Der Dax schoss um 3,8 Prozent in die Höhe und ging bei 11.460 Punkten aus dem Handel. Mit einem Tagesplus von rund 420 Zählern verzeichnete das Barometer damit den stärksten Handelstag der letzten drei Jahre.

Das zeigte sich auch bei den Einzelwerten, die allesamt deutlich zulegen konnten. Die Dax-Spitze eroberte die Telekom mit einem Plus von 5,4 Prozent, gefolgt von Daimler und BMW, deren Papiere um 4,8 beziehungsweise 4,7 Prozent vorrückten.

Die Volkswagen-Vorzugsaktie verteuerte sich um 3,8 Prozent, ebenso der Kurs des Zulieferers Continental. Beide Werte zählten damit zum oberen Dax-Drittel.

Neue Streiks bei der Lufthansa?

Doch selbst am unteren Ende gab es deutliche Gewinne. Lediglich ThyssenKrupp und Schlusslicht Lufthansa verfehlten die 2-Prozent-Marke. Der Stahlkonzern legte um 1,8 Prozent zu, die Kranich-Aktie um 1,1 Prozent.

Dass Anleger bei der Traditionsairline etwas zurückhaltender zugriffen lag wohl auch darin begründet, dass neue Streiks drohen. Nach den Piloten droht nun auch das Kabinenpersonal, den Betrieb lahmzulegen.

Sollte es bis Ende des Monats kein neues Angebot seitens der Lufthansa geben, soll am 1. Juli gestreikt werden. Weitere Ausstände in den Sommermonaten wären wahrscheinlich. Die Tarifparteien wollen sich jedoch in den kommenden Tagen zu weiteren Gesprächen treffen.

Die Lage bleibt angespannt

Mit Blick auf die Großwetterlage ist die Gefahr allerdings noch lange nicht gebannt. Auch wenn die Kaufwelle am Montag auf Erholung hindeutet – es kann ebenso schnell wieder abwärts gehen, je nachdem, wie sich die Lage im griechischen Schuldenstreit in den kommenden Tagen entwickelt.

Was in Brüssel deutlich wurde: Alle Beteiligten sind zunehmend genervt von der Situation. Die Anspannung wird inzwischen selbst zwischen den Gläubigern spürbar, die nun untereinander in Zwist geraten, wie weit man der Athener Regierung entgegenkommen sollte.

Immerhin: Einen Grexit wollen sie vermeiden. Eine Woche bleibt ihnen noch, um über eine gangbare Lösung zu verhandeln.

23. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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