DAX: Auf dem Boden der Tatsachen angekommen

Der DAX fällt unter 12.900 Punkte und bricht aus dem Aufwärtstrend aus. Wir schauen außerdem auf die saisonalen Charts im DAX, wie die Kurse meistens verlaufen. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Das war es mit dem schönen Aufwärtstrend. Auch wenn dieser zugegebenermaßen überraschend war, hätte er gerne noch weiterlaufen können. Doch jetzt sind wir wieder in der Realität angekommen. Unter 13.000 Punkte.

Gestern haben wir bei 12.800 aufgesetzt, vielleicht liegt hier eine erste Unterstützung. Spätestens bei der 200-Tagelinie – aktuell bei 12.718 – sollte es aber einen Support geben.

Für die nächste Zeit können wir also davon ausgehen, dass wir zwischen der unteren Trendlinie und der SMA-200 verlaufen werden. Das ist natürlich nicht garantiert, sollte aber in den meisten Fällen so sein.

Die Iden des Mais

Droht jetzt das übliche Unheil mit Beginn des Sommers? Werden wir die nächsten drei Monate fallende Kurse sehen? Wer weiß das schon! Fakt ist: Die Party an der Börse ist erst einmal vorbei. Sie geht nur weiter, falls die Kurse jetzt schnell wieder in den Trendkanal steigen und dort dann das fortsetzen, was wir seit Anfang April gesehen haben. Allein mir fehlt der Glaube.

Nachdem wir jetzt schon Cäsar und Goethe abwandelt zitiert haben, bleiben wir geschichtlich und schauen uns den jährlichen Zyklus an. Wie verhält sich der DAX denn eigentlich im Durchschnitt ab Mitte Mai?

DAX Zyklus in den Sommermonaten

Seasonalcharts.com hilft uns dabei einen schnellen Blick auf den durchschnittlichen DAX-Verlauf der letzten 30 Jahre zu werfen. Genauer gesagt von 1986 bis 2016. Und siehe da: Sell in July wäre wohl korrekter.

Von wegen Sell in May ist eine gute Strategie. Laut diesem Chart können die Kurse noch bis zum Fußball-WM-Finale am 15. Juli steigen. Spätestens dann sollten wir also auf der Hut sein. Denn dann geht es steil bergab.

Im Gegensatz zum angeblichen Hoch im Mai, das sich als Zwischenhoch entpuppt, ist zumindest eines relativ sicher: Ab Anfang Oktober steigen die Kurse. Und zwar stark, wie das ganze Jahr über nicht.

Reichen 30 Jahre im Durchschnitt eigentlich aus, um aussagekräftig zu sein? Natürlich wird keines der 30 Jahre genauso verlaufen sein, wie im Chart zu sehen. Wir betrachten hier schließlich den mittleren Handelsverlauf.

Was ist, wenn wir 54 Jahre anschauen? Von 1955 bis 2010?

Da sieht Sell in May schon attraktiver aus. Aber trotzdem gibt es hier sogar das Zwischenhoch erst im August. Können Sie sich spontan an ein Jahr erinnern, wann das zuletzt der Fall war? Ich habe einmal nachgeschaut.

2017 war das Sommerhoch im Juni. 2016 liefen die Kurse meist nach oben. Im Sommer gab es nur einen Seitwärtsphase, aber keinen Abverkauf. 2015 war das Hoch und Jahreshoch bereits im April erreicht. 2014 hatte der Juli noch gute Kurse, bevor es danach etwas bergab ging.

2011 war tatsächlich das letzte Jahr, wo der große Einbruch im DAX erst im August kam. Davor verliefen allerdings die Kurse von Februar bis August seitwärts.

Wie Sie sehen, sind die obigen Chart durchaus interessant, helfen aber bereits seit Jahren nicht mehr, denn die Börse macht, was sie will. Die Zeiten haben sich geändert und politische Börsen haben das Sagen. Aktuell ist natürlich wieder Trump oder Nord-Korea schuld an den Verlusten – alternativ auch der Handelskrieg mit China. Suchen Sie sich einen Grund aus, die Analysten machen es gefühlt nicht anders.

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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.