DAX: Danke für die Trendumkehr, Mr. Trump!

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Der DAX beendete mit seinem Kursrutsch am Freitag und zum Wochenauftakt den im De-zember 2018 initiierten Aufwärtstrend. (Foto: Deutsche Börse AG)

Die erneute Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA durch den US-Präsidenten am vergangenen Donnerstag brachte die Aktienmärkte weltweit ins Rutschen.

Donald Trump hatte neue Strafzölle in Höhe von 10% auf bislang noch nicht betroffene Importwaren und -produkte aus China in einem Volumen von 300 Mrd. USD verhängt. Dafür gebührt dem US-Präsidenten (Achtung: Sarkasmus) unser Dank!

Die US-Indizes verloren zwischen -3% und -4%. Der DAX büßte -3,4% ein und setzt heute Vormittag seine Talfahrt mit einem Minus von aktuell (Stand: 13.00 Uhr) -1,5% fort.

Wir schauen, was das für die Charttechnik im deutschen Leitindex bedeutet. Vorab rufen wir uns noch einmal die langfristige Gemengelage ins Gedächtnis: So können Sie die jüngsten Geschehnisse besser einordnen.

Trendbruch im Juli erweist sich als Bullenfalle

Um sich einen Überblick über die langfristigen Trends zu verschaffen, ist die Analyse eines weiter zurückreichenden Charts die beste Lösung. Wir beginnen daher mit einer Kurshistorie des DAX, die bis ins Jahr 19 zurückreicht.

DAX: Trendbruch im Juli erweist sich als Bullenfalle

Sie sehen es: Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2003 ist noch immer voll intakt: Er geriete wohl auch erst ab einem Niveau unter etwa 8.600 Punkten in Gefahr.

Schon mehrfach hatte ich darauf hingewiesen, dass der beschleunigte Aufwärtstrend, der im März 2009 initiiert wurde, bereits seit dem Oktober 2018 beendet ist. Was wir im Anschluss sahen, war ein Pull-Back (Rücksetzer) in Richtung der zuvor durchbrochenen Trendlinie.

Im Juli keimte Hoffnung auf, als der vom Januar 2018 ausgehende Abwärtstrend nach oben durchstoßen werden konnte (blauer Kreis). Allerdings hätte der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2009 dennoch erst wieder aufgenommen werden können, wenn dem DAX ein neues Rekordhoch gelungen wäre.

Nun: Mit der Entwicklung der letzten 3 Handelstage ist dieses Szenario erst einmal in noch weitere Ferne gerückt: Denn der seit dem Dezember des vergangenen Jahres ausgebildete Aufwärtstrend wurde just demontiert (gelber Kreis).

Trump beendet Aufwärtstrend im DAX

Und damit kommen wir zur aktuellen Charttechnik. Die folgende Grafik zeigt Ihnen den DAX der zurückliegenden 12 Monate. Zusätzlich habe ich Ihnen den Schwung-Indikator eingeblendet, das 50-Tage-Momentum.

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Der weitere Fahrplan für den DAX im AugustBei der nächsten Kreuzung bitte seitwärts halten. Diesem Navi folgt der DAX in den letzten Tagen. Kommt morgen ein Turnaround Tuesday? Was sagt die Saisonalität? › mehr lesen

Donald Trump beendet Aufwärtstrend im DAX

Wie Sie sehen, ist hier, dank Mr. Trump, seit dem Donnerstag letzter Woche viel in die Brüche gegangen:

  • Meine noch am vergangenen Mittwoch gemachte Aussage ist nunmehr obsolet: Der Aufwärtstrend seit Jahresbeginn ist jetzt klar beendet.
  • Die Abwärtsbewegung am Freitag riss eine sogenannte Abwärts-Kurslücke. Dieses Kursmuster entsteht immer dann, wenn sich das Angebot plötzlich dramatisch erhöht: Der daraus resultierende Verkaufsdruck führt dazu, dass die Handelsspanne an einem solchen Tag deutlich unter dem Tief des Vortages liegt.

Da sich Aktien bekanntlich in Trends bewegen, sind solche Abwärts-Kurslücken fast immer ein Signal dafür, dass der betroffene Markt in den kommenden Tagen oder Wochen seine Abwärtsbewegung weiter fortsetzen wird.

  • Genau das sehen wir bereits heute. Und mit der aktuellen Entwicklung wurde nun auch noch die Unterstützung bei 11.850 Punkten durchbrochen, die am Freitag zunächst noch Halt geboten hatte. Überdies zeichnet sich für heute eine zusätzlich Abwärts-Kurslücke ab.
  • Der Schwung-Indikator ist weiter abgerutscht und hat sich damit von einem möglichen Trendbruch – also einem Kaufsignal – noch weiter entfernt.

Fazit

Die Eskalation im Handelsstreit zwischen China und den USA erreicht allmählich Dimensionen, die zur ernsthaften Bedrohung der US-Konjunktur werden können:

Schließlich müssen die Strafzölle ja von jemandem bezahlt werden. Oder die US-Firmen bestellen weniger in China. Nichtsdestotrotz exportiert China auch mit Strafzöllen belegte Waren und Produkte, die in den USA nahezu unverzichtbar sind.

Die Strafzölle werden zunächst von den importierenden Unternehmen übernommen: Anschließend wird die so entstandene Verteuerung an den Kunden weitergegeben oder als Profitminderung akzeptiert.

Dann haben entweder die eine oder andere Partei oder beide unter dem Strich weniger Geld in der Kasse. Sie kennen das: Weniger Konsum = verringerter Absatz = weniger Unternehmensgewinn = erforderliche Kosteneinsparungen = Streichung von Arbeitsplätzen = Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Mr. Trump beschreitet hier einen immer gefährlicher werdenden Weg. Und das ist weder gut für die US-Bevölkerung, noch für die Investoren. Und natürlich leiden darunter auch die Aktienmärkte in Europa.

Mr. Trump hat den Aufwärtstrend im DAX mit seiner erneuten Eskalation im Handelsstreit auf jeden Fall beendet. An der Wall Street sieht es derzeit (noch) etwas besser aus. Doch gefährlich kann es nun auch dort werden.

Doch das schauen wir uns morgen an.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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