DAX-Check: Liegt hier eine Trendwende-Formation vor?

Im DAX haben sich in den letzten 8 Wochen die Umrisse einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation ausgebildet. Hier lesen Sie Näheres dazu: (Foto: Deutsche Börse AG)

Am Freitag gab es im DAX eine interessante Entwicklung:

Der deutsche Leitindex fiel auf ein neues Tief in der Abwärts-Bewegung seit dem Rekordhoch von 13.525 Punkten, das am 7. November markiert wurde.

Mit diesem neuen Tief wurde zunächst einmal der Abwärtstrend bestätigt.

Bemerkenswerter ist jedoch ein anderer Sachverhalt: Mit der Freitags-Bewegung wurden die Umrisse einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation fertiggestellt.

Wir werden daher heute folgenden Fragen nachgehen:

  • Welche Bedeutung hat die Schulter-Kopf-Schulter-Formation?
  • Handelt es sich in diesem Fall beim DAX tatsächlich um eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation?

Die Bedeutung der Schulter-Kopf-Schulter-Formation

Das Kursmuster Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist eine Trend-Umkehr-Formation.

Der Name deutet es bereits an: Auf dem Chart erscheinen die Umrisse dieses Kursmusters wie die Form einer Büste mit linker Schulter, Kopf und rechter Schulter.

Tatsächlich gibt es diese Chart-Formation in 2 Varianten:

  • Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation kündigt eine mögliche Trendwende nach unten an.
  • Die umgekehrte (auf dem Kopf stehende) Schulter-Kopf-Schulter-Formation signalisiert eine mögliche Trendwende nach oben.

Was charakterisiert eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation?

Die Umrisse dieses Kursmusters sind in einem Chart relativ leicht zu erkennen. Was jedoch viele Charttechniker gerne vernachlässigen:

Die Schulter-Kopf-Schulter-Formation ist an diverse Bedingungen geknüpft, die erfüllt werden müssen:

  1. Die Rallye auf den Gipfel der linken Schulter (liSch im Chart) ist das obere Ende einer meist ausgedehnten Aufwärts-Bewegung. Die Umsätze dabei sind hoch.
  2. Es folgt ein kleiner Kurs-Abschwung, bei dem die Umsätze geringer ausfallen, als während der Aufwärts-Bewegung und am Top der linken Schulter, die damit zugleich fertiggestellt ist.
  3. Erneut gibt es eine kräftige Aufwärts-Bewegung mit hohem Volumen, die über das Hoch der linken Schulter hinaus trägt. Danach geht es wieder abwärts bis auf das Niveau des Bodens der linken Schulter, auf jeden Fall jedoch unter das Top der linken Schulter. Der Kopf ist ausgebildet.
  4. Es folgt eine 3. Rallye, diesmal allerdings mit deutlich niedrigeren Umsätzen als bei den Aufwärts-Bewegungen zu den Tops der linken Schulter und dem Kopf. Das Hoch des Kopfes wird dabei jedoch nicht mehr erreicht. Die anschließende Abwärts-Bewegung vollendet die rechte Schulter (reSch im Chart).
  5. An diesem Punkt sehen viele Anleger die Trendwende bereits als „beschlossene Sache“ an – das ist jedoch nicht richtig. Es ist eine weitere Abwärts-Bewegung erforderlich, welche die Notierung UNTER die Nackenlinie bringt:

Die Nackenlinie ist die verlängerte Verbindung der beiden Tiefs zwischen linker Schulter und Kopf sowie Kopf und rechter Schulter (gelbe Kreise im nachfolgenden Chart).

DAX-Check: Schulter-Kopf-Schulter-Formation – Ja oder nein?

Das klingt alles weit komplizierter, als es tatsächlich ist. Und wir werden jetzt gemeinsam diese Punkte mit der potenziellen Schulter-Kopf-Schulter-Formation im DAX abgleichen:

dax_04-12-2017

DAX: Es handelt sich NICHT um eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation!

  1. Die blauen Linien in den Umsätzen machen es bereits deutlich: Das Volumen ist bei der Aufwärts-Bewegung zum Hoch der linken Schulter geringer als in der vorausgehenden dynamischen Aufwärts-Bewegung.
  2. Somit handelt es sich bereits nach dem Check der ersten Bedingung NICHT um eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Aber auch Punkt 2 passt nicht: Die Umsätze sind höher als am Top der linken Schulter.
  3. Auch diese Bedingung wird nicht erfüllt: Die Umsätze in der Aufwärts-Bewegung zum Kopf sind höher als bei der Rally zum Hoch der linken Schulter. Die Kriterien für die nachfolgende Abwärts-Bewegung passen.
  4. Die gestrichelte Horizontale im Umsatz-Teil des Charts belegen: Das Volumen lag unter dem in der Aufwärts-Bewegung zum Kopf, aber über dem der Rallye zum Schulter-Hoch. Auch hier haben wir also keine Übereinstimmung.

Fazit

Mein Abgleich der Bedingungen für das Trend-Umkehr-Kursmuster dokumentiert: Es handelt sich definitiv NICHT um eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation im DAX.

Was wir stattdessen jedoch konstatieren können: Die mit 1 – 4 gekennzeichneten Punkte im Chart definieren einen Abwärtstrend.

Auch wenn es sich nicht um eine Trendwende-Formation handelt, so sollten Sie mithin dennoch damit rechnen, dass sich der DAX tendenziell weiter abwärts bewegen wird.

Der Abwärtstrend würde erst dann wieder aufgehoben, wenn das mit 3 bezeichnete Hoch (Top der rechten Schulter) bei 13.209 Punkten überboten wird.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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