DAX auf Allzeithoch – Frankreich rettet die EU

Euro und DAX schießen durch die Decke, alle Zeichen sind auf bullisch.

Wie lange wird der kommende Boom anhalten? Vielleicht schaffen wir ja die 20.000 Punkte im DAX noch dieses Jahr. Jetzt, wo alle Probleme gelöst sind, gibt es nur noch Tage mit steigenden Kursen.

Viele Marktteilnehmer scheinen im Moment genau das zu glauben – und das nur weil Marine Le Pen gestern nicht die meisten, sondern nur die zweitmeisten Stimmen geholt hat.

Und dabei ist noch immer nichts entschieden. Wäre Le Pen gar nicht erst in die Stichwahl gekommen, könnte ich die Kurse an der Börse eher verstehen.

Doch das Thema wurde nur um 2 Wochen verschoben – kein Grund also in „Europhorie“ zu verfallen.

Frankreich wählt und die Märkte freuen sich

Die Chancen stehen gut, dass Emmanuel Macron die Stichwahl am 7. Mai gewinnen wird. Spannend wird dabei sein, was in den kommenden 2 Wochen geschieht.

Der konservative Francois Fillon kam gestern nicht in die Stichwahl, bezog aber sofort Position: Er rief seine Wähler dazu auf im Mai für Macron zu stimmen.

Macron ist Favorit, das ist ganz klar; er hat die Medien auf seiner Seite. Auch die internationale Politik hätte ihn gerne als neuen Präsidenten.

So haben ihm aus Deutschland bereits Martin Schulz und Regierungssprecher Seibert zum gestrigen Sieg gratuliert – kein Wunder, schließlich hat Macron als Investmentbanker bei Rothschild in Paris gearbeitet.

Allerdings will er, wie Le Pen auch, am Status Quo rütteln – wenn auch nicht so drastisch.

Ähnlich wie Trump hat Macron keine eigene Partei; er hat seine eigene Bewegung und Wählerschaft.

Ähnlich wie Trump will Le Pen die Immigration stoppen und das Wohl des eigenen Landes und der eigenen Leute in den Vordergrund stellen.

Hat also so eine Art Trump gewissermaßen schon in Frankreich gewonnen? – Wer Parallelen finden will, der sieht sie.

Beide Kandidaten über einen Kamm zu scheren hilft indes sicherlich nicht weiter, dafür vertreten beide ein zu unterschiedliches politisches Spektrum.

DAX und Euro gehen durch die Decke

Der DAX hat heute ein Plus von 3% – und damit ein neues Allzeithoch – erreicht.

Werte über der 12.400 galten vor wenigen Wochen noch als schwer realisierbar. Doch nach der Wahl in Frankreich gibt es kein Halten mehr.

Sind Sie bereit jetzt richtig viel Geld an der Börse zu verdienen? – Dann sollten Sie auf die ersten Anzeichen für eine Umkehr der Kurse achten.

Morgen wäre als klassicher „Turnaround-Tuesday“ ein passender Zeitpunkt. Vielleicht dauert die Euphorie aber doch noch ein paar Tage.

Früher oder später wird sich dies aber in Wohlgefallen auflösen, denn wir haben noch nicht den 8. Mai – die Stichwahl ist immer noch offen. Aktuell werden also mehr Emotionen als Fakten gehandelt.

Der Euro bewegt sich inzwischen schon wieder Richtung Kurslücke, die er in der Nacht gerissen hatte.

Heute früh waren wir bei einem Wert von über 1,09 bei  €/USD haben hier ein neues Jahreshoch aufgestellt. Die Kurse notierten vor dem Wahlergebnis bei 1,07.

Inwieweit ist ein stärkerer Euro zum US-Dollar gut für die deutsche Exportwirtschaft? Wieso steigen sowohl Euro als auch DAX?

Spätestens hier sollte klar sein, dass die Reise der beiden Hand in Hand nicht ewig dauern wird.

Hier noch ein Screenshot des Freudensprungs von EUR/USD nach den ersten Wahlergebnissen im asiatischen Handel. Sie sehen den 15-Min.-Chart.

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Wie sich Optionen-Händler die Volatilität zu Nutze machen

Das Gesetz der großen Zahlen kommt hier zum Einsatz. Wer sich die implizite Volatilität ansieht, kann statistisch betrachtet bestimmte Zeitpunkte erkennen, an denen die Schwankungen der Kurse zunehmen.

Bei Aktien ist dies beispielsweise einige Tage vor der Veröffentlichung der Unternehmens-Zahlen. Bis zu diesem Tag steigt die implizierte Volatilität dann oft genug deutlich an und fällt danach stark ab.

So gibt es demzufolge eine Strategie, die auf steigende implizite Volatilität bei Aktien setzt. Dabei werden passende Kontrakte gekauft.

Die Haltedauer ist hier aber extrem kurz: Meist erfolgt der Einstieg rund 5 Tage bevor die Konzerndaten bekanntgegeben werden. Am Tag der höchsten impliziten Volatilität wird dann verkauft.

24. April 2017

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

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