DAX-Anstieg steht auf wackeligen Füßen: Shooting Star-Formation

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Ist das jetzt endlich das Ende der Rallye? Die Kerzen im Chart kündigen das an. Aber wie zuverlässig ist Charttechnik, wenn die Geopolitik die Trümpfe in der Hand hat? (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Die 12.800 Punkte hat der DAX diese Woche geknackt. Doch momentan notieren wir schon wieder 200 Punkte niedriger. Der Anstieg, der von Hoffnungen auf eine Lösung in der Brexit-Frage getrieben wurde, ist schon wieder verpufft. Kein Wunder: Schließlich wissen wir erst morgen mehr. Denn die Abstimmung über den neuen Brexit-Deal ist am Samstag.

Die Euphorie hat die Kurse wieder einmal nach oben gepusht. Das kennen Sie vom Handelskrieg. Auch dort sind wir nicht wirklich weiter kommen. Aber was wäre wenn? Dann wäre die Rezession ja schon vergessen. Die sinkenden Einkaufsmanager-Indizes wären kein Problem. Die über 40 Prozent der US-Amerikaner, die jetzt schon sparsamer geworden sind und den Konsum gedrosselt haben – alles egal. Nur so funktioniert die Börse aktuell.

Es gibt geopolitisch gute Nachrichten oder eine Zentralbank greift wieder ordentlich in den Geldbeutel? Dann nichts wie rein in den Aktienmarkt. Wir kennen nur eine Richtung: Vollgas nach oben. Auch dieses Wochenende ist das Potential für Enttäuschungen wieder gegeben. Das war in diesem Monat schon einmal der Fall. Aber vielleicht entgehen wir einfach der Realität noch einige Jahre. Egal, was aus dem Brexit wird. Egal, wie viele Strafzölle tatsächlich erhoben werden. Wenn der Markt geflutet wird, lassen wir uns mit nach oben treiben.

DAX mit gefährlicher Kerzenformation

Hier sehen Sie einen mega-kritischen Shooting Star. So nennt sich diese Formation. Die Tageskurse sind nach oben geschnellt und am selben Tag auch wieder abverkauft worden. Das ist diese Verpuffung, von der ich eingangs gesprochen habe.

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In der Regel ist das ein Zeichen dafür, dass der Markt danach fällt. Aber nur weil das in den meisten Fällen so kommt, hat das keine Aussagekraft bei einem irrationalen Markt. In solch einem befinden wir uns ganz offensichtlich.

Das Sentiment der Privatanleger spricht eine deutliche Sprache: Drei Viertel wetten gerade auf einen fallenden DAX. Und nachdem die Privaten meisten falsch liegen, könnte der DAX also noch weiter steigen. Gestern gab es schon einen fantastischen Short-Squeeze. Folgt nächste Woche Teil 2?

Sollte es tatsächlich zu einer Einigung beim Brexit kommen, können wir sicherlich am Montag mit einem Aufwärtsgap rechnen. Wenn nicht, geht es sicherlich wieder weiter runter. Allerdings wäre es schon irgendwie unglaublich, wenn wir jetzt den Brexit final entschieden hätten. Typischer wäre eigentlich die Version, dass man sich nicht einigt, aber eine Fristverlängerung entschieden wird. Dann ist nicht mehr Ende Oktober 2019 der Stichtag, sondern vielleicht erst 2020. Ich lasse mich gern überraschen, dass es zu einem Deal auf der Insel kommt.

Unterschätzen Sie auf keinen Fall das Echo nach dem Wochenende. Je nachdem was morgen gewählt wird, richtet sich die Börse am Montag aus. Wird es kein schwammiger Deal oder eine erneute Verschiebung, kann das zu gewaltigen Ausschlägen führen. Heute bastelt der DAX einen Doji – der steht für Unsicherheit. Das ist wenig überraschend. Die Xetra-Kurse starten in etwa dort, wo sie heute früh begonnen haben. Der Verfall zeigt auch wenig Wirkung – die Geopolitik überwiegt offenbar. Nach diesem Wochenende wissen wir definitiv mehr.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.