DAX auf dem Weg zu 10.000 Punkten?

„Puts müssen ins Depot“, mahnt unser Börsenexperte Rainer Heißmann. (Foto: Deutsche Börse AG)

Der DAX ist angeschlagen. Wenn er weiter fällt, liefert er ein deutliches charttechnisches Verkaufssignal. Weitere Kursverluste wären gegebenenfalls die Folge.

Ein Grund für Kursverluste war die Diskussion um steigende Zinsen in den USA.

Jetzt kommt als weitere Belastung der mögliche Handelskrieg der USA vor allem mit China hinzu. Ich denke, dass es nicht dazu kommt, aber er ist möglich. Dazu gleich mehr.

Sehen Sie sich zuerst einmal die kritische Lage des DAX an.

DAX: Weitere Kursverluste möglich

Chart wurde erstellt mit tradesignal

Anfang des Jahres 2015 hatte der DAX seinerzeit mit 12.390 Punkten ein neues Allzeithoch erreicht (waagerechte rote Linie). Danach gab er ab und bei 12.390 Punkten hat sich dadurch ein charttechnischer Widerstand gebildet. Mit seiner Schlussnotierung der vorigen Woche von 11.790 Punkten liegt er deutlich darunter. Der Widerstand bei 12.390 Punkten ist also noch nicht nachhaltig überwunden.

Der Schlusskurs der Vorwoche von 11.790 Punkten (kreisförmig markiert) ist fast das Tief der Jahre 2017 und 2018. Dort habe ich grün eine charttechnische Unterstützung eingezeichnet. Wenn der DAX deutlich darunter zurückfällt, sind aus charttechnischer Sicht auch Notierungen um 11.000 Punkte und tiefer nicht auszuschließen. Erst bei 10.000 Punkten lässt sich eine weitere charttechnische Unterstützung ausmachen (blau markiert).

Schauen Sie mit mir auf die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen:

USA: Zinssteigerungen bleiben moderat

Es sieht so aus, dass Jerome Powell, der neue Chef der US-Notenbank, die wenig restriktive Geldpolitik seiner Vorgängerin fortführen wird. Massive Zinsanhebungen wird es nicht geben. Nicht zuletzt, weil die hoch verschuldete USA eine hohe Zinsbelastung kaum bezahlen könnte.

USA: Wirtschaftskrieg unwahrscheinlich

Im Wirtschaftsstreit der USA mit Südkorea deutet sich schon eine Entspannung an. Dasselbe gilt für USA und Europa. Bleibt der mögliche Wirtschaftskrieg mit China. Und da denke ich, wird Trump gebremst, wenn er denn überhaupt ernsthaft eine Eskalation in Erwägung zieht.

Letztlich sitzen die Chinesen am längeren Hebel. Denn die USA haben mehr als 1 Billion USD Schulden in China. Wenn die von China fällig gestellt würden, wären die USA pleite. Einen Wirtschaftskrieg mit China können sich die USA nicht leisten.

Frieden im Handelskrieg? Das sagt der DAX dazuTrump löst die selbst geschaffenen Probleme und die Börse jubelt. Aber nur kurz, denn noch nichts entschieden. Kommt bald der nächste Rücksetzer im DAX? › mehr lesen

DAX-Unternehmen auf Rekordkurs

Vergangene Woche ging diese Meldung fast unter:

„Die weltweit gute Konjunktur hat Deutschlands Börsenschwergewichten 2017 in der Gesamtschau Rekordzahlen beschert. Die Umsätze stiegen in der Summe kräftig, die Gewinne sogar rasant.“

Das spricht nicht für massive weitere Kursverluste des DAX.

Meine Einschätzung der Lage

Eine ähnliche charttechnische Einschätzung wie oben habe ich Ihnen geschrieben, als der DAX mit der charttechnischen Unterstützung bei 12.390 Punkten kämpfte. Diese Unterstützung bei 12.390 Punkten hat nicht gehalten. Und die Unterstützung bei knapp 12.000 Punkten (blau markiert im Chart) ist angeschlagen. Aus charttechnischer Sicht ist das Risiko für weitere Kursverluste ist gestiegen.

Wirtschaftlich betrachtet (moderate Geldpolitik in den USA, eher kein Wirtschaftskrieg, DAX-Unternehmen auf Rekordkurs) sieht es nach weiteren Kursgewinnen aus, wenn sich die Lage beruhigt hat.

Zum guten Schluss: Heute vor 107 Jahren, also am 26. März 1911, kam der US-amerikanische Schriftsteller Tennessee Williams zur Welt. Von ihm stammt mein heutiges Zitat:

„Jede Dummheit findet einen, der sie macht.“

Frei nach diesem Zitat bieten die Banken ihre emittierten Papiere (Zertifikate, Optionsscheine etc.) an. Über diese, von Banken ausgedachten Produkte, sagte der erfolgreiche Börsianer und Benediktinermönch Pater Anselm Grün:

„Auf alles, was von Banken ausgedacht ist, verzichte ich. … Inzwischen weiß ich, da verdienen immer nur die Banken.“

Ich wünsche Ihnen eine winterfreie Woche

 

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.