DAX & Co: Aktuelle Einschätzung anhand der Trend-Zyklen

Am 2. April hatte ich letztmals für Sie auf die Trend-Zyklen der 23 wichtigsten deutschen Markt-Segmente geschaut.

Dazu zählen die 5 Aktien-Indizes DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und Technology-AllShare Index sowie 18 Branchen-Indizes, die sogenannten DAXsectors.

Falls Ihnen nicht mehr so recht geläufig ist, worum es bei den Trend-Zyklen geht, hier eine kurze Zusammenfassung. Langjährige Chartanalyse-Trends-Leser können diesen Abschnitt auch überspringen.

Die Trend-Zyklen-Methodik

Bei der Trend-Zyklen-Methodik handelt es sich um ein System aus 3 Exponentiellen Gleitenden Durchschnitten (englisch: Exponential Moving Average = EMA). Bei dieser Berechnungsart der Tagelinien wird die jüngere Kursentwicklung stärker gewichtet.

Zum Vergleich: Bei den einfachen Gleitenden Durchschnitten erhalten alle Kurse im zugrunde liegenden Zeitraum die gleiche Gewichtung. Durch die stärkere Gewichtung der jüngeren Kursentwicklung zeigen die EMAs etwas eher einen Richtungswechsel an.

Die 3 im Trend-Zyklen-System verwendeten EMAs sollen den kurzfristigen (EMA20), den mittelfristigen (EMA50) und den langfristigen Trend (EMA200) abbilden.

Überkreuzungen von EMA50 und EMA200 stehen dabei für einen langfristigen Trendwechsel. Überkreuzen sich EMA20 und EMA50, dann wird ein kurzfristiger Trendwechsel angezeigt. Die Trend-Zyklen sind somit die Zeiträume zwischen den Überkreuzungen.

Vor- und Nachteile der Trend-Zyklen-Methodik

Die Methodik hat mehrere Vorteile: Zunächst einmal ist sie einfach, weil die Tagelinien von der Chart-Software berechnet werden. Sie ist auch einfach, weil die so analysierten Märkte nur zwei Zustände kennen: aufwärts oder abwärts.

Weiterhin sie ist objektiv, da ja der Markt mit seinen täglichen Schlusskursen, aus denen die Tagelinien errechnet werden, die Trends der Gleitenden Durchschnitte bestimmt.

Tatsächlich können Sie auf Basis der Trend-Zyklen sogar ein kleines Handelssystem installieren. Zwar werden Sie aufgrund der zeitlich verzögerten Signal-Generierung der Gleitenden Durchschnitte nie die Tops und Tiefs der Märkte treffen. Dafür setzen Sie jedoch auf die Trends.

Die Einteilung in mittelfristige und langfristige Kaufsignale gibt Ihnen zudem die Möglichkeit, „dosiert“ in die Märkte ein- und auszusteigen: So könnten Sie beispielsweise eine halbe Position bei einem mittelfristigen Kaufsignal aufbauen und die Position bei einem langfristigen Kaufsignal ausbauen. Der Ausstieg erfolgt dann in umgekehrter Reihenfolge.

Ich selbst nutze die Trend-Zyklen dazu, die Marktentwicklung zu beobachten, frühzeitig Tendenzen zu erkennen und daraus einen Investment-Erfolg zu erzielen.

So erweisen sich die Segmente, die als erste einen Trend-Wechsel anzeigen, häufig auch als die stärksten – sei es in der Aufwärts- oder Abwärtsbewegung. Auf diese Weise lassen sich zudem nicht selten frühzeitig Aktien mit einer hohen Relativen Stärke in einem Markt-Segment identifizieren.

Anfang Mai bereits deutlich verschlechterter Markt-Zustand

Bei der letzten Betrachtung Anfang April (Stand: 30. März) sah die Börsen-Welt noch in Ordnung aus: Seinerzeit befanden sich 20 Markt-Indizes in einem langfristigen Aufwärts-Trend-Zyklus. Darüber hinaus zeigte das System für 22 der 23 Markt-Segmente einen mittelfristigen Aufwärts-Trend-Zyklus an.

Heute wissen wir, dass die meisten Markt-Segmente Mitte März gipfelten. Hier erkennen Sie die Problematik der zeitlichen Verzögerung, von der ich bei den Vor- und Nachteilen der Trend-Zyklen sprach.

Tatsächlich sah es Ende März allerdings auch nur nach einer wohlverdienten Korrektur-Pause aus: Immerhin hatten die Aktien-Indizes von Mitte Dezember 2011 bis Mitte März 2012 kräftig zugelegt.

So hatte beispielsweise das von mir in meinem Börsendienst Momentum Trader verwendete Markt-Barometer erstmals am 4. Mai Alarm geschlagen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Lage bei den Trend-Zyklen indes auch bereits massiv verschlechtert: So bewegten sich am 4. Mai nur noch 14 Markt-Segmente in einem mittelfristigen Aufwärtstrend.

Die langfristigen Trend-Zyklen waren mit 20 Aufwärtstrends noch unverändert. Somit war auch aus Sicht der Trend-Zyklen zumindest Vorsicht geboten.

Trend-Zyklen: mittelfristig Bärenmarkt, langfristig neutral

Wenn Sie nun auf die Tabelle mit dem aktuellen Stand der Trend-Zyklen schauen, dann sehen Sie, dass sich der Zustand der Märkte seither noch einmal signifikant verschlechtert hat.

Trend-Zyklen: mittelfristig Bärenmarkt, langfristig neutral

Aktuell befinden sich nämlich nur noch 2 der 23 Markt-Segmente in einem mittelfristigen und nur noch 13 in einem langfristigen Aufwärts-Trend-Zyklus. Übersetzt heißt dies: Mittelfristig befinden wir uns in einem Bärenmarkt. Langfristig ist der Zustand bei 13 von 23 Markt-Indizes so gerade eben noch als neutral einzustufen.

Selbstverständlich beinhaltet der aktuelle Stand die Möglichkeit, dass wir – konträr zur Entwicklung Anfang April – vor 2 Wochen bereits das Tief der seit März andauernden Korrektur gesehen haben.

Allerdings ist aus dem derzeitigen Stand der Trend-Zyklen auch noch keine Trend-Wende abzulesen. Tatsächlich bewegen wir uns seit 2 Wochen sogar auf dem bisherigen Höchststand bei den mittelfristigen Abwärts-Trend-Zyklen (21 nach 20).

Derzeit noch keine Trend-Richtungsänderung zu erkennen

Entsprechend habe ich den Lesern meines Börsendienstes Momentum Trader empfohlen, sich zu positionieren: Wir halten derzeit ein Short-Derivat auf einen fallenden DAX für den Fall einer weiteren Verschlechterung der langfristigen Trend-Zyklen und 87,5% Cash.

Wenn sich ein Trend-Wechsel abzeichnet, lässt sich dies unter anderem auch an einer wieder ansteigenden Zahl mittelfristiger Aufwärts-Trend-Zyklen ablesen. Dann werden wir auch im Momentum Trader wieder verstärkt Wachstumsaktien kaufen.

Selbstverständlich behalte ich dies für Sie im Auge und komme auf die Trend-Zyklen zurück, wenn sich neue Entwicklungen ergeben.

19. Juni 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt