DAX: Das blieb unbemerkt. Wichtiges außerbörsliches Signal!

Der DAX hat völlig unbemerkt ein wichtiges Signal gesetzt. Welches und worauf Sie jetzt achten müssen, das verrät Ihnen Michael Sturm! (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Ob der schwarze Montag nun überraschend kam oder nicht, er riss ein dickes Loch in den DAX-Verlauf 2018.

Die noch im Januar gefeierten Börsengewinne waren ruckzuck aufgebraucht und aktuell steht ein dickes Minus in der Jahresperformance des DAX-Index.

Viele Experten hatten immer wieder gewarnt, auch ich habe die überkauften Börsen das ein oder andere Mal angeprangert. Dennoch kann man so einen Flashcrash nicht vorhersagen. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Wenn sich in der heutigen Zeit der Computerhandel zusätzlich einmischt, dann kann so ein Tag schon blutig werden. Doch die Frage ist jetzt eine andere: „Wie tief fallen wir noch oder war es das?“ Oder gibt es jetzt sogar eine langanhaltende Baisse?

Zur Beantwortung dieser Fragen kann ich Ihnen nur aus 33 Jahren Börsenerfahrung berichten. Und da sieht es so aus: Plötzliche Zinssteigerungen sind Gift für die Börse. Aber so lange die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihen in den USA (T-Bonds) nicht über 4,25% steigt, sind Aktien weiterhin attraktiv und eine langanhaltende Baisse gering wahrscheinlich. Und sie liegt aktuell bei etwa 3,15%.

Die Korrektur ist wichtig und richtig! Aber jetzt auf jahrelang sinkende Kurse zu setzen, ist falsch.

Charttechnisch haben der Montagscrash und die folgenden Tage Spuren hinterlassen. Was an Porzellan zerstört wurde, betrachten wir zunächst im kurzfristigen 1-Monatschart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

1.600 Punkte runter! Aber es gibt jetzt einen Lichtblick

Mit klassischen Trendkanälen kann man in diesem Kurzfristchart nicht arbeiten. Fakt ist, dass das Durchschlagen der Marke um 13.150 Punkte (hier öfters schon angesprochen) der Startschuss für eine Verschärfung der zweiwöchigen Abwärtsspirale war (roter Kreis).

Unbemerkter Tiefpunkt

Ihren Tiefpunkt nahm die Abwärtsbewegung zu einem Zeitpunkt, den die meisten Börsianer überhaupt nicht mitbekamen. Denn erst am vergangenen Freitag, schon nach Börsenschluss in Europa, wo die meisten Börsianer bereits ins Wochenende starteten, sackte der DAX-Index urplötzlich außerbörslich bis kurz unter die 11.900 Punkte ab! (Hier im Chart nicht sichtbar, weil nachbörslich). Mein geschätzter Kollege Jens Gravenkötter und ich haben dies allerdings bemerkt und wir standen in engem Kontakt bis 22:00 Uhr, wo die US-Börsen ebenfalls schlossen.

Mit Sorge haben wir die Bewegung betrachtet, aber kamen schnell einhellig zu dem Schluss, dass es rein fundamental keinen Grund für einen weiteren Absturz gibt. Denn das Umfeld ist für Aktien einfach zu gut, die Renditen am Anleihemarkt einfach noch zu niedrig und noch nicht an dem Punkt, wo ein Umschwenken von Hausse auf Baisse gerechtfertigt wäre.

Der Lichtblick

Und so kam es dazu, dass in den letzten Minuten vor dem Börsenwochenende das so genannte Smart Money (frei übersetzt: schlaues Geld) (blauer Pfeil) in den Markt kam und die Aktien steil nach oben trieb. Das ist ein gutes Zeichen und zeigt, dass die Abwärtsbewegung übertrieben ausfiel und an diesem Punkt massives Kaufinteresse vorliegt.

Ich habe Ihnen im Chartbild eine Gap-Zone (schwarz schraffierte Zone) eingezeichnet. Wenn der DAX-Index in diese Zone vordringen kann, bestehen gute Chancen auf eine Stabilisierung. Diese kann auch nochmal ein zweites Absinken auf tiefere Werte bedeuten, aber die Chancen stehen nicht schlecht.

Auf ein Ende der Abwärtsspirale darf charttechnisch allerdings erst gewettet werden, wenn der DAX-Index die Zone am oberen Ende überspringt. Dies sind zurzeit etwa 12.650/12.700 Punkte.

Fazit: Kurzfristig Chancen auf Stabilisierung. Signifikant oberhalb der GAP-Zone ab 12.650 Punkten

Wie verändert dies die mittelfristige Perspektive? Blicken wir dazu in den 1-Jahres-Chart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

11.900 hat gehalten und muss halten…

Im mittelfristigen Chartbild vom DAX-Index erkennen Sie den steilen Absturz des DAX-Index. Vor 2 Wochen warnte ich an dieser Stelle noch eindringlich vor der Gefahr, wenn die 13.150er Marke durchbrochen wird. Meine Prognose von 900 Punkten Abwärtspotenzial im Falle eines Durchbruchs wurde leider rasch bestätigt.

Doch genauso fest ist im Chartbild die 11.900er Marke etabliert (grüne Linie). Sie sehen die beiden jeweils gut 2 Monate andauernden Bewegungsabläufe im vergangenen Jahr an dieser Marke (schwarze Bögen). Es besteht jetzt eine gute Wahrscheinlichkeit, dass der Index hier seine Umkehrformation vollzieht.

Nach unten durchsacken sollte er nicht, ansonsten muss eine Neubetrachtung her.

Fazit mittelfristig: 11.900 hat gehalten. Chance auf Umkehrformation. Bitte die 11.900 beachten. DAX-Trader sollten hier Ihre Stoppmarken einziehen.

Abschließend noch die Analysedes langfristigen 10-Jahres-Chart vom DAX-Index:

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Mittelfristtrend zerstört, Langfristtrend vollkommen intakt!

Zunächst ist klar: Der übergeordnete Langfristtrend ist weiterhin auf langfristige Sicht vollkommen intakt (blauer Trendkanal). Innerhalb dieses sehr breiten Trendkanals hat der DAX-Index seit 2016 einen steileren mittelfristigen Aufwärtstrendkanal etabliert (grüner Trend). Dieser wurde nun durch den Washout zerstört.

Ob sich hier ein neuer flacherer Trend ausbildet, bleibt abzuwarten. Wichtig ist zunächst einmal, wo der DAX-Index seinen Boden findet. Die angesprochene 11.900er Marke ist bereits besprochen worden. Im ungünstigsten Falle eines Unterschreitens wären da die 11.500 und die 10.800 zu nennen (rote Unterstützungen).

FAZIT: Gute Chancen auf einen Boden. Bleiben Sie wachsam an der 11.900er Marke. DAX-Trader ziehen hier ihre Stopps ein. Nach oben erst Entwarnung, wenn die 12.650 überschritten wird.

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Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!