DAX: Auch ein Donald Trump ist nicht an Allem schuld

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Die DAX-Korrektur seit Anfang dieser Woche war vorprogrammiert: Das hatte ich Ihnen schon vor 9 Tagen angekündigt. (Foto: Deutsche Börse AG)

Wenn Sie meine Chartanalyse-Trends-Beiträge regelmäßig lesen, dann kennen Sie bereits meine Dauerempfehlung an Sie: Ignorieren Sie Marktkommentare, gleich ob in schriftlicher oder mündlicher Form.

Die Ereignisse dieser Woche liefern Ihnen dazu – einmal mehr – ein Paradebeispiel: Die neuen Drohungen von US-Präsident Donald Trump im Handelsstreit mit China scheinen – auf den ersten Blick – der Auslöser für die im bisherigen Wochenverlauf gesehenen Verluste an den Aktienmärkten zu sein.

Ich hatte Ihnen am Montag anhand des Shanghai Composite aufgezeigt, dass die chinesischen Aktien schon mindestens 14 Tage vorher in den Abwärts-Modus geschaltet hatten.

Und für den DAX hatte ich Ihnen das bereits Anfang der vergangenen Woche „angekündigt“.

Die Korrektur war vorhersehbar

Hier noch einmal mein Fazit der DAX-Analyse vom 29. April 2019:

„So erfreulich die +9,3%-Rallye der letzten 5 Wochen auch ist: Meine Analyse macht deutlich, dass die Luft für den DAX jetzt sehr dünn geworden ist!

Das Aufwärtspotenzial im deutschen Leitindex scheint nach der zuletzt steilen Rallye erst einmal ausgeschöpft. Sie sollten sich mindestens auf eine mehrwöchige Konsolidierung einstellen.“

Schauen wir also einmal, wie sich die Dinge im DAX seither entwickelt haben:

DAX: Überkaufte Lage wurde erst zum Teil abgebaut

Die Grafik zeigt Ihnen den deutschen Leitindex mit seinen kurz-, mittel- und langfristigen Trends: Diese werden dargestellt durch die 20-, 50- und 200-Tagelinie.

Um die 50-Tagelinie habe ich zusätzlich einen Kanal im Abstand von 6% nach oben bzw. unten eingeblendet. Wie Sie anhand der gelben Kreise nachvollziehen können, neigt der DAX dazu, an diesen Kanalgrenzen immer wieder seine Trendrichtung zu wechseln.

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Die blauen Kreise wiederum machen Ihnen deutlich:

Befindet sich der DAX im Aufwärts-Modus, dann bietet die 50-Tagelinie häufig Unterstützung in Korrekturbewegungen. Umgekehrt leistet die mittelfristige Trendlinie in Abwärtstrends sehr oft Widerstand.

DAX-Korrektur ist noch nicht beendet

Auf 2 Punkte hatte ich Sie in diesem Chart aufmerksam gemacht:

„Diese Grafik macht deutlich, dass und wie stark der DAX derzeit überkauft ist: Der Index notiert recht weit über seinem kurzfristigen Trend (20-Tagelinie).

Der von mir im Abstand von 6% um die 50-Tagelinie gelegte Trend-Kanal (gestrichelte blaue Linien) signalisiert Ihnen, dass auch der mittelfristige Trend ausgeschöpft ist.“

Wie Sie sehen, ist der DAX in den letzten beiden Handelstagen auf seine 20-Tagelinie zurückgefallen. Insgesamt hat der DAX etwas mehr als die Hälfte des oberen Tagelinie-Kanals durchquert.

Fazit

Die Trump-Drohungen im Handelsstreit mit den USA waren nur auf den ersten Blick der Auslöser für die jüngsten Aktienmarkt-Korrekturen. Tatsächlich hatte ich Ihnen den Rücksetzer schon vor 9 Tagen mit Hilfe der Charttechnik „angekündigt“:

Aufgrund des massiven Anstiegs im April war ein Abbau der völlig überkauften Lage im DAX einfach fällig! Was die Korrektur dann letztlich auslöst, ist nebensächlich.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Der deutsche Leitindex hat seine überkaufte Lage schon deutlich abgebaut. Ich bezweifle indes, dass die Korrektur damit schon als ausgeschöpft und beendet angesehen werden kann. Denn:

Üblich ist in Aufwärtstrends – das macht Ihnen der DAX-Chart sichtbar – dass Korrekturen häufig auf oder in der Nähe der 50-Tagelinie enden. Sie dürfen davon ausgehen, dass der DAX in dieser oder der kommenden Woche genau dort landen wird.

Um das „Aufschlags-Niveau“ besser bestimmen zu können, gebe ich Ihnen folgende Zahlen an die Hand:

Aktuell notiert der mittelfristige Trend bei rund 11.808 Punkten und steigt pro Tag um knapp 14 Zähler.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.